EZB: Paul Krugman attackiert Bundesbank-Präsident Weber

Dies sagte Krugman im Interview mit dem «Handelsblatt» (Montagausgabe). Der Ökonomie-Nobelpreisträger warnte zudem vor einem Rückfall in die Rezession. Die Welt brauche im Moment nicht weniger, sondern mehr schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme, lautet Krugmans Credo. «Die Deutschen und Franzosen hassen es, auch nur kurzfristig Defizite hinzunehmen, sie hassen eine lockere Geldpolitik, klammern sich an jeden Vorwand, um dagegen zu sein. Wir Amerikaner sehen das ganz anders», sagte Krugman.


Damoklesschwert über Euro-Dollar-Parität
Der Princeton-Professor will auch Sanktionen gegen Deutschland nicht ausschliessen, wenn die Bundesregierung weiterhin versuchen sollte, sich über einen schwachen Euro Exportvorteile zu verschaffen. «Wenn der Euro auf eine Parität zum Dollar fällt, werden sich die Europäer noch wundern, welche Forderungen aus dem US-Kongress kommen. Und ich würde das unterstützen», drohte Krugman. Die USA würden es nicht dulden, dass einige Länder ihre Sparpolitik exportierten und damit in den USA die Arbeitslosigkeit erhöhten. 


DIW für Axel Weber als künftigen EZB-Präsidenten
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, hat sich ungeachtet der Kritik von Paul Krugman für Bundesbankchef Axel Weber als künftigen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgesprochen. Zugleich wies Zimmermann die Kritik von Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman an Weber scharf zurück. «Axel Weber war einer der wichtigsten Akteure bei der Bewältigung der Finanzkrise, er wäre als EZB-Präsident ein glaubwürdiger Garant für einen stabilen Euro», sagte Zimmermann am Montag «Handelsblatt Online». «Der persönliche Angriff von Paul Krugman, der sich auch in Europa nicht so recht auskennt, auf den deutschen Bundesbankpräsidenten, ist also eine billige Anmache und kann wenig überzeugen.»


Deutsche Stabilitätskultur verteidigt
Zimmermann verteidigte die deutsche Stabilitätskultur gegen Kritik von Krugman. Der US-Ökonom drohe Deutschland gewissermassen mit einem «Handelskrieg», wenn es nicht von einer Politik des schwachen Euros abweiche. «Das ist eine groteske Analyse des Nobelpreisträgers, dient doch die von Deutschland unterstützte Stabilitätskultur gerade der Stärkung des Euros.» Es bleibe zu hoffen, dass die besonnene amerikanische Regierung beim G20-Gipfel «die Kirche im Dorf» lassen werde. «Es wäre besser, die G20 würden endlich glaubwürdig tiefgreifende Regulierungen der Finanzmärkte beschliessen», sagte der DIW-Präsident. «Der von Krugman inszenierte Theaterdonner lenkt nur von den eigentlichen drängenden Fragen ab.» (awp/mc/ps/08)

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