EURO 2008: Kein Imagegewinn in Nachbarländern

Die neunteilige Studie basiert auf Befragungen im In- und Ausland sowie ökonomischen Untersuchungen. Am Montag präsentierten die beteiligten Forscher in Bern erste Resultate. Der Studienleiter Hansruedi Müller vom Berner Forschungsinstitut für Freizeit und Tourismus (FIF) betonte vor allem die Erinnerung an ein grossartiges Erlebnis. «Das ist das nachhaltigste, das bleibt haften», sagte er.


Imagewirkung überschätzt
Die Imagewirkung sei generell überschätzt worden, sagte Müller weiter. «Die Schweiz hat die Erwartungen erfüllt, aber nicht übertroffen». In der gleichen Untersuchung zeigten die Forscher auch, dass die Schweizer ihr Image im Ausland eher überschätzen. Dass sich das Image der Schweiz aber auf einem hohen Niveau befindet, zeigt der Befund, dass die Hälfte der befragten Matchbesucher aus dem Ausland in den nächsten Jahren wieder in die Schweiz reisen will. Sehr positiv bewerteten sie die Gastfreundschaft, Sicherheit, Atmosphäre und den Transport.


Bevölkerung skeptisch 
In der Befragung der Schweizer Bevölkerung zeigte sich besonders die skeptische Einschätzung des wirtschaftlichen Erfolgs der EURO. Diesem Eindruck stellen die Forscher ein konkretes Zwischenresultat entgegen. Demnach liegt die Brutto-Wertschöpfung laut der ersten Schätzungen nach der EURO bei rund 870 Millionen Franken. Dies entspreche dem oberen Bereich der Berechnungen, die vor der EURO erstellt worden seien, sagte Heinz Rütter von der Rüschlikoner Firma Rütter+Partner.


Gesunkene Übernachtungszahlen
Die Forscher fanden auch eine Ursache für die gegenüber der Vorjahresperiode gesunkenen Übernachtungszahlen während der EURO in den Austragungsorten: Viele ausländische Besucher kamen nämlich entweder bei Bekannten oder Verwandten unter oder übernachteten im Auto oder in wilden Campings. Gemäss der Befragung fanden zwischen 39 (Basel) und 22 Prozent (Genf) der ausländischen Gäste eine solche Unterkunft. Dennoch berechneten die Forscher aber eine Zunnahme der Logiernächte durch die EURO um 245 000. Die Werbung der Austragungsorte habe sich auch vor und nach der EURO ausgewirkt.


Kaum Nachhaltigkeit
In der Infrastruktur löste die EURO je nach Berechnungsart zwischen 38 und 56 Millionen Euro Investitionen in der Schweiz aus, wie Christian Moesch, der Autor der entsprechenden Studie, ausführte. Ökologisch sei die EURO trotz viel Abfall dank vernünftiger Massnahmen verantwortbar gewesen, sagte Projektleiter Müller. Es sei aber schade, dass kein langfristiger Prozess zur Nachhaltigkeit ausgelöst wurde. So hätten etwa die Stadien keine Zertifizierungen durchgeführt. «Das ist eine verpasste Chance.»


Diskussionen folgen
Die Erkenntnisse der Studie zur EURO sollen in die Strategie zu sportlichen Grossanlässen einfliessen, sagte BASPO-Direktor Matthias Remund. «Es geht dabei etwa auch um die Frage, ob die Schweiz imstande ist, Olympische Winterspiele zu organisieren.» Vertreter der Schweizer Sportverbände werden am Donnerstag in Magglingen BE erstmals die Resultate diskutieren. (awp/mc/ps/31)

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