EU-Verlauf: Fest – Gewinne – Finanzwerte im Plus – BoE-Zinsentscheid

Später rückt dann noch der Zinsentscheid der Bank of England (BoE) in den Fokus der Investoren. Die Sitzung der Bank of England an diesem Donnerstag wird nach Einschätzung von Beobachtern keine Überraschungen bringen. Der Leitzins der Notenbank hat laut Volkswirten seinen Tiefpunkt bereits erreicht und die Käufe von privaten und staatlichen Anleihen laufen bereits. Der Leitzins dürfte daher auf dem Rekordtiefstand bei 0,5 Prozent verharren.


Vor allem Finanztitel waren unter den Gewinnern zu finden. ING Groep sprangen mit plus 10,44 Prozent auf 5,806 Euro an die Spitze im europäischen Leitindex. Der niederländische Finanzkonzern hat einen positiven Jahresauftakt gemeldet. Für das erste Quartal kündigte Konzernchef Jan Hommen in einer Telefonkonferenz deutlich bessere Ergebnisse an als im Schlussquartal 2008. Zudem will sich der Konzern im Zuge der Sanierung von milliardenschweren Teilen seines Geschäfts trennen. Geplant sei der Verkauf von Randsparten im Wert von sechs bis acht Milliarden Euro, sobald die Marktbedingungen es zuliessen, teilte ING mit. Das Versicherungs- und Bankgeschäft sollen den Angaben zufolge unter dem Konzerndach getrennt geführt werden. Im Versicherungsgeschäft will sich der Konzern künftig auf Lebens- und Rentenversicherungen konzentrieren. Die Sparte ING Direct, zu der auch die deutsche Tochtergesellschaft ING-DiBa gehört, soll ihre Position als führende Direktbank ausbauen.


Im Londoner «Footsie» waren Barclays mit plus 5,20 Prozent auf 166,00 Pence bester Wert. Die Bank dürfte den Verkauf ihres iShares-Geschäfts an CVC bekanntgeben, hiess es aus mit dem Thema vertrauten Kreisen. Auch Lloyds Banking Group stiegen um 2,79 Prozent auf 73,75 Pence. Lloyds plant nach der HBOS-Übernahme im vergangenen Jahr den Abbau von 25.000 Stellen, berichtete die Tageszeitung «Daily Mail» unter Berufung auf gut unterrichtete Quellen.


Aktien von Solvay sprangen im Brüsseler BEL20-Index um 12,99 Prozent auf 64,945 Euro hoch und markierten zwischenzeitlich ein Fünfmonats-Hoch. Presseberichten zufolge plant das belgische Arzneimittel- und Chemieunternehmen nach den Osterfeiertagen eine Auktion für sein Pharma-Geschäft. ING erhöhte ihr Kursziel für die Solvay-Titel von 55,00 auf 58,00 Euro, blieb aber aus fundamentalen Gründen bei der «Hold»-Einstufung. Morgan-Stanley stufte die Titel von «Underweight» auf «Equal-weight» hoch und beliess das Kursziel bei 50,00 Euro.


In Zürich rückten die Papiere der der Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft (Swiss Re) mit einem Aufschlag von 8,45 Prozent auf 25,16 Franken ans obere Ende im Swiss-Market-Index (SMI). JPMorgan stufte die Titel von «Underperform» auf «Neutral» hoch und erhöhte das Kursziel von 26 auf 28 Franken. Eine Kapitalerhöhung, wie sie der Kurs teilweise reflektiere, sei unwahrscheinlich, schrieb Analyst Michael Huttner in einer Studie.


Roche Holding gaben 0,46 Prozent ab auf 150,50 Franken. Der Pharmahersteller und seine US-Tochter Genentech nehmen das Schuppenflechte-Medikament Raptiva in den USA vom Markt. Wie Roche am späten Mittwochabend mitteilte, steht der Rückzug in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko einer Krankheit des Nervensystems (PML, progressive multifocal leukoencephalopathy), bei der es in seltenen Fällen zum Tod kommen kann. Der Umsatz mit Raptiva in den USA lag 2008 bei rund 108 Millionen Dollar. Roche werde daher im ersten Halbjahr eine Abschreibung von etwa 125 Millionen Dollar vornehmen zu müssen. Der Einfluss auf den Reingewinn und den Gewinn pro Aktie (EPS) dürfte den Angaben zufolge aber «nicht signifikant» sein, so dass die Ziele für 2009 nicht betroffen sein dürften.


Sanofi-Aventis-Aktien verbilligten sich um 1,33 Prozent auf 41,42 Euro. Der französische Pharmakonzern kauft den grössten brasilianischen Generikahersteller Medley für 500 Millionen Euro. Damit werde Sanofi-Aventis grösster Anbieter von Generika in ganz Lateinamerika, erklärte der Konzern. Medley ist der drittgrösste Medikamentenhersteller Brasiliens und die Nummer eins bei patentfreien Produkten. Vom Umsatz von 458 Millionen Real (153 Millionen Euro) entfielen 2008 rund zwei Drittel auf Generika. Der brasilianische Markt soll den Angaben zufolge in den kommenden Jahren jährlich um ein Fünftel wachsen. Die Übernahme soll im zweiten Quartal abgeschlossen werden. (awp/mc/ps/16)

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