Deutsche Postbank streicht 2000 Stellen

Auf eine Dividende müssen die Aktionäre damit vorerst verzichten. Das teilte das Institut nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Laut dpa-Informationen beschloss das Gremium ausserdem eine Millionenabfindung für den früheren Postbank-Chef Wolfgang Klein.


Verwaltungsaufwand soll um 145 Mio. Euro sinken
Die Postbank war 2008 wegen der Finanzkrise tief in die roten Zahlen gerutscht. Mit dem Sparprogramm soll sich die Ergebnissituation wieder verbessern. Bis 2012 sollen jährlich 500 bis 700 Arbeitsplätze gestrichen werden – zusätzlich zu den rund 500 Stellen, die ohnehin schon jedes Jahr wegfallen. Am Ende des Jahres 2012 will die Bank noch 19.000 Mitarbeiter beschäftigen. Der Stellenabbau soll den Angaben zufolge sozialverträglich und «unter Ausnutzung der natürlichen Fluktuation» vonstatten gehen. In begrenztem Umfang würden auch Abfindungen und Vorruhestand angeboten. Auf diese Weise will die Postbank ihren Verwaltungsaufwand bis Ende 2012 um 145 Millionen Euro drücken. 2008 beliefen sich die Kosten auf 2,97 Milliarden Euro. Für den Umbau legt das Institut erste 28 Millionen Euro allein im vierten Quartal 2009 zurück.


Produktpalette verschlanken
Zusätzlich will die Postbank ihre Produktpalette im Privatkundengeschäft verschlanken und den Service ausbauen, um mittelfristig die Erträge der Sparte zu steigern. Mit den Änderungen wolle das Unternehmen dem durch die Finanzkrise veränderten Nachfrageverhalten entsprechen, sagte Vorstandschef Stefan Jütte. Die Postbank arbeitet bei den Privatkunden bereits mit dem neuen Grossaktionär Deutsche Bank zusammen, der das Institut bis 2012 vermutlich komplett schlucken wird.


Gewinne 2009 und 2010 werden einbehalten
Ihre Eigenkapitalausstattung will die Postbank schliesslich verbessern, indem sie die Gewinne für die Jahre 2009 bis 2010 einbehält. Bis Ende 2012 soll die Eigenkapitalrendite auf zehn Prozent steigen. Diesen Wert strebt auch Grossaktionär Deutsche Bank als Mindestgrösse an. Dass die Aktionäre deswegen auf eine Dividende verzichten müssen, nimmt die Postbank in Kauf.


Deutsche Bank wird spätestens in drei Jahren Mehrheitseigner
Die Deutsche Bank hält seit vergangenem Jahr mehr als ein Viertel an den Bonnern und wird spätestens in drei Jahren zum Mehrheitseigner. So sehen es die Verträge mit der früheren Postbank-Mutter Deutsche Post vor, die derzeit ebenfalls noch mit knapp 40 Prozent beteiligt ist. Das mittelfristige Ziel für die Eigenkapitalrendite sieht das Institut nun bei 13 Prozent. Zuvor hatte sich Vorstandschef Jütte 13 bis 15 Prozent als Marke gesetzt.


Klein bekommt Millionen-Abfindung
Neben dem Sparprogramm stimmte der Aufsichtsrat am Mittwoch auch einer Abfindung von knapp 2,9 Millionen Euro für den früheren Postbank-Chef Klein zu. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur dpa aus sicherer Quelle. Kleins Gehalt für 2009 – bis zu seinem Ausscheiden Ende Juni – betrug rund eine halbe Million Euro. Auf eine etwaige Bonuszahlung für 2009 habe Klein verzichtet, hiess es. Der 45-Jährige war nach dem Einstieg der Deutschen Bank bei der Post-Tochter überraschend ausgeschieden – wahrscheinlich musste er seinen Hut nehmen. Zuvor war er in die Schlagzeilen gekommen, als er im Zuge des Verkaufsprozesses 2008 einen umstrittenen Sonderbonus von 2,4 Millionen Euro erhielt – der gesamte Postbank-Vorstand kassierte 11,5 Millionen Euro. (awp/mc/pg/30)

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