EU-Verlauf: Überwiegend leichte Gewinne – Warten auf EZB, US-Daten

Händler verwiesen auf die zuletzt stark beachteten Festlandbörsen in China als Unterstützung. Der Schanghai Composite Index ging mit Aufschlägen von knapp fünf Prozent aus dem Handel.


«Viele Marktteilnehmer fragen sich, ob der Markt zu weit gelaufen ist», sagte Bernard McAlinden, ein Investment-Stratege bei NCB Stockbrokers in Dublin. Damit blies er in das gleiche Horn wie zuletzt zahlreiche Börsianer, die auf die steigende Unsicherheit am Markt verweisen. Es herrsche Unsicherheit über die Nachhaltigkeit der jüngsten Kursrally und ob die US-Wirtschaft sich tatsächlich so schnell wie erhofft erholen kann. Darüber dürften am Nachmittag die jüngsten Konjunkturdaten Aufschluss geben. «Insgesamt richten sich die Augen aber bereits auf den US-Arbeitsmarktbericht für August am Freitag», fügte ein Händler hinzu. Von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten die meisten Börsianer derweil keine Veränderung des aktuellen Zinsniveaus.


Auf Unternehmensseite machten vor allem zwei kleinere Werte aus Norwegen durch deutliche Kurssprünge von sich reden: Die Papiere des auf Krebsmedikamente spezialisierten Arzneimittelherstellers Algeta schossen um 60,89 Prozent auf 65,00 norwegische Kronen in die Höhe. Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer schloss mit dem Unternehmen eine Kooperation für das Krebsmittel Alpharadin ab. Die Papiere des Landsmanns StepStone ASA verteuerten sich um 27,35 Prozent auf 8,66 norwegische Kronen. Axel Springer übernimmt die Mehrheit an dem Unternehmen und will ein Pflichtangebot vorlegen. Da Springer damit die in Norwegen geltende Schwelle von einem Drittel der Anteile überschritten hat, wird ein Pflichtangebot zum Erwerb der ausstehenden Aktien gegen 8,60 norwegische Kronen in bar (0,9899 Euro) ergehen. Mit dem Kauf sichert sich Springer die Kontrolle über das gemeinsame Joint Venture StepStone Deutschland.


Nach den jüngsten Verlusten, gehörten sowohl Rohstoffwerte als auch Bankaktien zu den grossen Favoriten der Anleger. Die entsprechenden Subindizes verbuchten zum Teil deutliche Gewinne. Der Rohstoffwerte-Index etwa gewann knapp drei Prozent hinzu. Händler verwiesen auf den Kupferpreis, der zulegen konnte. Anglo American , BHP Billiton , Rio Tinto und Xstrata kletterten zwischen 1,67 und 4,11 Prozent. Bei den Banken führten Fortis , ING und die Deutsche Bank die Gewinnerliste mit Aufschlägen von 1,81 bis 6,31 Prozent an. Fortis profitierte insbesondere von einem angehobenen Kursziel durch JPMorgan.


Papiere von Pernod Ricard bildeten hingegen mit minus 3,61 Prozent auf 51,57 Euro das Schlusslicht im französischen Auswahlindex CAC-40-Index. Der Spirituosenkonzern überstand die Wirtschaftsflaute bislang zwar gut und konnte nach den Zahlen im frühen Handel sogar drei Prozent zulegen. Im Ende Juni abgelaufenen Geschäftsjahr stieg der Gewinn unterm Strich um fast 13 Prozent auf 945 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Im fortgeführten Geschäft erreichte Pernod sogar die Milliardenmarke. Damit übertraf das Unternehmen die Erwartungen der Analysten leicht. Für die Kursverluste machten Marktteilnehmer die Aussagen verantwortlich, dass der Konzern mit weniger Einsparpotenzial rechne.


Die Papiere der Schweizer Pharmakonzerne Roche Holding und Novartis fielen im Einklang mit dem europäischen Pharmasektor zurück und konnten somit nicht von den jeweils erfreulichen Nachrichten profitieren. Roche gaben 1,08 Prozent auf 165,00 Franken nach. Die Tochter Genentech erzielte erste, viel versprechende Ergebnisse mit dem Produktkandidaten GDC-0449 zur Therapie von zwei seltenen Krebserkrankungen. Daraus könnte sich eine neue Behandlungsform für den Hautkrebs Basalzellkarzinom und den Hirnkrebs Medulloblastoma entwickeln, schreibt das «Wall Street Journal».


Novartis gaben 0,69 Prozent auf 48,68 Franken ab. Der Konzern erzielte hat mit einem Schweinegrippe-Impfstoff in klinischen Studien gute Ergebnisse. Der adjuvante, auf Zellkulturen basierte Impfstoff MF59 habe in Studien bei der A(H1N1)-Grippe eine starke Immunreaktion ausgelöst. Dabei hätten 80 Prozent der 100 Probanden nach einer ersten Impfung und mehr als 90 Prozent derselben Probanden nach einer zweiten Impfung eine starke Immunreaktion gezeigt, teilte der Pharmakonzern mit. (awp/mc/pg/18)

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