EU-Verlauf: Leichter – negative Marktreaktion nach US-Zinsentscheidung

Der EuroStoxx 50 konnte aber dennoch ein Plus von 0,19 Prozent über die Ziellinie retten. Der Pariser CAC-40-Index gab zuletzt 0,37 Prozent auf 3.807,53 Zähler ab. In London fiel der FTSE 100 um 0,16 Prozent auf 5.130,16 Punkte. Kursgewinne bei den schwer gewichteten Rohstoff- und Finanzwerten begünstigten die relativ gute Entwicklung.


Dem Markt fehlt einem Händler zufolge derzeit der positive Impuls für weitere Kursgewinne und entsprechend gebe es nun Gewinnmitnahmen. Die technische Verfassung der internationalen Börsen sei aber noch gut. Auch Analyst Ben Potter von IG Markets in London verwies auf die schwache Vorgabe. Die Zinsentscheidung der Federal Reserve (Fed) habe nur kurz positiv gewirkt. Im späten US-Handel sind die Indizes dann unter Druck geraten und auch an der Wall Street hätten Gewinnmitnahmen den Dow von seinem Hoch 150 Punkte fallen lassen. Unterdessen belebt sich die Nachrichtenlage etwas. Auf der Konjunkturseite hellte sich das Geschäftsklima in Deutschland weiter auf, obwohl die Ifo-Daten etwas schlechter als erwartet ausgefallen waren. Am Nachmittag rücken die Verkäufe bestehender Häuser aus den USA in den Fokus.


Energie- und Minenwerte stehen Händlern zufolge weiter im Fokus. Aktien wie BP und Total reagierten unterdessen kaum auf den fallenden Ölpreis, sagten Händler. Sie machten für den kräftigen Rückgang seit Mittwochnachmittag die enttäuschenden US-Lagerbestände verantwortlich. Der vom US-Energieministerium gemeldete Bestandszuwachs war bei den Benzinvorräten besonders deutlich. Total-Aktien verbilligten sich um 0,58 Prozent auf 41,255 Euro, während BP-Titel 0,34 Prozent auf 554,70 Pence zulegten. Nach anfänglicher Schwäche erholten sich in London auch die meisten Minenwerte wie BHP Billiton und Rio Tinto . Dies spiegele den Anstieg der Metallpreise am Vorabend nach der Zinsentscheidung wider. Rio Tinto standen 0,37 Prozent höher bei 2.710 Pence.


Fluggesellschaften zogen die Aufmerksamkeit im europäischen Geschäft auf sich. Analyst Ingo Schmidt von der Hamburger Sparkasse Haspa verwies auf einen Medienbericht, dem zufolge sich Japan Airlines (JAL) um staatliche Zuschüsse bemüht. Er sagte: «Investoren befürchten nun, dass die Überkapazitäten in dem Sektor nicht verschwinden werden.» Zusätzlich wirken Sektorstudien der Citigroup und von UBS auf die Aktien. Die Analysten der Schweizer Grossbank UBS starteten Iberia mit «Buy», British Airways mit «Neutral» und Air France-KLM mit «Sell». Die Analysten der Citigroup nahmen ihre Anlageempfehlung für die Aktien der britischen Fluggesellschaft auf «Hold» zurück und stuften SAS Group auf «Sell» ab. Iberia-Aktien zählten mit plus 0,48 Prozent auf 2,086 Euro zu den wenigen Gewinnern im IBEX-35-Index , die Anteile an Air France-KLM rutschten um 2,53 Prozent auf 12,500 Euro ab.


Aktien der London Stock Exchange (LSE) sackten nach dem Zwischenbericht des britischen Börsenbetreibers um 3,13 Prozent 852,00 Pence ab. Die LSE sieht zwar weiterhin «gute Aktivität in den meisten Geschäftsbereichen», sprach aber gleichzeitig von einem «anhaltend schweren Markt». Das durchschnittliche Handelsvolumen pro Tag sei um 43 Prozent zum Vorjahr gefallen. Mitchells & Butlers fielen um 1,27 Prozent 280,60 Pence. Dabei sieht der Pubbetreiber sein Jahresergebnis etwas über den aktuellen Marktprognosen. Die Analysten von Panmure reagierten mit einer Zielerhöhung von 260 auf 295 Pence, blieben aber beim Votum «Hold».


Hennes & Mauritz (H&M) gerieten nach Zahlen unter Druck und die Aktien büssten 2,82 Prozent auf 397,00 schwedische Kronen ein. Die Zahlen des Bekleidungs-Einzelhändlers zum dritten Quartal hätten zwar die durchschnittlichen Prognosen für den Vorsteuergewinn und die Marge geschlagen, sagten Börsianer, H&M sei aber bei den Verkäufen im August sehr deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, was die Aktie belaste.


In Zürich gaben Julius Bär 0,44 Prozent auf 56,80 Franken ab. Die Bank gibt beim Börsengang ihrer US-Asset-Management-Tochter Artio Global Investors 25 Millionen Aktien zu je 26 US-Dollar aus. Der Preis liegt laut Händlern am oberen Ende der Erwartung von 24 bis 26 Dollar. (awp/mc/pg/17)

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