EZB belässt Leitzins wie erwartet bei 1,0 Prozent

Auch der Einlagenzins und der Satz für die Spitzenrefinanzierung liegen weiterhin unverändert bei 0,25 Prozent beziehungsweise 1,75 Prozent. Seit Herbst 2008 – dem Höhepunkt der Finanzkrise – hat die EZB das Zinsniveau um insgesamt 3,25 Punkte reduziert. Zuletzt hatte die EZB den Leitzins im Mai um 0,25 Punkte gesenkt. Die Zinssenkungen resultieren aus der stark rückläufige Inflation und der Wirtschaftskrise. 


EZB signalisiert stabile Zinsen
Die EZB hat zunächst weiter unveränderte Leitzinsen signalisiert und Einzelheiten zu den Käufen von besicherten Anleihen (Covered Bonds) bekanntgegeben. «Vor dem Hintergrund der vorliegenden Daten sind die Leitzinsen derzeit angemessen», sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Volkswirte bezeichneten sowohl die Zinsentscheidung und die Aussagen von Trichet als auch die Einzelheiten zu den Käufen Covered Bonds als wenig überraschend. Definitiv wollte Trichet eine weitere Leitzinssenkung jedoch nicht ausschliessen: «Das aktuelle Leitzinsniveau von 1,0 Prozent ist jedoch nicht notwendigerweise der niedrigst mögliche Zinsniveau.»


Covered Bond-Käufe
Die EZB wird ihre Käufe von Covered Bonds in Höhe von 60 Milliarden Euro im Juli 2009 beginnen und spätestens im Juni 2010 abschliessen. Man werde lediglich Papiere mit mindestens einem BBB-Rating akzeptieren. Die Käufe sollen direkt am Markt und sowohl am Primär- als auch am Sekundärmarkt erfolgen. Es gelten hier die Voraussetzung für Sicherheiten, die die EZB ansonsten für ihre Refinanzierungsgeschäfte verlangt. Trichet hatte die Käufe bereits auf der EZB-Pressekonferenz im Mai angekündigt. In Deutschland gehören Pfandbriefe zu dieser Vermögensklasse. Das Ankaufprogramm ist aus Sicht der Commerzbank prinzipiell zu begrüssen. «Die technischen Details, die EZB-Präsident Trichet heute bekannt gab, haben insgesamt aber nur wenig überrascht», sagte Commerzbank-Experte Michael Schubert. Das Programm sei sowohl in der Ausgestaltung als auch mit Blick auf das Volumen durchaus dazu geeignet, den Pfandbriefe-Markt wieder zu beleben


Mitte Jahr möglicherweise negative Inflationsraten
Die schwache Wirtschaftsentwicklung dämpfe derzeit den Preisdruck, sagte Trichet. «Die Inflationserwartungen sind mittel- und langfristig fest verankert.» Mitte des laufenden Jahres könnten die Inflationsraten möglicherweise negativ werden. Dies sei aber vor allem auf Basiseffekte zurückzuführen. Diese kurzfristige Entwicklung sei jedoch nicht relevant für die Geldpolitik der EZB. Neben der gedämpften Wirtschaftsentwicklung signalisiere auch das verhaltenere Geldmengen- und Kreditwachstum einen gedämpften Preisdruck. Gut verankerte Inflationserwartung sind laut Trichet wichtig für das Wachstum und die Stabilität der Finanzmärkte. Die EZB strebt eine Inflationsrate von unter, aber nahe zwei Prozent an. Die Inflationsrate wird nach Einschätzung der Mitarbeiter der EZB 2009 im Mittel bei 0,3 Prozent liegen. Im März waren sie noch von einer Rate von 0,4 Prozent ausgegangen. Im Jahr 2010 dürfte die Teuerung dann 1,0 Prozent betragen.


Positives Wachstum erst Mitte 2010
Die Wirtschaft der Eurozone wird sich laut Trichet in der zweiten Jahreshälfte nicht nicht mehr annähernd so stark abkühlen wie in den ersten beiden Quartalen. Ein positives Wirtschaftswachstum sei ab Mitte des Jahres 2010 zu erwarten. Vor allem die Massnahmen der Regierungen und Notenbanken sollten sich hier stützend auswirken. Zudem stütze die niedrige Inflationsrate die Kaufkraft der Bevölkerung. Die Projektionen für das Wirtschaftswachstum im laufenden und kommenden Jahr wurden wie erwartet erneut deutlich reduziert. Die Wirtschaft in der Eurozone dürfte 2009 im Mittel um 4,6 Prozent schrumpfen, Bei ihrer letzten Prognose im März war die Notenbank noch von einem Minus von 2,7 Prozent ausgegangen. Für 2010 rechnet die EZB nun mit einer negativen Rate von 0,3 Prozent.


Zinsen könnten lange zeit unverändert bleiben
Nach Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) könnte die EZB den Leitzins noch lange Zeit unverändert auf dem Rekordtief von 1,0 Prozent belassen. «Alles in allem deuten wir Trichets Aussagen so, dass die EZB beabsichtigt, bis weit ins kommende Jahr die Leitzinsen auf dem aktuellen Niveau zu belassen.» Inhaltlich habe es im Vergleich zum letzten Zinsentscheid aber nur wenig Neues gegeben.


Bank of England belässt Leitzins wie erwartet bei 0,5 Prozent
Die britische Notenbank hat ihren Leitzins unterdessen wie erwartet unverändert belassen. Der Leitzins liege weiterhin auf dem historischen Rekordtief bei 0,5 Prozent, teilte der geldpolitische Ausschuss der Bank of England (BoE) mit. Volkswirte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet, da der Leitzins seinen Tiefpunkt bereits erreicht habe. Bereits im März hatte die BoE den Leitzins auf das jetzige Rekordtief gesenkt und ähnlich wie die US-Notenbank den Ankauf von Anleihen beschlossen. Bei ihrer Sitzung Anfang Mai hatten die Währungshüter die bereits laufenden Ankäufe von privaten und staatlichen Anleihen um 50 auf 125 Milliarden Pfund (umgerechnet rund 144 Mrd Euro) aufgestockt. (awp/mc/ps/23)

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