Ericsson und STMicroelectronics: Fusion bei Handy-Chips

Geplant sei, den Ericsson-Bereich «Mobile Plattformen» mit der STMicro-Tochter ST-NXP zu bündeln, teilte Ericsson mit. Das Gemeinschaftsunternehmen kommt mit knapp 8.000 Mitarbeitern auf einen Jahresumsatz von zuletzt 3,6 Milliarden Dollar (2,4 Mrd Euro). Die im DAX notierte Infineon setzte mit Kommunikationschips im vergangenen Jahr 1 Milliarde Euro um. Das Geschäft ist allerdings seit der Pleite des Hauptkunden BenQ Mobile – wie Infineon früher Teil des Siemens-Konzerns – vor zwei Jahren defizitär. Einzig im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres war der Bereich profitabel; genaue Zahlen nennt das Unternehmen nicht.


Gemeinsamer Kundenstamm
Statt die Mobilfunk-Chips nach dem herben Schlag aufzugeben, baute Infineon die Sparte durch Zukäufe aus. Mittlerweile liefern die Münchener den Top fünf der Handyhersteller zu: Nokia, Samsung, LG Electronics, SonyEricsson und Motorola . Bis auf Motorola zählen diese Unternehmen auch zu den Kunden des neuen schwedisch-niederländischen Gemeinschaftsunternehmens.


Augenmerk auf Forschung, Entwicklung und Vermarktung
STMicro bringt 3,0 Milliarden Dollar Jahresumsatz in die neue Firma ein, während von Ericsson 0,6 Milliarden kommen. An dem Unternehmen sind die Partner jedoch zu gleichen Teilen beteiligt. Als Ausgleich erhält STMicro 700 Millionen Dollar aus der Kasse der gemeinsamen Gesellschaft; Ericsson zahlt dagegen 1,1 Milliarden Dollar ein. Langfristig erhoffen sich die Partner steigende Gewinne durch die Zusammenlegung. Augenmerk der Gemeinschaftsfirma liegt auf Forschung und Entwicklung sowie Vermarktung. Die Produktion wird dagegen bei STMicro oder Auftragsfertigern stattfinden.


Unterstützung von NXP
Bevor STMicro seine Mobilfunk-Chips jedoch in die Partnerschaft einbringt, wollen sie NXP aus der Gesellschaft ST-NXP herauskaufen. Erst im April hatten die beiden Konzerne sich bei Halbleitern für Handys zusammengetan. NXP-Chef Frans van Houten zeigte sich offen für einen Verkauf des 20-Prozent-Anteils. Sein Unternehmen unterstütze den «nächsten Schritt von Ericsson und ST bei der Schaffung des weltweiten Marktführers für Mobilfunk-Chips».


Ein Infineon-Wettbewerber weniger auf dem Markt
Die Infineon-Aktie stieg bis zum Mittwochmittag um 1,44 Prozent auf 5,64 Euro in einem freundlichen Markt. Der Zusammenschluss könnte nach Analystenmeinung auch positive Auswirkungen auf die Münchener haben, da es einen Wettbewerber weniger auf dem Markt gäbe. Die Handy-Produzenten streuen ihren Einkauf von Chips, um Abhängigkeiten zu vermeiden. Neben den Genannten zählen Texas Instruments , Qualcomm und Freescale zu den grossen Anbietern von Handy-Chips. (awp/mc/pg/11)

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