economiesuisse prophezeit Wachstum für 2010

Vor einem halben Jahr deutete die Prognose von economiesuisse noch auf eine Schrumpfung des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) um 0,8% hin. Der Wachstumstreiber der kommenden Monate ist gemäss economiesuisse die Exportwirtschaft. Deren Ausfuhren dürften im Vergleich zum laufenden Jahr wieder um knapp 4% steigen. Das Wachstum kompensiere die teilweise dramatischen Einbrüche in der Exportwirtschaft von 2009 aber bei weitem nicht, stellte economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch am Montag vor den Medien in Zürich klar. Fürs laufende Jahr geht er von einem Exporteinbruch von über 10% aus.


Privater Konsum und Bauwirtschaft bremsen
Den bevorstehenden Aufschwung bremsen gemäss Minsch der private Konsum und die Bauwirtschaft. Beides galt in den letzten Monaten immer als Konjunkturstütze. 2010 wird der Konsum, der im laufenden Jahr noch leicht um 0,8% ansteigen dürfte, jedoch lahmen und voraussichtlich um 0,2% abnehmen. Der Bau, der 2009 noch ein Wachstum verzeichnete, wird 2010 um 2,3% schrumpfen. Die Investitionsausgaben der Unternehmen nehmen gemäss economiesuisse nach einem Minus von 7,5% im 2009 im 2010 erneut um 4,7% ab. «Viele Unternehmen trauen der Lage noch nicht und halten sich mit Investitionen zurück», erklärte Minsch.


Aufschwung weiterhin erheblichen Risiken ausgesetzt
Der prognostizierte Aufschwung ist gemäss des Wirtschaftsverbandsökonomen zudem weiterhin erheblichen Risiken ausgesetzt. Insbesondere Veränderungen der Wechselkurse und die weitere andauernde Instabilität des internationalen Finanzsystems könnte den Wirtschaftsaufschwung noch verhindern. In einem solchen Fall könnte dann wohl auch die Arbeitslosenzahl noch stärker steigen. Ausgehend von einem leichten Plus des BIP rechnet economiesuisse übers ganze kommende Jahr gesehen mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 4,9%. Zudem dürfte auch wieder eine leichte Teuerung einsetzen (+0,7%).


KOF-Prognose bleibt pessimistischer
Mit seiner Konjunkturprognose für 2010 befindet sich economiesuisse in guter Gesellschaft: Fast alle Wirtschaftsauguren sagen ein Wirtschaftswachstum in ähnlicher Höhe voraus. Einige Banken gehen sogar noch von einem stärkeren Plus aus, die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich zeigt sich dafür deutlich pessimistischer. Fürs laufende Jahr korrigiert economiesuisse ihre BIP-Prognose leicht von -2,9 auf -2,7%, während die meisten anderen Konjunkturforscher Werte zwischen -1,4 und -2,0% und das KOF ein Minus von 3,4% prognostizieren.


Kein Übergang zur Tagesordnung angezeigt
An der Medienkonferenz wies economiesuisse-Präsident Gerold Bührer darauf hin, dass trotz positiver Zeichen wirtschaftspolitisch nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden könne. Und er präsentierte einen Katalog von Anliegen, welche seiner Ansicht nach langfristig die Attraktivität der Schweiz sichern sollen. Wichtigster Punkt darin ist die Konzentration auf am internationalen Wettbewerb ausgerichtete Wachstumstreiber. Klassische Konjunkturpakete seien dagegen grundsätzlich zu unterlassen. Mit Blick auf die Krise wand Bührer dem Bundesrat diesbezüglich aber sogar ein Kränzchen.


Absage an «Abzocker»-Initiative
Ansonsten sieht economiesuisse Handlungsbedarf in der Finanz- und in der Steuerpolitik, aber auch bei den neu angestrebten Regulierungen des Finanzmarktes oder der Managerlöhne. Da gelte es, die Flexibilität des Schweizer Gesellschaftsrechts zu bewahren und sinnvolle Differenzierungen zwischen Grosskonzernen und den restlichen Unternehmen vorzunehmen. Als Gefahr für die Flexibilität des Schweizer Gesellschaftsrechts bezeichnete Bührer schliesslich die «Initiative gegen die Abzockerei», mit der die Managerlöhne begrenzt werden sollte. Der Initiatvie gelte es ein «überzeugendes Gegenkonzept» gegenüberzustellen.


Mehr Wettbewerb zwischen Hochschulen
Hohe Priorität zum Erhalt der Standortattraktivität kommt gemäss Bührer auch der Sicherung der Stromversorgung zu. Angesichts der anstehenden politischen Herausforderung müsse zudem in der Bevölkerung das Vertrauen in einen liberalen Weg zurückgewonnen werden. Daher sei es nicht akzeptabel, dass sich einzelne Bundesräte in zentralen Dossiers lautstark von ihren Ratskollegen abgrenzten. Als weiteres wirtschaftspolitisches Handlungsfeld sieht economiesuisse schliesslich die Bildung. Hier will der Wirtschaftsdachverband den Wettbewerb zwischen den Hochschulen ankurbeln und Anreize schaffen, sich nicht an der Masse der Studierenden auszurichten, sondern an deren Qualität. (awp/mc/ps/15) 

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