Finanzkrise: Dubai zahlt hohen Preis für risikofreudige Expansion

von Gérard Al-Fil

Das ölarme Dubai kämpft gegen einen Schuldenberg von rund 84 Mrd. Dollar. Nicht einmal mehr drei Prozent trägt das schwarze Gold zur Wirtschaftsleistung im Golf-Emirat bei. Fur den Bau von Grossprojekten wie Flughäfen, künstliche Inseln oder Stadtteilen mit 100 Wolkenkratzern wie der Dubai Marina übernahmen sich die Scheiche in den Jahren des Energiepreisbooms. Das ging so lange gut, wie die Banken bedenkenlos Hausbaukredite vergaben, Privatinvestoren das Geld locker in der Tasche sass.


Grosser Bruder Abu Dhabi

Insider vermuten, das Scheichtum stünde mit einem weit höheren Betrag als den offiziell veranschlagten 84 Mrd. in der Kreide. Er sei nicht besorgt über den Schuldendienst, sagte der Regent Scheich Mohammed Bin Rashid Al-Maktoum gegenüber dem Nachrichtensender Al Arabiya am vergangenen Mittwoch, als er die Dubai Metro zu ihrer Jungfernfahrt losschickte. Angeblich hat das Nachbar-Emirat Abu Dhabi, Hauptstadt und wie Dubai Teil der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Dubai vor dem Offenbarungseid gerettet. In Abu Dhabi lagern ein Zehntel der Welterdölreserven. Bereits 10 Tage nach dem Fall von Lehman Brothers stellte die VAE-Zentralbank umgerechnet 13 Mrd. Dollar für den inländischen Interbankenmarkt bereit. Der Grund: Ein weltweiter Domino-Effekt in puncto Risikoaversion legte die Märkte trocken. Weitere 19 Mrd. Dollar folgten, Dubai begab im Februar 2009 eine 20-Mrd.-Dollar-Staatsanleihe.


Ist das Schlimmste ausgestanden?
Die «good news» ist, dass der Credit Default Swap (CDS) für Dubai um 40 Prozent, von 500 Basispunkten auf nunmehr 300 Basispunkte gefallen ist. CDS sind Versicherungspolicen für Anleihen und stellen auf den Kreditmärkten einen wichtigen und zeitnahen Indikator fur die Bonität von Schuldnern darstellen. Ausserdem ziehen internationale Firmen ungebremst an den Golf. Hitachi, Microsoft, Zurich Financial oder die russische VTB Capital zogen alle nach der Lehman-Pleite nach Dubai oder bauten dort bestehende Niederlassungen aus.  

Dennoch tickt für Dubais Staatsfirmen gleichfalls die Schuldenuhr. Die Immobililentwicklerin Nakheel trennte sich seit Beginn der Finanzkrise von über 500 Mitarbeitern, musste die Bauarbeiten auf der Palmeninsel Deira und am Nakheel Tower, das natürlich als das höchstes Gebäude der Welt geplant wurde, vorerst ruhen lassen. Um 60 Prozent brachen die Immobilienpreise ein, die sich erst jetzt erst allmählich wieder stabilisieren. Die Palmeninsel Jumeirah wurde am 21. November 2008 mit einem aberwitzigen Eröffnungsfeuerwerk eingeweiht, das zu jenem Zeitpunkt nur noch deplatziert wirkte. Bis zum kommenden Dezember muss Nakheel einen 3,52 Mrd. schweren Islamic Bond tilgen, die Gewinnausschüttungen (Islamic Bonds zahlen keine Zinsen) sollen sich auf 500 Mio. Dollar belaufen.


Ein Sinneswandel muss her

Drei Bankenpleiten ereigneten sich seit dem «L-Day» in Kuwait und Bahrain. «Die Finanzkrise hat nicht in Dubai begonnen und wird auch nicht bei uns enden», sagt Abdualla Al-Awar, CEO des Finanzzentrums DIFC in Dubai, gegenüber Moneycab. Aber: die Finanzkrise hat im Orient allen gezeigt, dass Öl, Zement und Geld nicht unendlich vorhanden sind. Dubai wird in der nächsten Dekade auf nachhaltiges Wachstum setzen müssen, so es denn seinen Weg zu einer Weltmetrpole zwischen Ost und West weiter gehen möchte.

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