E.ON trotzt Wirtschaftskrise

Ebenso konnte damit die weiterhin schwache Entwicklung in Grossbritannien und Skandinavien aufgefangen werden. Der Vorstand erhöhte daraufhin seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr. Anleger reagierten erfreut. Die Aktie legte zum Handelsauftakt an der Dax-Spitze um 2,41 Prozent auf 27,58 Euro zu.


Reingewinn um satte 87 Prozent gesteigert
Der bereinigte operative Gewinn (adjusted EBIT) sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Prozent auf 7,658 Milliarden Euro und lag damit leicht über den Schätzungen der 15 von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragten Analysten. Der Umsatz sank wegen krisenbedingter Rückgänge beim Gasabsatz und negativer Währungseffekten um zwei Prozent auf 59,3 Milliarden Euro. Der Überschuss stieg um satte 87 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Das Vorjahresergebnis war allerdings durch Wertberichtigungen besonders belastet. Um diese Sondereffekte bereinigt, stieg das Nettoergebnis um ein Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Dieser Wert ist für die Berechnung der Dividende entscheidend. Börsianer sprachen von guten Ergebnissen.


Probleme im Gasgeschäft
Der Konzern erhöhte überraschend seine erst im Sommer leicht angehobene Prognose erneut. Nun geht der Vorstand davon aus, dass der bereinigte Konzernüberschuss nur noch um 3 bis 5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis von 5,6 Milliarden Euro liegen wird. E.ON will davon 50 bis 60 Prozent als Dividende ausschütten. Beim bereinigten EBIT will E.ON weiter das gleiche Niveau wie im Vorjahr (9,9 Mrd Euro) erreichen. Grosse Schwierigkeiten bereitet dem Konzern das Geschäft von E.ON Ruhrgas. Die Tochtergesellschaft musste einen Absatzeinbruch von 15 Prozent verkraften. Hinzu kommt der steigende Wettbewerb, der die Margen unter Druck setzt. Im britischen Geschäft leidet E.ON unter der Abwertung des Pfunds und gesunkenen Strompreisen. Auch in Skandinavien machten sich Währungseffekte negativ bemerkbar, ebenso der geplante Stillstand von Atomkraftwerken.


Ergebnisausfälle aus Kraftwerksverkäufen wettgemacht
Im Geschäftsbereich Central Europe, zu dem auch das Stromgeschäft in Deutschland gehört, wirkten sich Effizienzsteigerungen und höhere Preise für die Durchleitung von Strom durch die Übertragungsnetze positiv aus. Hinzu kamen erstmalige Ergebnisbeiträge aus den neuen Engagements in Frankreich und Rumänien. So konnte der Konzern auch die durch die Abgabe von Kraftwerken in Deutschland entfallenden Ergebnisbeiträge wettmachen. E.ON hatte sich im vergangenen Jahr in einem Kartellverfahren der Europäischen Kommission dazu verpflichtet, sich von 5.000 Megawatt Kraftwerkskapazitäten in Deutschland sowie vom Übertragungsnetz zu trennen. Dieses Ziel hat der Konzern inzwischen fast erreicht. Am Dienstag hatte der Vorstand den Verkauf des Hochspannungsstromnetzes an den niederländischen Netzbetreiber Tennet für eine Milliarde Euro bekannt gegeben. Zudem hat sich E.ON inzwischen von 4.800 Megawatt Kraftwerkskapazitäten getrennt. Dafür kassierte der Konzern rund zwei Milliarden Euro und erhielt Anteile an Kraftwerken in Belgien und Frankreich.


Schuldentilgung kommt voran
Die Nettoverschuldung sank von Ende Juni bis Ende September um knapp eine Milliarde auf 46,2 Milliarden Euro. Für die Schuldentilgung will der Konzern bis Ende des kommenden Jahres durch den Verkauf von Beteiligungen zehn Milliarden Euro einnehmen. Zusammen mit dem Verkauf der Stadtwerke-Holding Thüga für 2,9 Milliarden Euro und des Stromnetzes sowie der Abgabe von Kraftwerken hat E.ON nun bereits mehr als Hälfte dieses Ziels erreicht. (awp/mc/ps/15)

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