EU-Ausblick: Gewinne erwartet – US-Konjunktur, Zahlenflut

«Die Kommentare der Fed waren ermutigend und lassen hoffen, dass das Schlimmste der Rezession nun hinter uns sein dürfte», sagte Matt Buckland, Händler bei CMC Markets in London. Das Thema Schweinegrippe sei allerdings nach wie vor nicht vom Tisch, fügte der Experte hinzu. «Auf der Agenda steht erneut eine Flut von Zahlen und am Nachmittag könnten noch US-Konjunkturdaten für Bewegung sorgen.»


Die Konjunkturaussichten in den USA hellten sich nach Einschätzung der US-Notenbank (Fed) seit März auf. Die US-Wirtschaft sei zwar weiter geschrumpft, das Tempo der Abschwächung habe sich jedoch offenbar verlangsamt, heisst es im am Mittwoch veröffentlichten Kommentar zur Zinsentscheidung der Fed. Die derzeitige Zinsspanne von 0 bis 0,25 Prozent bleibe daher unverändert und die Leitzinsen dürfte für eine längere Zeit auf einem «aussergewöhnlich niedrigem» Niveau bleiben.


Zu den vielen Unternehmen, die bereits vor Handelsbeginn ihre Zahlen vorlegten, gehörte auch LM Ericsson. Beim schwedischen Telekomausrüster fiel der Gewinnrückgang im ersten Quartal weniger drastisch aus als befürchtet. Der IT-Dienstleister Capgemini schnitt mit seinem minimalen Umsatzrückgang im ersten Quartal ebenfalls besser ab als erwartet und bestätigte zudem seine Margenziele für das erste Halbjahr. Der britische Süsswarenkonzern Cadbury steigerte seinen Quartalsumsatz leicht und bestätigte für das Gesamtjahr ebenfalls seine Umsatz- und Margenziele.


Beim britischen Lebensversicherer Standard Life brachen die Umsätze im ersten Quartal um ein Fünftel ein. Anglo American konnte seine Erzproduktion zwar um 22 Prozent steigern, die Kupferproduktion dagegen sank um fünf Prozent. Darüber hinaus legten unter anderem noch der belgische Pharmakonzern UCB und der britische Gasproduzent BG Group Zahlen vor und der französische Softwarekonzern Dassault Systemes gab nach einem schwachen ersten Quartal eine Umsatz- und Gewinnwarnung für das Gesamtjahr aus.


Bereits am Vorabend nach Handelsschluss hatte der französische Baustoffkonzern Saint-Gobain seine Zahlen vorgelegt. Im ersten Quartal erlitt das Unternehmen aufgrund der sich weiter verschlechternden wirtschaftlichen Flaute einen Umsatzeinbruch. STMicroelectronics legte in der Nacht seine aktuelle Zwischenbilanz vor. Danach verbuchte der italienische-französische Chipkonzern im ersten Quartal einen Umsatzrückgang und einen höheren Verlust, lag damit aber dennoch leicht über den Erwartungen.


Jenseits der Zahlenflut könnte ein Bericht des «Wall Street Journals» den Autobauer Fiat ins Blickfeld der Anleger rücken. Danach sind die Gespräche über eine Rettung des US-Autobauers Chrysler gescheitert. Ein Insolvenzantrag noch am Donnerstag sei nun so gut wie sicher, berichtete das Blatt in der Online-Ausgabe unter Berufung auf informierte Personen. Die Regierung gehe davon aus, Chrysler schnell durch die Insolvenz zu bringen und vom italienischen Fiat-Konzern übernehmen zu lassen. Die Gespräche über eine Rettung ohne Insolvenzverfahren seien daran gescheitert, dass Gläubiger nicht in dem Masse auf ihre Ansprüche verzichten wollten wie es Washington verlangte.


Das italienische Wirtschaftsministerium unterstützt einen Vorschlag für eine acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung beim Versorger Enel. Beim französischen Versicherer AXA besteht hingegen kein Bedarf an frischem Kapital, wiederholte Konzernchef Henri de Castries im Gespräch mit der Zeitung «Les Echos». (awp/mc/ps/08)

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