Ermittlungen gegen UBS und Credit Suisse-Mitarbeiter in Brasilien

Die UBS bestätigte am Mittwoch, dass ein Mitarbeiter während einer Geschäftsreise in Brasilien verhaftet worden sei. Ansonsten will sich das Institut nicht zum Fall äussern.


Die Polizei hatte am Dienstag Razzien in 44 Betrieben im südlichen Bezirk Sao Paolo und in den nördlichen Bezirken Amazonas und Bahia ausgelöst. Die 19 Verhafteten – zwei Schweizer und 19 Brasilianer – wurden zunächst nicht formell beschuldigt; sie können nach brasilianischem Recht aber auch ohne Anklage während fünf Tagen in Haft behalten werden.


Ring von Geldwäschern und Schweizer Bank-Mitarbeiter vermutet
Die Ermittler vermuten einen Ring von brasilianischen Geldwäschern, so genannten Doleiros, und Mitarbeiter Schweizer Banken, die monatlich 4 Mio. Dollar am Fiskus vorbei geschleust haben sollen. Im Visier der Behörden sind mehrere vermögende Brasilianer, die mit Hilfe der Schweizer Bankiers und den vermittelnden Doleiros Steuerbetrug vollzogen haben sollen. Über legale Bankkonten in Brasilien sei das Geld ins Ausland transferiert worden.


Aktion dauert schon eineinhalb Jahre
Die breit angelegte Aktion der brasilianischen Behörden begann bereits im Frühling 2006. Damals wurde ein Mitarbeiter der Credit Suisse für mehrer Tage in Haft genommen. Ende 2006 erwarb die Credit Suisse 50% plus 1 Aktie der brasilianischen Privatbank Hedging Griffo für 421 Mio CHF. Die Schweizer Grossbank ist heute vor allem im Onshore Banking in Brasilien tätig. Ihr damals verhafteter Mitarbeiter leitet heute aus der Schweiz heraus ein Privatebanking-Team für den arabischen Raum.


UBS im Onshore-Geschäft mit Pactual aktiv
Nun richtet sich das Augenmerk der brasilianischen Bundespolizei auf die UBS und die CS-Tochter Clariden Leu. Zur Frage, welche Folgen die Verhaftungsaktion auf das UBS-Geschäft in Brasilien haben könnte, wollte sich eine UBS-Sprecherin heute Morgen auf Anfrage nicht äussern. Die UBS ist im brasilianischen Onshore-Geschäft mit der Tochter Pactual aktiv. Die UBS erwarb diese Ende 2006 für insgesamt 3,1 Mrd USD (2,6 Mrd USD Kaufpreis plus 500 Mio USD zur Zurückbehaltung wichtiger Mitarbeiter). Sie bietet für lateinamerikanische Kunden Investment Banking, Asset Management und Wealth Management an. UBS Pactual soll gemäss internen Quellen bis Ende September dieses Jahres rund 500 Mio. Dollar Gewinn gemacht haben. (awp/mc/pg)

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