EZB senkt Leitzins um 0,25 Punkte auf 1,25 %

Seit Oktober 2008 ist das Zinsniveau damit um insgesamt 3,00 Punkte reduziert worden. Zuletzt hatte die EZB im März den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte reduziert. Der Einlagensatz wurde von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent gesenkt. Der Satz der Spitzenrefinanzierungsfazilität wurde von 2,5 Prozent auf 2,25 Prozent reduziert.


Weitere «massvolle» Zinssenkung nicht ausgeschlossen
Der aktuelle Leitzins von 1,25 Prozent ist laut EZB nicht der niedrigst mögliche Satz. «Beim Hauptrefinanzierungssatz haben wir noch nicht das niedrigst mögliche Niveau erreicht», sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet. Eine weiter «massvolle» Zinssenkung sei nicht ausgeschlossen. Die heutige Zinssenkung sei «massvoll» gewesen. Der auf 0,25 Prozent reduzierte Einlagensatz dürfte jedoch nicht weiter gesenkt werden. Die Senkung der Zinsen um 0,25 Prozentpunkte sei im Rat im Konsens gefällt worden.


Kein Entscheid zu «unkonventionellen Massnahmen»
Eine Entscheidung über zusätzliche «unkonventionelle Massnahmen» wie dem Kauf von Unternehmens- oder Staatsanleihen, sei noch nicht getroffen worden, sagte Trichet. Darüber werde auf der kommenden Sitzung am 7. Mai gesprochen. Es sei aber noch offen, ob hier zusätzliche Käufe getätigt werden sollten. Es würden alle Möglichkeiten geprüft. Die EZB habe bereits in den vergangenen Monaten unkonventionelle Massnahmen ergriffen.


Inflationsrate dürfte unter null Prozent fallen
«Wir sehen derzeit keine Manifestation von Deflationsgefahren», sagte Trichet. Die Eurozone erlebe vielmehr einen Disinflationsprozess. Angesichts des starken Rückgangs der Öl- und Rohstoffpreise dürfte die Inflationsrate in den kommenden Monaten unter null Prozent fallen. In der zweiten Jahreshälfte sei dann jedoch wieder ein Anstieg der Inflationsraten zu erwarten. Solche kurzfristigen Schwankungen seien für die Geldpolitik jedoch nicht entscheidend.


«Die mittelfristigen Inflationserwartungen für die Eurozone von derzeit 1,9 Prozent könnten nicht besser sein», sagte Trichet. Die Notenbank strebt eine Inflationsrate von unter, aber nahe bei zwei Prozent an. Die Preisstabilität sei mittelfristig gewährleistet, sagte Trichet. Dies dürfte die Kaufkraft der Haushalte stützen.


Schrittweise Erholung erst 2010
Die Weltwirtschaft und die Eurozone erlebten derzeit eine «starke Abschwächung», sagte Trichet. Im Jahr 2009 dürfte die Wirtschaft in der Eurozone schwach bleiben. Erst im Jahr 2010 sei mit einer «schrittweisen Erholung» zu rechnen. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass die Finanzmarktturbulenzen eine stärkere Auswirkung auf die Realwirtschaft haben könnten. Zudem bestehe die Gefahr von wachsenden Protektionismus und eines ungeordneten Abbaus von weltwirtschaftlichen Ungleichgewichten.(awp/mc/pg/23)

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