Firmenkonkurse klettern auf Höchststand

So viele Firmenkonkurse wie im Mai 2009 gab es im Monat Mai noch nie, wie Beratungsunternehmen Dun & Bradstreet (D&B) Schweiz mitteilt. Demnach explodierte die Zahl der Firmenpleiten im Mai 2009 gegenüber dem Vorjahr mit einem Plus von 51 Prozent. Am stärksten trifft es die Kantone Tessin und Zug. Gegenüber dem Vorjahr verzeichnen sie im Zeitraum Januar bis Mai 2009 einen Zuwachs bei den Firmenkonkursen von über 60 Prozent. Gleichzeitig wurden auch weniger Firmen gegründet. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl der Neugründungen im Betrachtungszeitraum Januar bis Mai 2009 um 9 Prozent auf 14`275 Neueintragungen zurück. 


Rezession trifft CH-Firmen heftiger als erwartet
Schweizer Firmen spüren die weltweite Rezession wesentlich heftiger, als noch vor einigen Monaten erwartet. Mittlerweile hat der Abschwung alle Branchen erreicht und es mag deshalb auch nicht erstaunen, dass in praktisch allen Kantonen die Zahl der Firmenkonkurse mehr oder weniger rasant zunimmt. Doch im kantonalen Vergleich gibt es auch positive Lichtblicke. Zu den positiven Ausnahmen mit weniger Firmenkonkursen im Januar bis Mai 2009 gegenüber dem Vorjahr gehören die Kantone Uri, Jura, Graubünden, Luzern und Nidwalden.


Zug und Tessin ? die Konkurshochburgen
Die aktuelle Krise löst in den Kantonen Zug und Tessin eine «Konkurswelle» aus. In den ersten fünf Monaten diesen Jahres (Januar bis Mai) gingen im Kanton Tessin bereits 183 Firmen Konkurs ? ein absoluter neuer Rekord. Selbst in der gesamten zweiten Jahreshälfte vom 2008, wo zum Jahresende ein neuer Höchststand resultierte, gab es im Tessin mit 189 Firmenkonkursen nur leicht mehr Pleiten. Das gleiche Bild zeigt sich im Kanton Zug, wo seit Januar bis Mai 138 Firmen Konkurs anmelden mussten. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Firmenpleiten im Kanton Zug mit 66 Prozent sogar noch etwas stärker als im Tessin.


Kantone UR, JU, GR, LU und NW mit positiven Daten
Ebenfalls im vorderen Mittelfeld punkto Konkursanstieg stehen die Kantone Solothurn (+46 Prozent), St. Gallen (+32 Prozent), Waadt (+31 Prozent), Schaffhausen (+30 Prozent) und Zürich (+28 Prozent). Nur gerade in den Kantonen Uri, Jura, Graubünden, Luzern und Nidwalden gibt es weniger Firmen-Konkurse als noch im Vorjahr. Bei den Neugründungen stehen mit Ausnahme der Kantone Appenzell Innerrhoden, St. Gallen und Wallis ebenfalls alle Kantone im Minus. Am stärksten ging die Zahl der neu gegründeten Firmen gegenüber dem Vorjahr in Glarus um 25 Prozent zurück, gefolgt vom Kanton Thurgau mit Minus 24 Prozent und Zug mit Minus 18 Prozent. Trotz Krise zulegen konnten dagegen die Kantone Appenzell-Innerrhoden (+29 Prozent), Wallis (+4 Prozent) und St. Gallen (+2 Prozent).


Sämtliche Branchen von Krise erfasst
Von der Krise sind mittlerweile alle Branchen erfasst worden. Besonders heftig trifft es die Finanzbranche, die Unternehmens- und Steuerberater und die exportierenden Branchen. An der Spitze stehen die Holding- und Investmentgesellschaften mit einer Verdoppelung bei den Firmenkonkursen in den ersten 5 Monaten des 2009. Sie leiden insbesondere unter den Werteinbrüchen bei ihren Beteiligungen und der schwieriger gewordenen Refinanzierung. Bei den Unternehmens- und Steuerberatern macht sich der Spardruck der Unternehmen bemerkbar: Wenn gespart werden muss, wird in der Regel zuerst bei den externen Kosten gespart.


Finanz- und Beratungsbranchen mit rasantem Konkursanstieg
Es mag deshalb auch nicht erstaunen, dass die Zahl der insolventen Unternehmens- und Steuerberater zunimmt. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Konkurse um 73 Prozent. Die exportierenden Branchen haben die Krise zuallererst gespürt. Die meisten von ihnen versuchen den Auftragseinbruch durch Kurzarbeit und einen Kapazitätsabbau aufzufangen. Einige von ihnen reicht dies trotzdem nicht. Sowohl im Maschinenbau, als auch in der Chemie- und Pharmaindustrie und in der Uhrenindustrie nimmt die Zahl der Konkurse rasant zu. Gegenüber dem Vorjahr liegt der durchschnittliche Zuwachs in den ersten 5 Monaten vom 2009 bei über 50 Prozent. Verschont wurden bisher die Branchen, die von der Binnenwirtschaft und speziell vom privaten Konsum abhängen. Da mittlerweile auch beim Konsum gespart wird, dürften auch in diesen Branchen die Konkurse in den kommenden Monaten deutlich zunehmen. 


2009 wird Pleiterekord immer wahrscheinlicher
«Ein neuer Pleiterekord fürs Jahr 2009 wird immer wahrscheinlicher. Aufgrund der aktuellen Entwicklung rechnen wir zur Zeit für 2009 mit bis zu 5`100 Firmenkonkursen», wie Andreas Hungerbühler, Manager Marketing & Business Development bei D&B ausführt. «Da der private Konsum erst in den letzten Monaten zurückging, dürften die Konkurszahlen in den betroffenen Branchen erst in kommenden Monaten deutlich ansteigen. Wir erwarten in den nächsten Monaten insbesondere im Gastgewerbe und im Einzelhandel einen kräftigen Konkursanstieg. Es ist wahrscheinlich, dass wir unsere Jahres-Prognose nochmals erhöhen werden.»  (d&b/mc/ps)

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