Douglas Günthardt, CEO Siegfried: „Trend zur Auslagerung ist nicht eingetreten“


Ein eher ernüchterndes Resultat führt bei der Siegfried Holding zum Tritt auf die Kostenbremse. Douglas C. Günthardt, CEO Siegfried Ltd. gibt im Moneycab Interview Auskunft über weitere Sparübungen und die Zukunft seines Unternehmens.

Von Patrick Gunti


Douglas C. Günthardt, CEO Siegfried Ltd. (Foto: pd)

Moneycab: Herr Günthardt, die Siegfried Holding hat im ersten Halbjahr 2004 einen Umsatz- und Betriebsgewinn-Rückgang um 3,7 resp. 53 % hinnehmen müssen. Wo liegen die Gründe dafür?

Douglas Günthardt: Siegfried hat zwei Business Units mit sehr unterschiedlichem Geschäftsgang. Die Business Unit Siegfried Actives, welche pharmazeutische Wirkstoffe herstellt, leidet unter der sehr schwierigen Marktlage. Auf der anderen Seite konnte die Business Unit Siegfried Generics dank einer Produkteinführung den Umsatz im ersten Halbjahr 2004 verdoppeln und den Umsatzausfall in der Wirkstoffproduktion beinahe auffangen. Wegen der tiefen Auslastung in der chemischen Produktion und den damit verbundenen nicht absorbierten Kosten hat der EBIT stark gelitten.


Der Bereich Siegfried, der 92 % des Gruppenumsatzes erarbeitet, machte 3,7 % weniger Umsatz. Der grösste Umsatzausfall war im Geschäft mit der Kundensynthese (Business Unit Siegfried Actives) zu verzeichnen. Was führte konkret zu diesem substanziellen Ausfall?

Es bestehen ca. 40% Überkapazitäten auf dem europäischen Markt. Auf der anderen Seite gingen die Neuregistrierungen für Medikamente in den letzten Jahren stetig zurück. Ein allgemeiner Trend zur Auslagerung der chemisch-pharmazeutischen Produktion ist zudem bei der forschenden Pharmaindustrie nicht eingetreten. Es werden nach wie vor nur spezifische Wirkstoffe ausgelagert.

Mit den Resultaten der Business Units Siegfried Generics und Siegfried Biologics dürften Sie aber zufrieden sein?

Mit diesen Ergebnissen bin ich sehr zufrieden. Es zeigt sich auch, dass unsere Strategie, die Geschäftstätigkeit der Firma Siegfried auf mehrere Beine zu stellen, richtig ist.

Nach dem ernüchternden Gesamtresultat treten Sie auf die Kostenbremse. Rund 130 Stellen werden im Pharmageschäft abgebaut, davon 100 in der Schweiz. In welchem Rahmen werden sich die Einsparungen bewegen, wie sieht der Zeithorizont der Umsetzung aus und ab wann werden die Einsparungen wirksam?

Als Industriebetrieb können wir es uns nicht leisten, über längere Zeit nicht ausgelastete Kapazitäten aufrecht zu erhalten. Deshalb wollen wir die Kapazitäten an die Marktgegebenheiten anpassen, und pro Jahr nachhaltig 25 Millionen Franken sparen. Ein wesentlicher Teil wird bereits im Geschäftsjahr 2005 wirksam. Bis sich die Einsparungen in ihrer Gesamtheit niederschlagen, wird es 2006.

Leider ist das zur Hälfte nur mittels Stellenabbau möglich, was schmerzt. Aber auch intern wird verstanden, dass wir die Substanz der Firma verteidigen müssen und die langfristige Perspektive der Firma im Vordergrund steht.

Der Personalbestand hat sich bereits in den letzten 12 Monaten um 94 Mitarbeitende verringert, jetzt fallen nochmals 130 Jobs weg. Die Kapazität im chemisch-pharmazeutischen Bereich wird also heruntergefahren. Ab wann sehen Ihre Planungen denn wieder eine Produktionssteigerung vor?

Wir gehen davon aus, dass die Mengen im zweiten Halbjahr 2005 wieder ansteigen.

Sie gehen dabei von 50 Kündigungen aus. Besteht für die Betroffenen ein Sozialplan und wie sieht dieser aus?

Wir verfügen über einen Sozialplan, der bis Ende 2004 gültig ist. Zur Zeit stehen wir bezüglich Verlängerung in Verhandlungen mit unseren Sozialpartnern.

Neben dem Personalabbau sehen Sie weitere Restrukturierungsmassnahmen vor, die zusammen mit McKinsey & Company erarbeitet werden. Was sind konkret für Massnahmen vorgesehen und welche Ziele verfolgen Sie mit der Restrukturierung?

Wir wollen effizienter und damit auch kostengünstiger werden. Ziel ist es, fit zu werden und damit den Standort Zofingen nachhaltig zu stärken.

Wie sehen die Aussichten für das zweite Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres und das kommende Jahr aus?

Im zweiten Halbjahr werden wir etwas tiefer abschliessen, als im ersten. Dies vor allem wegen der Einführung eines neuen Generikums auf dem europäischen Markt, welche im ersten Halbjahr stattgefunden hat. Dies wird sich im zweiten Halbjahr nicht mehr wiederholen. Im Weiteren fallen im zweiten Halbjahr Restrukturierungskosten von 15 Millionen Franken an. Trotzdem werden wir einen Reingewinn zwischen 15 und 20 Millionen Franken erzielen.

Moneycab Interviews Douglas C. Günthardt 
CEO Siegfried Ltd. (seit 1.1. 2001)

Nationalität: Amerikaner

Zuvor:

1999-2001 Präsident Siegfried USA
1996-1999 CFO Siegfried
1994-1996 CFO International Haernonetics
1988-1994 CFO Compaq Computer AG, Schweiz

1984Abschluss Master of Business Administration in Finance and Strategic Planning an der Stanford University in Kalifornien.

Die Siegfried Guppe ist ein weltweit tätiges, an der Schweizer Börse kotiertes Unternehmen. Der Bereich Siegfried mit seinen drei Geschäftseinheiten entwickelt und produziert pharmazeutische und biopharmazeutische Aktivsubstanzen und auftragsspezifische Fertigprodukte für die chemische und pharmazeutische Industrie. Der Bereich Sidroga entwickelt und produziert hochklassige Naturprodukte.

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