EU-Schluss: Verluste – US-Bankenplänen belasten Fianztitel

Dies sagte David Thebault, Leitender des quantitativen Handels bei Global Equities.


Der EuroStoxx 50 fiel am Ende um 0,92 Prozent auf 2.836,80 Punkte. Auf Wochensicht bedeutete dies ein sattes Minus von 3,52 Prozent. Der CAC-40-Index sank am Freitag in Paris um 1,07 Prozent auf 3.820,78 Zähler und der Londoner FTSE 100 verlor 0,60 Prozent auf 5.302,99 Punkte.


Das Banken-Branchenbarometer STOXX600 Banks war mit minus 1,99 Prozent auf 212,12 Punkte der europaweit schwächste Sektorindex. Die Obama-Pläne, sowohl die Grösse der Banken als auch das Ausmass risikoreicher Geschäfte zu begrenzen, hatten bereits an der Wall Street für heftige Verluste in der Branche gesorgt. Analysten sehen ebenfalls negative Einflüsse für die europäischen Vertreter: «Auch wenn diese noch nicht direkt im Visier stehen und von den US-Plänen nicht direkt betroffen sind, wirkt sich die Entwicklung auf den Sektor in Europa aus», hiess es von den UBS-Analysten.


Die Experten von JPMorgan sehen durch die Pläne Obamas insbesondere im Eigenhandel tätige Banken unter Druck, die Unsicherheit in diesem Segment bleibe ein deutliches Risiko. Sie ziehen daher weiterhin Aktien der Geschäftsbanken vor. Das spiegele sich auch klar im Kursbild in Europa wieder, betonten Börsianer. Titel der Deutschen Bank, die von einem Händler als das Institut mit dem stärksten Fokus auf dem Investmentbanking und auch dem US-Geschäft eingestuft wurde, büssten 4,19 Prozent auf 45,03 Euro ein, Aktien der Societe Generale sackten am Ende des europäischen Leitindex EuroStoxx50 gar um 5,20 Prozent ab auf 42,44 Euro. In London rutschten Barclays-Anteilsscheine um 4,12 Prozent auf 271,35 Britsche Pence ab, Papiere von Credit Suisse fielen um 6,44 Prozent auf 47,06 Schweizer Franken.


Auch die Börsenbetreiber gerieten aufgrund der eingetrübten Nachrichtenlage unter Druck: Im EuroStoxx50 verloren Titel der Deutschen Börse 3,20 Prozent auf 50,90 Euro ab, London Stock Exchange büssten im «Footsie» 4,32 Prozent auf 664,50 Pence ein. Da auch der Eigenhandel beschränkt werden soll, sagte ein Händler, rutschten die Börsenbetreiber ebenfalls mit ab. Die Analysten von Merrill Lynch bestätigten in einem aktuellen Kommentar zur Deutschen Börse, dass rund 20 Prozent der Umsätze auf dem Eurex-System dem Eigenhandel der Banken zuzurechnen sind. Die Hälfte hiervon tätigten grosse institutionelle Anleger, die direkte Mitglieder der Börsenplattform sind.


Unter Druck standen auch die Aktien von Ölgesellschaften. Händler verwiesen als Belastung auf den erneuten Rückgang des Preises für das «schwarze Gold». Die Kapazitätsauslastung der US-Raffinerien ist den jüngsten Daten zufolge so gering wie seit den 1980er Jahren nicht mehr. Insofern verloren die Papiere von BP 0,77 Prozent auf 605,60 Pence und für die Aktien von Royal Dutch Shell ging es um 1,04 Prozent auf 1.807,00 Pence nach unten. Total-Papiere fielen um 1,47 Prozent auf 43,205 Euro.


Telekomwerte zählten dagegen nach den jüngsten Kursverlusten zu den Favoriten. Telecom Italia standen mit einem Kursplus von 1,86 Prozent auf 1,0400 Euro an der Spitze des EuroStoxx 50. Händler sprachen von neuerlicher Übernahmefantasie, die von einem Presseartikel ausgelöst worden sei. Einem Börsianer zufolge hatte die Zeitung «La Repubblica» unter Berufung auf Angaben der Webseite Dagospia berichtet, dass die Investmentbank Mediobanca die Einrichtung einer Holding für die spanischen Unternehmen Telefonica und Criteria plane, die dann ein Übernahmeangebot für den italienischen Telefonkonzern abgeben könnte.


Telefonica-Papiere sanken um 0,50 Prozent auf 18,02 Euro. Die Citigroup hatte die Titel von «Buy» auf «Hold» abgestuft und das Kursziel von 21,75 auf 18,50 Euro gesenkt. Mangelndes Kostensenkungspotenzial und notwendige Steigerungen der Marketingausgaben stellten 2010 für die Margen von Telekommunikationsunternehmen grössere Risiken dar als steigende Investitionen, schrieb Analyst Simon Weeden. (awp/mc/pg/26)

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