EU-Verlauf: Leichte Kursgewinne trotz schwacher Bilanzen

Besonders Augenmerk legten die Anleger auf die Aktien des weltgrössten Lebensmittelkonzerns Nestle. An der Börse in Zürich legten die Papiere trotz enttäuschender Geschäftszahlen mit dem Gesamtmarkt um 0,32 Prozent auf 38,02 Schweizer Franken zu. Die Schweizer meldeten für die ersten drei Monate Erlöse von 25,17 Milliarden Schweizer Franken. Zuvor hatten Analysten einen etwas höheren Wert von 25,97 Milliarden Franken erwartet. Nestle bestätigte allerdings den Ausblick für das Gesamtjahr. Analysten der ING-Bank äusserten sich jedoch skeptisch zur Nestle-Prognose. Die Schätzung sei zu hoch und sie dürfte im Verlauf des Jahres noch gesenkt werden, hiess es.


Ebenfalls in Zürich mussten die Aktien des Pharmakonzerns Roche dagegen einen Kurseinbruch von 8,74 Prozent auf 140,00 Franken verkraften. Die Schweizer erlitten einen Rückschlag beim Krebsmittel Avastin zur Behandlung von frühem Darmkrebs. Eine Phase III-Studie mit Avastin erreichte nach Konzernangaben nicht die gewünschten Ergebnisse.


Zu den Verlieren zählten auch die Papiere von Europas zweitgrösstem Autobauer PSA Peugeot Citroen mit einem Minus von 1,00 Prozent auf 17,34 Euro. Der Konzern rechnet im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise im ersten Quartal erneut mit Verlusten. Am Morgen bestätigte Peugeot nach einer Sitzung des Aufsichtsrates, dass ein negatives Ergebnis erwartet wird. Der Konzern hatte bereits im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben. Beim Umsatz meldete das Unternehmen für die ersten drei Monate einen Einbruch um knapp 25 Prozent. Das Management von Peugeot Citroen kündigte umgehend Sparmassnahmen an: Für das Geschäftsjahr 2008 soll es demnach keine Dividende geben.


Starke Verluste gab es bei den Aktien des niederländischen Bierbrauers Heineken: Sie fielen um 6,44 Prozent auf 20,57 Euro. Das Unternehmen hatte zu Beginn des Jahres mit einer Absatzschwäche zu kämpfen. Der Bierabsatz schrumpfte laut Konzernangaben bereinigt um die Übernahme von Scottish & Newcastle um 6,3 Prozent. In den westeuropäischen Stammmärkten sank der Konsum um 9,8 Prozent, in Osteuropa und Russland um 12 Prozent.


Heineken stimmte die Aktionäre auch wegen der höheren Rohstoffkosten auf schwere Zeiten ein. Im laufenden Geschäft erwartet der Konzern beim Vorsteuergewinn für das erste Quartal einen Rückgang im einstelligen Prozentbereich. Unter Berücksichtigung von Sondereffekten sei sogar mit einem Vorsteuerrückgang von knapp unter 20 Prozent zu rechnen. In einer ersten Stellungnahme nannten Analysten der ING-Bank die Daten «schlimmer als erwartet». Heineken habe die Übernahme von Scottish & Newcastle «bisher nicht unter Kontrolle bringen können».


Ähnlich stark nach unten ging es auch mit den Papieren des französischen Luxusgüterherstellers PPR, die 5,20 Prozent auf 56,44 Euro verloren. Das Unternehmen meldete für das erste Quartal einen Rückgang beim Umsatz. Die Erlöse sanken laut Konzernangaben um 2,6 Prozent auf 4,777 Milliarden Euro, während die Umsätze der deutschen Tochtergesellschaft PUMA um 3,6 Prozent auf 697 Millionen Euro anstiegen. Analysten der Deutschen Bank sprachen zwar von einem » soliden Quartalsergebnis», senkten aber die Bewertung der PPR-Aktien von «Buy» auf «Hold». Bei PPR seien «die mittelfristigen Probleme immer noch ungelöst», kritisierten sie. Hierzu zähle unter anderem die hohe Verschuldung.


Die Aktien des spanischen Versorger Iberdrola hielten sich dagegen in der Gewinnzone mit einem Aufschlag von 1,23 Prozent auf 5,77 Euro. Der Konzern sorgte für einen der wenigen Lichtblicke in der laufenden Berichtssaison. Iberdrola veröffentlichte für das erste Quartal zwar einen Gewinneinbruch, der Nettogewinn fiel aber mit 793 Millionen Euro höher aus als von Analysten erwartet. Auch der operative Gewinn lag Börsianern zufolge deutlich über den Markterwartungen. (awp/mc/ps/19)

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