EZB belässt Leitzins wie erwartet bei 1,0 Prozent

Von dpa-AFX befragten Ökonomen hatten einhellig erwartet, dass die EZB den Leitzins bei 1,0 Prozent belassen würde. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 hat die EZB das Zinsniveau um insgesamt 3,25 Prozentpunkte reduziert. Zuletzt hatte sie den Leitzins im Mai 2009 um 0,25 Punkte gesenkt. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet wird die jüngste Zinsentscheidung ab 14.30 Uhr erläutern. Mit Spannung erwartet werden Äusserungen zum Ausstieg aus der Krisenpolitik sowie neue Prognosen zu Wachstum und Inflation.


Wachstumsprognose für 2010 leicht erhöht
Die Europäische Zentralbank hat ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr leicht angehoben. Die Wirtschaft in der Eurozone dürfte 2010 im Durchschnitt um 1,7 Prozent wachsen, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt. Im September war die Notenbank noch von einem Zuwachs von 1,6 Prozent ausgegangen. Für 2011 rechnet die EZB wie bislang mit einem Wachstum um 1,4 Prozent. 2012 dürfte das Wachstum dann bei 1,7 Prozent liegen.


Inflationsrate bei 1,6 Prozent
Die Inflationsrate wird nach Einschätzung der EZB im laufenden Jahr bei 1,6 Prozent liegen. Hier wurde die Prognose nicht verändert. 2011 dürfte die Teuerung dann auf 1,8 Prozent steigen. Hier waren bisher 1,7 Prozent genannt worden. Für 2012 wird eine Rate von 1,5 Prozent veranschlagt. Die Projektionen der EZB werden vom Mitarbeiterstab erstellt und dienen dem geldpolitischen Rat als Entscheidungshilfe. Die EZB gibt ihre Wachstums- und Inflationsprojektionen in Bandbreiten an. Preisstabilität herrscht laut EZB mittelfristig bei einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent.


Aussergewöhnliche Massnahmen bleiben in Kraft
Die EZB wird ihre aussergewöhnlichen Massnahmen beibehalten. So sollen die Dreimonatstender weiterhin mit Vollzuteilung durchgeführt werden, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt. Er begründete diese Verlängerung mit den anhaltenden Spannungen an den Märkten und der Unsicherheit. Auch die Tender mit einer Laufzeit von einer Woche und einem Monat würden weiterhin unter Vollzuteilung durchgeführt.


Ankaufprogramm von Staatsanleihen soll fortgesetzt werden
Das Ankaufprogramm von Staatsanleihen soll laut Trichet wie bisher fortgesetzt werden. Er machte jedoch keine Aussagen zum Umfang des Programms. Zudem sollen die Käufe wie bisher sterilisiert werden. Die Entscheidung sei jedoch im Gegensatz zu der Entscheidung zu den Drei-Monats-Tendern nicht einstimmig erfolgt, sondern mit einer grossen Mehrheit. Insbesondere Bundesbankpräsident Axel Weber hatte sich immer wieder gegen das Programm ausgesprochen. Laut Trichet soll das Programm die Transmission der Geldpolitik ermöglichen.


Konjunkturerholung in Eurozone hat positiv überrascht
Die Konjunkturerholung in der Eurozone hat die Europäische Zentralbank (EZB) positiv überrascht. Der unterliegende Trend der Wirtschaftsentwicklung bleibe positiv, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt. Die Experten der Notenbank haben zudem ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr angehoben. «Die Exporte der Eurozone dürften von der weltweiten Konjunkturerholung profitieren», erwartet Trichet. Das Unternehmensvertrauen sei hoch. Allerdings bleibe die Unsicherheit. Gefahren sieht Trichet vor allem durch die Entwicklung an den Finanzmärkten. Zudem dämpfe die Rückführung der Verschuldung in einigen Ländern das Wirtschaftswachstum.


«Die Haushaltslage in der Eurozone ist insgesamt besser als in anderen grossen Volkswirtschaften»
«Das aktuelle Zinsniveau ist angemessen», sagte Trichet. Inflationsgefahren sieht Trichet nicht. Die Preisentwicklung dürfte mittelfristig moderat bleiben. «Die Inflationserwartungen sind fest verankert und im Einklang mit Preisstabilität.» Die moderate Geldmengenentwicklung spreche ebenfalls für eine verhaltene Preisentwicklung. «Die Haushaltslage in der Eurozone in diesem und im kommenden Jahr ist insgesamt besser als in anderen grossen Volkswirtschaften», sagte Trichet. Dies solle auch von den Märkten beachtet werden. Die Markteilnehmer sollten zudem die Entschlossenheit der Europäer nicht unterschätzen, den Euro zu verteidigen. Entscheidend seien hier aber die Massnahmen der Regierungen. (awp/mc/ss/22)

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