Europa-Schluss: Deutliche Verluste – Furcht vor Billiggeld-Entzug

Boerse

Paris / London – Die Angst vor einer baldigen geldpolitischen Straffung durch die US-Notenbank und Kurseinbrüche im Rohstoff- und Luxusgütersektor haben Europas Aktienmärkte am Donnerstag weit ins Minus gedrückt. Der EuroStoxx 50 fiel letztlich um 1,54 Prozent auf 4124,71 Punkte. Im Handelsverlauf war der Leitindex der Eurozone um mehr als zweieinhalb Prozent auf den tiefsten Stand seit Ende Juli gesunken.

Für den französischen Cac 40 ging es zum Sitzungsschluss um 2,43 Prozent auf 6605,89 Punkte in die Tiefe. Der britische FTSE 100 knickte um 1,54 Prozent auf 7058,86 Zähler ein.

Wie aus dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank (Fed) hervorgeht, zeigten sich die Mitglieder der Notenbank uneins darüber, wann die konjunkturstützenden Anleihekäufe reduziert werden sollten. Mehrheitlich aber wurde die Auffassung vertreten, noch in diesem Jahr damit zu beginnen.

Börsianer befürchten, dass eine Reduzierung der Käufe die Aktienmärkte unter Druck setzt, weil den Märkten damit weniger Liquidität zur Verfügung steht und zudem andere Anlageklassen wie etwa Anleihen an Attraktivität gewinnen könnten. Ob die Fed erst gegen Ende des Jahres beginne oder im ersten Quartal 2022, sei letztlich kaum von Bedeutung, sagte Analyst Jeffrey Halley vom Handelshaus Oanda.

Derweil verzeichneten europaweit die Aktien fast aller Sektoren Verluste. Am stärksten traf es die Rohstoffwerte, die um mehr als 4 Prozent absackten. Hier verschreckten die stark fallenden Preise für Eisenerz die Anleger. Am Markt wurde auf Aussagen der chinesischen Regierung verwiesen, die heimische Stahlproduktion verringern zu wollen. So brachen die in London notierten Papiere des Minenkonzerns Anglo American um fast 10 Prozent ein.

Zudem beschleunigte sich die jüngste Talfahrt der Aktien von Luxusgüterherstellern deutlich. Börsianer sprachen von kräftigen Gewinnmitnahmen im Sektor, die von erneuten Virusängsten und der Furcht vor einer schärferen Regulierung in China ausgelöst worden seien. Wohlhabende Chinesen sind für die Luxuskonzerne eine enorm wichtige Käufergruppe. So sackten die Papiere von Kering am EuroStoxx-Ende um 9,5 Prozent ab. In Zürich büssten die Anteilsscheine von Richemont 6,7 Prozent ein.

Die Aktien von Nel ASA verloren nach der Vorlage von Geschäftszahlen zum zweiten Quartal mehr als 5 Prozent. Der norwegische Spezialist für die Herstellung von Wasserstoff aus elektrischer Energie habe bei Umsatz und operativem Ergebnis die Markterwartungen verfehlt, schrieb Analyst Patrick Jones von der US-Bank JPMorgan. Allerdings hatten die Papiere am Vortag neun Prozent gewonnen und damit von einer Entwicklungspartnerschaft mit der deutschen SFC Energy profitiert.

Für einen Lichtblick sorgten die Anteilsscheine von Adyen, die an der EuroStoxx-Spitze 5,8 Prozent gewannen. Der durch die Corona-Pandemie verstärkte Trend zum Bezahlen mit Karte und Smartphone treibt den niederländischen Zahlungsabwickler weiter kräftig an. (awp/mcps)

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