Finance Forum Germany: Mehr Staat ? bessere Bank?

Aussagen:



  • Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis: «Nationale Schnellschüsse sind in der aktuellen Lage völlig wirkungslos. Hier zeigen die Kernvereinbarungen, die auf dem G20 Gipfel in London beschlossen wurden, den Weg vor.»

  • Uwe Fröhlich, BVR: «Die Tiefe des Abschwungs wird in weiten Teilen der Realwirtschaft noch gar nicht wahrgenommen.»

  • Dr. Axel Nawrath, KfW Bankengruppe: «Die Frage ist, wofür der Staat einstehen muss. Wir können nicht erwarten dass der Staat Einlagen sichert, ohne auch sicher zu stellen, dass diese Garantie auch kein unbezahlbares Risiko für den Steuerzahler wird.»

  • Dr. Dirk Notheis, Morgan Stanley: «Einzelne Akteure oder Staaten können der Karren nicht aus dem Dreck ziehen.»

  • Dr. Johannes Reich, Partner der Privatbank Metzler, sieht die deutsche Wirtschaft in manchen Bereichen ebenfalls noch vor dem großen Tal und verweist auf die zu erwartende Entwicklung der Arbeitslosenzahlen.

Krise von beispielloserm Ausmass und mit nicht gekannter Schnelligkeit
«Wir sehen derzeit Probleme, mit denen die Gesamtwirtschaft bislang noch nie konfrontiert wurde», beschreibt Dr. Dirk Notheis, Vorsitzender des Vorstandes der Morgan Stanley Bank, die aktuelle Lage. «Die Krise ist in Ausmaß und vor allem in der Schnelligkeit, mit der sie sich ausweitet, ohne Beispiel», erklärte Notheis weiter. Dies sei zu einem großen Teil der ausgeprägten Globalisierung der Finanzwirtschaft geschuldet. Diese Globalisierung erfordere aber auch neue Lösungswege. «Einzelne Akteure oder Staaten können der Karren nicht aus dem Dreck ziehen.», sagt Notheis. Auch Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, plädiert für mehr internationale Zusammenarbeit bei der Lösung der Finanzkrise. «Nationale Schnellschüsse sind in der aktuellen Lage völlig wirkungslos. Hier zeigen die Kernvereinbarungen, die auf dem G20 Gipfel in London beschlossen wurden, den Weg vor.» Sie wiesen in die richtige Richtung: Gefordert sei ein einheitlich kontrollierbares supranationales Kontrollsystem. Dabei müsse aber auch die Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen im Blick behalten werden.


Staat soll aufgeblasene Finanzmärkte regulieren
Die Notwendigkeit, regulatorische Änderungen für den Finanzmarkt weltweit umzusetzen, sieht auch Dr. Axel Nawrath, Mitglied des Vorstandes der KfW Bankengruppe. Es komme dabei aber auch auf die konkrete Umsetzung vor Ort in den einzelnen Ländern an. Der Staat habe eine regulierende Rolle zu spielen. «Die Frage ist aber, wofür der Staat einstehen muss. Wir können nicht erwarten dass der Staat Einlagen sichert, ohne auch sicher zu stellen, dass diese Garantie auch kein unbezahlbares Risiko für den Steuerzahler wird», sagt der ehemalige Staatssekretär. Dem stimmte auch Schackmann-Fallis zu. «Ich erwarte, dass der Staat sich einmischt, um die aufgeblasenen Finanzmärkte zu regulieren.» «Oberstes Ziel der Politik muss sein, die Stabilität der Finanzmärkte zu erhalten, und das um jeden Preis», sagt Schackmann-Fallis weiter. «Wir haben an dem Beispiel Lehman gemerkt, was passiert, wenn man eine Bank scheitern lässt. Deshalb muss ich die Entscheidung der Bundesregierung, die KFW zu stützen, befürworten.»


«Freibier-Mentalität»
Das Engagement des Staates in Bankinstituten wie der KFW und der Commerzbank wurde von den Teilnehmern des Diskussionsforums aber nicht unkritisch gesehen. Hier drohe ? gerade bei schwierige Kreditverhandlungen wie beispielsweise bei Arcandor ? die Gefahr einer politischen Einflussnahme. Dieses Risiko schätzt Nawrath allerdings gering ein. «Der Staat wird nicht in der Lage sein, mit der Commerzbank Politik zu betreiben. Er kann nicht im vernunftfreien Raum handeln und wird sich verhalten wie ein institutioneller Investor». Sorge bereitet Nawrath aber die anstehende Bundestagswahl. «Ich befürchte, dass in der kommenden Wahlkampfzeit Diskussionen geführt werden, die irrational sind.» Die Kreditsuchenden seien von einer wundervollen Welt in eine sehr harte gefallen. Das verzerre die öffentliche Diskussion. Dem stimmt Schackmann-Fallis zu. «Es scheint, dass wir die Grundregeln der sozialen Markwirtschaft verlernen. Derzeit macht sich eine «Freibier- Mentalität» breit, die immer mehr um sich greift», sagt Schackmann-Fallis mit Blick auf die Diskussion um stattliche Unterstützung für Opel, Scheffler und Arcandor.


Krise für die Realwirtschaft erst am Anfang
Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer in ihrer Einschätzung des Sorgenkinds Konjunktur. «Realwirtschaftlich stehen wir erst am Anfang der Krise ? es werden noch Stürme kommen», sagt Notheis. Dr. Johannes Reich, Partner der Privatbank Metzler, sieht die deutsche Wirtschaft in manchen Bereichen ebenfalls noch vor dem großen Tal und verweist auf die zu erwartende Entwicklung der Arbeitslosenzahlen. «Die Tiefe des Abschwungs wird in weiten Teilen der Realwirtschaft noch gar nicht wahrgenommen», ergänzte Fröhlich. Er hofft allerdings auf die Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, da sie vor Beginn der Krise im internationalen Bereich sehr gut dastand. «Wir alle sind lernfähig genug, um die Krise zu überstehen» fasst Notheis die Zukunftsaussichten der deutschen Bankwirtschaft zusammen.


(FF/mc/hfu)

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