EU-Mittag: Erholung – Gewinne bröckeln leicht ab

«Wir gehen davon aus, dass es weiterhin mehr negative als positive Nachrichten insbesondere von Hedge-Fonds geben wird», sagte ein Marktteilnehmer mit Blick auf anhaltende Sorgen um den US-Hypothekenmarkt. Ein Fondsmanager der Royal London Asset Management sagte, angesichts der jüngsten Marktvolatilität würde er nicht viel auf die aktuellen Kursgewinne geben.


Der europäische Leitindex EuroSTOXX 50 gewann zuletzt noch 1,20 Prozent auf 4.211,25 Zähler. Für den STOXX 50, der auch Schweizer und britische Werte umfasst, ging es um 1,35 Prozent auf 3.679,00 Punkte hoch. Der Euronext 100 stieg um 0,89 Prozent auf 974,37 Punkte. Der Pariser CAC 40 legte um 1,01 Prozent auf 5.503,83 Zähler zu. Der FTSE 100 gewann 1,73 Prozent auf 6.173,00 Punkte.


Zu den grössten Gewinnern gehörten europaweit Finanztitel, die in der vergangenen Woche besonders unter der schwachen Marktentwicklung gelitten hatten. Stützend wirkte auch, dass Morgan Stanley die Branche von «Underweight» auf «Overweight» hochgestuft hat. Für Allied Irish Banks (AIB) ging es an um 3,06 Prozent auf 18,85 Euro nach oben. AXA gewannen 2,50 Prozent auf 28,72 Euro. In der Schweiz gehörten Credit Suisse mit plus 1,86 Prozent auf 82,35 Schweizer Franken zu den grössten Gewinnern im Swiss-Market-Index (SMI) .


In Paris verloren Areva-Aktien indes 2,23 Prozent auf 688,00 Euro. Laut Zeitungsberichten wird der Nuklearkonzern weitere Rückstellungen von 500 bis 700 Millionen Euro für weitere Verzögerungen beim Bau eines Reaktors in Finnland vornehmen. «Areva hat bereits Rückstellungen von 700 Millionen Euro für diesen Auftrag bestätigt», schrieb Analyst Patrice Lambert de Diesback von CM-CIC Securities. Dies belaste den Kurs. Allerdings entspreche dieser Betrag nur 3 Prozent der Marktkapitalisierung des Unternehmens. CIC bewertet die Aktie weiter mit «Accumulate» und einem Kursziel von 856 Euro.


In Brüssel fielen Agfa-Gevaert um 4,11 Prozent auf 15,41 Euro, nachdem bekannt geworden war, dass «angesichts der Zahlen für das zweite Quartal» Philippe Houssiau nicht Präsident der HealthCare-Sparte bleiben wird. Ein Analyst nannte die Nachricht überraschend und bewertete sie negativ. Der Rücktritt werde die Bemühungen für eine Profitabilitätssteigerung der Sparte verzögern und die Chancen für ein Übernahmeangebot schmälern.


An der Londoner Börse verteuerten sich die Titel von Imperial Chemical Industries (ICI) nach der Annahme des Übernahmeangebots von Akzo Nobel um 1,60 Prozent auf 634,50 Pence. Der britische Chemiekonzern hat der Offerte von 8,05 Milliarden Pfund (rund 12 Milliarden Euro) seines niederländischen Konkurrenten zugestimmt – dessen Aktie stieg um 1,09 Prozent auf 57,30 Euro.


Die schwer gewichteten Minenwerte gehörten nach Kursgewinnen asiatischer Konkurrenten und wegen steigender Metallpreise im «Footsie» zu den grössten Gewinnern. So legten Kazakhmys um 7,30 Prozent auf 1.161,00 Pence zu – hier stützte auch, dass die UBS das Papier von «Neutral» auf «Buy» hochstufte bei einem Kursziel von 1.450 Pence. Der Kursverfall von 27 Prozent seit Mitte Juli sei übertrieben gewesen, hiess es zur Begründung. Für Antofagasta ging es um 7,66 Prozent auf 667,50 Pence hoch. Anglo American gewannen 5,54 Prozent auf 2.744,00 Pence.


Dagegen zeigten sich Sainsbury-Titel mit minus 0,73 Prozent auf 545,00 Pence relativ schwach. Das 10,4 Milliarden britische Pfund schwere Übernahmeangebot der Königsfamilie des Emirats Katar könnte das neueste Opfer der weltweit schwachen Finanzmärkte werden. Laut einem Bericht des «Sunday Telegraph», der sich auf den Vorgängen nahe stehende Quellen beruft, hat sich die Stimmung zwischen dem katarischen Staatsfonds Delta Two und Sainsbury in den vergangenen Wochen geändert. Es gebe ernsthafte Fragen dazu, ob Delta Two konkrete Finanzierungspläne habe.


In Zürich verloren Nobel Biocare nach einer negativen Studie 1,78 Prozent auf 332,00 Schweizer Franken. Cheuvreux hat das Kursziel für die Aktie des Biotech-Unternehmens nach der Bilanzvorlage von 465 auf 410 Franken gesenkt, die Einstufung «Outperform» allerdings bekräftigt. Aufgrund des reduzierten Ausblicks habe er seine Prognosen angepasst und die Schätzungen für den Gewinn je Aktie (EPS) gesenkt, schreibt Analyst Thomas Bernhardsgrutter. (awp/mc/gh)

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