EU-Ausblick: Sehr schwach – Tiefrote Vorgaben belasten

An der Wall Street war der Dow-Jones-Index am Mittwoch um 5,07 Prozent auf 7.997,28 Punkte eingebrochen und hatte damit erstmals seit fünfeinhalb Jahren unter der Marke von 8.000 Zählern geschlossen. Neben der anhaltenden Nervosität über das Schicksal der grossen Automobilkonzerne hätten auch aktuelle Konjunkturdaten die Stimmung belastet, sagten Marktteilnehmer. Der Future auf den US-Leitindex stand am Morgen mehr als 300 Punkte unter seinem Niveau zum europäischen Börsenschluss am Vortag. Der Nikkei-225-Index ging mit einem Minus von 6,89 Prozent aus dem Handel. Für Bewegung dürften am Nachmittag US-Konjunkturdaten wie der Philadelphia Fed Index und die Frühindikatoren sorgen. Auf Unternehmensseite gab es Zahlen von Air France-KLM und Ahold.


Die Fluggesellschaft Air France-KLM durchfliegt die derzeitige Krise nach eigenen Angaben mit höheren Betriebsgewinnen als die europäische Konkurrenz. Wegen der hohen Treibstoffpreise und der Marktabschwächung brach das Betriebsergebnis im zweiten Geschäftsquartal (bis 30. September) allerdings um 44,1 Prozent auf 405 Millionen Euro ein. Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet Air France-KLM ein «klar positives Betriebsergebnis».


In Italien könnte die Aktie des Air France-Konkurreenten Alitalia in Bewegung geraten. Die italienische Regierung hat das verbindliche Angebot für die Übernahme der maroden nationalen Fluggesellschaft durch die private Investorengruppe CAI angenommen. Wie der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Claudio Scajola, am Mittwoch in Rom mitteilte, soll der Verkaufspreis «nicht weniger als 1,052 Milliarden Euro» betragen. Scajola gab damit dem Insolvenzverwalter Augusto Fantozzi die Erlaubnis, den Vertrag zu unterzeichnen. Die neue Fluglinie soll am 1. Dezember gegründet sein. Gesucht wird noch ein ausländischer Geschäftspartner wie Air France-KLM oder Lufthansa .


Ahold dürften von der Bilanzvorlage einen Schub bekommen. Der niederländische Einzelhändler konnte im dritten Quartal mit seinem 11-prozentigen operativen Gewinnanstieg im Kerngeschäft die Markterwartungen übertreffen. Zudem wiederholte Ahold das operative Margenziel von 4,8 bis 5,3 Prozent für das Gesamtjahr.


Trotz des massiven Kursverfalls der letzten Tage denkt Frankreichs grösste börsennotierte Bank BNP Paribas nicht an eine Kapitalerhöhung. Die Kapitalquote erfülle vollkommen die Anforderungen, hatte BNP Paribas am Mittwochabend mitgeteilt. Deswegen sei auch keine neue Kapitalerhöhung notwendig, abgesehen zu der, die für die Finanzierung der Fortis-Übernahme genutzt von den Regierungen in Belgien und Luxemburg gezeichnet wird. Die Aktien von BNP Paribas waren in den zurückliegenden Handelstagen stark unter Druck geraten, was die Befürchtung am Markt erhöht hatte, dass die Bank sich frisches Kapital besorgen muss. Am Mittwoch hatten die Papiere über 11 Prozent verloren.


Bei Capgemini könnten optimistische Aussagen zum kommenden Jahr für Gewinne sorgen. Der französische IT- und Unternehmensberater ist nach Aussagen seines Finanzvorstands trotz der weltweiten Wirtschaftskrise für die Margen im kommenden Jahr zuversichtlich. Telecom Italia könnten von einem Zeritungsbericht bewegt werden. «Il Sole 24 Ore» schrieb ohne Angabe der Quelle, der italienische Telekomkonzern erwäge ein Angebot zur Komplettübernahme von 3 Italia, der italienischen Tochter des Mischkonzerns Hutchison Whampoa.


Rolls-Royce will im kommenden Jahr bis zu 2.000 Stellen abbauen. Nach Einschätzung des britischen Triebwerkherstellers hat dies aber keine Auswirkungen auf die Ziele des Unternehmens für das laufende Jahr. (awp/mc/ps/11)

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