Deutschland: Konsumklima trotz Hiobsbotschaften weiter robust

Von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragte Volkswirte hatten mit 2,3 Punkten gerechnet.


Keine Konsumstarre zu erwarten
Trotz der düsteren Wirtschaftsprognosen ist den Marktforschern zufolge in Deutschland keine Konsumstarre zu befürchten. «Diese Gefahr zeichnet sich im Moment nicht ab», sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Gründe seien Kaufkraftzuwächse dank einer sehr geringen Inflation, niedrigere Energiepreise und eine vergleichsweise deutliche Rentenerhöhung sowie erste Anzeichen, die auf eine konjunkturelle Trendwende zum Jahresende hoffen liessen. «Das ist eine gute Botschaft», betonte Wübbenhorst. Er erwartet für 2009 weiterhin ein Konsumwachstum von bis zu 0,5 Prozent. Der Konsum federe somit die durch wegbrechende Exporte verschärfte Talfahrt der deutschen Wirtschaft etwas ab.


Konjunkturpessimismus sehr ausgeprägt
Nach leichten Einbussen im Vormonat legten Konjunktur- und Einkommenserwartungen sogar wieder etwas zu. Die Gewinne erfolgten aber auf sehr niedrigem Niveau. Der Konjunkturpessimismus sei immer noch sehr ausgeprägt. Die Anschaffungsneigung halte trotz geringer Einbussen ihr gutes Niveau. Allerdings bleibe das Niveau der Konsumstimmung insgesamt nach wie vor eher niedrig. Deshalb werde die Binnennachfrage in diesem Jahr die schweren Einbrüche bei Export und Investitionen allenfalls etwas abfedern, jedoch bei weitem nicht kompensieren können.


«Ein wegfallender Arbeitsplatz macht drei Menschen Angst»
Ein stabilisierender Faktor sei neben dem Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld auch der vergleichsweise hohe Anteil sogenannter krisenresistenter Haushalte mit 46 Prozent der Bevölkerung, sagte Wübbenhorst. Diese gut situierten Arbeitnehmer oder Rentner könnten sowohl auf höhere Renten und Pensionen als auch auf Erspartes zurückgreifen. Sie seien damit nicht direkt von den Hiobsbotschaften betroffen. Die grösste Gefahr für die weitere Entwicklung des Konsumklimas drohe vom Arbeitsmarkt. «Ein wegfallender Arbeitsplatz macht drei Menschen Angst», bekräftigte Wübbenhorst.


Deutsche Wirtschaft fitter
Insgesamt sei die deutsche Wirtschaft inzwischen aber fitter und könne so die schwerste Wirtschaftskrise seit Bestehen der Bundesrepublik besser bestehen, sagte Wübbenhorst. Alle Beteiligten seien aber gut beraten, sich auf eine schwierigere Lage insbesondere am Arbeitsmarkt einzustellen. Dies geschehe auch bereits. So zum Beispiel durch eine deutliche Verlängerung des Kurzarbeitergeldes. Nach Ansicht von Philipp Jaeger, Volkswirt bei der DZ Bank, ist es ein positives Zeichen, dass der Indikator stabil geblieben ist. Das Konsumklima habe zuletzt immer wieder positiv überrascht. Die Abwrackprämie für Autos helfe hier definitiv. Die Verbraucher sollten allerdings beunruhigt sein – das Schlimmste am Arbeitsmarkt komme noch. Der Indikator werde daher in den kommenden Monaten seine Stabilität verlieren und fallen.


Einfuhrpreise deutlich zurückgegangen
Die Einfuhrpreise in Deutschland sind im März so stark gesunken wie 1987 nicht mehr. Im Jahresvergleich seien die Importpreise um 7,1 Prozent zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Im Vormonat waren die Einfuhrpreise bereits um 6,4 Prozent gesunken. Verantwortlich für den scharfen Rückgang im März seien insbesondere die gesunkenen Preise für importierte Energieträger, die um 28,5 Prozent eingebrochen seien. Im Vergleich zum Vormonat sanken die Einfuhrpreise um 0,4 Prozent, nach minus 0,1 Prozent im Februar. Die Ausfuhrpreise sanken im Jahresvergleich um 1,7 Prozent. Im Vormonat waren sie noch um 1,2 Prozent gefallen. Im Vergleich zum Vormonat fielen die Ausfuhrpreise um 0,4 Prozent. (awp/mc/ps/10) 

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