Fotomuseum Winterthur: Simultan

Vier Säulen prägen und tragen die österreichische Fotografie seit den fünfziger Jahren.


Erstens: Das fast tiefenpsychologisch angelegte, körperliche Ringen im «Wiener Aktionismus», der sich Schritt um Schritt in eine tiefe und lange Auseinandersetzung mit der Frage der Identität entwickelte. Zweitens: Ein starker Hang zu Bildspielen, zu strengem und spielerischem Umgang mit der Frage, was denn ein Bild sei, der die Liebe von österreichischer Literatur und Philosophie mit dem Sprachspiel zu spiegeln scheint. Drittens: Natürlich darf die Vorliebe zum Theatralischen nicht fehlen: Auffallend viele Arbeiten inszenieren, geben und spielen vor, entwickeln vor der Kamera ein Szenario. Viertens: Schliesslich führt eine dichte, intensive Dokumentation des eigenen Landes, von «Land und Leut», zu einer komplexen Beschäftigung mit dem Sozialraum. Diese Vielfalt österreichischer Fotografie von 1950 bis heute spiegelt sich in den beiden Sammlungen des Bundes und des Museum der Moderne in Salzburg.








«Camera Austria» im Museum
Österreich hat kein nationales Fotozentrum, Fotoarchiv oder Fotomuseum. Dafür haben sich in den vergangenen 25 Jahren unterschiedliche dezentrale Foren für die Fotografie eingesetzt: Allen voran die Zeitschrift «Camera Austria», verbunden mit ihren Ausstellungen zuerst im Forum Stadtpark und nun im neuen Kunsthaus in Graz. Ebenso der Fotohof in Salzburg mit seinen Ausstellungen, Publikationen und der grossen Foto-Bibliothek. Dann die Zeitschrift «Eikon» mit ihrem konsequenten Mediendiskurs, die Fotogalerie in Wien, die Initiative «Fluss» in Niederösterreich, das Fotoforum West in Innsbruck und seit Frühling 2003 auch die Albertina in Wien mit einem Schwerpunkt in historischen Aufarbeitungen, und andere mehr. Diese beachtlichen, erfolgreichen Initiativen sind virtuell auf der Plattform «Fotonet.at» zu einem nationalen Netzwerk verbunden.

Salzburg im Fokus
Dieser österreichische Foto-Föderalismus kennt eine Ausnahme: In den vergangenen zwei, drei Dekaden hat sich Salzburg zum zentralen Sammlungsort für Fotografie in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt, und zwar dank der Sammlung, die Otto Breicha zusammen mit Margit Zuckriegl am Rupertinum aufzubauen begann, und der Sammlung des Bundes, der wesentliche Teile seiner Bestände nach Salzburg zur Aufbewahrung gibt. Die beiden Sammlungen wachsen zeitlich und inhaltlich parallel. Beide richten ihr Augenmerk vornehmlich auf das zeitgenössische Geschehen, fördern damit die aktuelle Fotografie und erweitern ihre Bestände kontinuierlich für die Zukunft. Bis heute vereinigen die beiden Sammlungen rund 15?000 Fotografien, die wesentliche Felder der Fotografie in Österreich nach 1945 abdecken.

Die Ausstellung wurde zuerst für das Museum der Moderne in Salzburg zusammengestellt. Kurator ist Urs Stahel. Für das Fotomuseum Winterthur wird eine neue Auswahl getroffen. Zur Ausstellung ist ein umfassendes Katalogbuch erhältlich.



Rudolf Schwarzkogler, Aus der Serie 3. Aktion, Wien, 1965 ,Silbergelatine-Abzug, 29,4 x 39,6 cm, Museum der Moderne Salzburg.


 

Künstlerinnen und Künstler
Heimrad Bäcker
Sabine Bitter / Helmut Weber
Günter Brus
Heinz Cibulka
Georgia Creimer Peter Dressler
Valie Export
Rita Fabsits
Seiichi Furuya
Gelitin
G.R.A.M.
Ernst Haas
Maria Hahnenkamp
Ilse Haider
Raoul Hausmann
Matthias Herrmann
Tamara Horáková / Ewald Maurer
Dieter Huber
Franz Hubmann Helmut Kandl
Leo Kandl
Herwig Kempinger
Aglaia Konrad
Elke Krystufek
Friedl Kubelka-Bondy
Wolfgang Kudrnofsky
Hans Kupelwieser
Paul Albert Leitner
Branko Lenart
Erich Lessing
Ulrike Lienbacher
Michael Mauracher
Inge Morath
Otto Muehl
Hermann Nitsch
Friederike Pezold
Cora Pongracz
Arnulf Rainer
Lois Renner
Gerhard Rühm
Alfons Schilling
Markus Schinwald
Eva Schlegel
Michael Schuster
Rudolf Schwarzkogler
Günther Selichar
Margherita Spiluttini
Octavian Trauttmansdorff Peter Weibel
Manfred Willmann
Eva Wohlgemuth
Erwin Wurm
Gregor Zivic


 

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