EU-Eröffnung: Schwach – Durchwachsene Vorgaben

«Als Folge der unerwartet guten US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag könnten die Zinsen steigen», warnte Koen De Leus, Ökonom bei KBC Securities. «Die Daten sind grossartig für die Wirtschaft, aber nicht so toll für die Aktienmärkte.»


Ein negativ aufgenommener Pressebericht sorgte bei Fiat für Kursverluste von 1,61 Prozent auf 10,39 Euro. Der italienische Autobauer wird nach Aussagen seines Chefs Sergio Marchionne operativ unter den 7,0 bis 7,7 Prozent bleiben, die sich sein US-Partner Chrysler als Margenziel gesetzt hat. Grund sei, dass es in Europa keine Kapazitätssenkungen gegeben habe, zitierte das Magazin «Automotive News» den Manager.


In Kopenhagen brachen Genmab A/S um 4,97 Prozent auf 76,50 dänische Kronen ein. Nach Angaben des dänischen Biotechunternehmens will sein Partner Roche die Entwicklung des Antikörpers RG1507 nicht fortsetzen. Die Titel des Schweizer Pharmakonzerns verloren 0,89 Prozent auf 167,90 Schweizer Franken.


An der Londoner Börse drückte neben den negativ aufgenommenen Regierungsplänen ein drohender personeller Aderlass Royal Bank of Scotland (RBS) mit 3,19 Prozent auf 33,51 Pence ins Minus. Mehr als 1.000 Investmentbanker der staatlichen Bank haben laut einem Bericht der «Sunday Times» im Streit um Bonuszahlungen gekündigt. Sie reagierten damit auf Drohungen des Finanzministeriums als Hauptaktionär, Boni in Höhe von insgesamt 1,5 Milliarden Pfund (derzeit rund 1,65 Mrd Euro) nicht zu genehmigen. Allein das Jahresgehalt der Investmentbanker, die nun ihren Hut genommen haben, betrug demnach 600 bis 700 Millionen Pfund im vergangenen Jahr.


Im Übernahmepoker um den Schokoladenhersteller Cadbury hat sich der britische Wirtschaftsminister mit scharfen Worten eingeschaltet. Der US-Lebensmittelgigant Kraft Foods müsse mit «gewaltigem Gegenwind» seitens der Regierung rechnen, sollte er nach einer feindlichen Übernahme des britischen Unternehmens das Profitdenken überstrapazieren, sagte Peter Mandelson laut Berichten vom Samstag. Die Cadbury-Aktie zeigte sich mit minus 0,44 Prozent auf 791,50 Pence allerdings wenig beeindruckt.


Nachrichten gibt es auch aus dem in London schwer gewichteten Bergbausektor: Die beiden Konzerne BHP Billiton und Rio Tinto sind auf dem Weg zur gemeinsamen Produktion von Eisenerz in Australien einen Schritt weitergekommen. Ein halbes Jahr nach der Unterzeichnung einer Absichtserklärung unterschrieben die Unternehmen am Samstag eine verbindliche Vereinbarung. Zudem einigten sie sich auf Zugeständnisse, die sie in Kürze den Wettbewerbsbehörden in Europa und Australien zukommen lassen wollen. So verzichten BHP und Rio Tinto darauf, die geförderten Erze künftig auch gemeinsam zu vermarkten. Die Unternehmen rechnen nach eigenen Angaben in der zweiten Hälfte 2010 mit grünem Licht für die Gründung ihres Gemeinschaftsunternehmens. Rio Tinto büssten 1,62 Prozent auf 3.074,50 Pence ein, BHP Billiton verbilligten sich um moderatere 1,16 Prozent auf 1.868,50 Pence.


Für Kursgewinne sorgten dagegen Analystenkommentare: Philips setzten sich mit plus 0,78 Prozent auf 20,00 Euro an die Spitze des EuroStoxx 50. Die Deutsche Bank stufte die Titel des niederländischen Elektronikkonzerns von «Hold» auf «Buy» hoch und schraubte das Kursziel von 19 auf 26 Euro nach oben. Philips könnte vielleicht schon 2011 wieder zum Ziel einer zehnprozentigen EBITA-Marge zurückkehren, da es Signale für zyklische Verbesserungen in den Endmärkten des Unternehmens gebe, begründete Analyst Martin Wilkie seine positive Einschätzung. Dazu kämen der zunehmende Fokus auf höhermargige Geschäftsfelder und Erfolge bei Kostensenkungen. Baloise-Titel rückten in Zürich um 0,86 Prozent auf 88,20 Franken vor. JPMorgan erhöhte das Votum für die Papiere des Versicherungskonzerns von «Neutral» auf «Overweight» bei einem Kursziel von 104 Schweizer Franken. (awp/mc/ps/09) 

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