Georg Fischer senkt Prognosen

«Im deutschen Werk von GF Automotive haben wir Kurzarbeit eingeführt», sagte CEO Yves Serra am Montag im Gespräch mit AWP. Ob es zu Werkschliessungen und Entlassungen kommt, konnte Serra noch nicht sagen. «Wir prüfen alle Massnahmen.» Serra erwartet, dass die Automobilhersteller ihre Lager reduzieren werden und sich deshalb die Lage noch zuspitzt.


EBIT-Marge 2008 von 3 bis 4 Prozent erwartet
Für 2008 rechnet Georg Fischer nun mit einer auf 3% bis 4% reduzierten EBIT-Marge. Der Umsatz dürfte auf Vorjahresstand bleiben, teilte das Unternehmen am Montag mit. In den ersten sechs Monaten verzeichnete GF ein Umsatzwachstum von 6% und eine EBIT-Marge von 6,6%. GF ging bislang davon aus, dieses Resultat in der zweiten Jahreshälfte wiederholen zu können. Der Industriekonzern verfügt nach eigenen Angaben – unter Berücksichtigung der Nettoverschuldung – weiterhin über eine sehr solide Bilanzstruktur mit einem hohen Eigenkapitalanteil von über 40%.


Q3-Umsatz erwartungsgemäss gesteigert
Georg Fischer zeigte sich bis Oktober guter Dinge. In den Monaten Juli bis September 2008 wurde wie erwartet de Umsatz im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. «Seit Oktober 2008 haben sich aber die Rahmenbedingungen markant verändert», schreibt GF in einer Mitteilung. Hinzu komme seit Mitte September 2008 eine deutliche Abschwächung des Euros gegenüber dem Franken.


Zuspitzung im Bereich Automotive erwartet
Aufgrund der unsicheren Aussichten, die eine Neubewertung zur Folge haben, berichtigt das Unternehmen Goodwill- und Anlagenwerte (Impairment) bei GF Automotive. Zusammen mit anderen kleineren ausserordentlichen Aufwendungen ergebe sich daraus eine einmalige Belastung des EBIT in der Grössenordnung von 90 Mio CHF. Dem gegenüber stehen ausserordentliche Erträge insbesondere aus dem Verkauf des Bereichs Verkehrstechnik in der Höhe von 40 Mio CHF. Damit belaufe sich die ausserordentliche Belastung der Erfolgsrechnung auf insgesamt rund 50 Mio CHF.


Produktion bei Autoherstellern drastisch reduziert 
Georg Fischer bekam in der Sparte Automotive die Krise ab Oktober am deutlichsten zu spüren. Ab diesem Zeitpunkt sei nämlich bei verschiedenen Automobilherstellern die Produktion drastisch reduziert und daher seien Bestellungen für Gussteile revidiert worden oder hätten sich verzögert.


GF Piping Systems: Nachfrage unvermindert hoch
GF Piping Systems verzeichne dagegen nach wie vor eine hohe Nachfrage und liege beim Geschäftsgang auf Zielkurs. «Hier spüren wir noch keinen Abschwung, wir sind auf dem Niveau, dass wir erwartet haben», erklärte der Georg Fischer-Chef. Dass das in den kommenden Wochen und Monaten so bleiben wird, mochte Serra allerdings nicht vorhersagen. Die nachhaltige Weiterentwicklung von GF Piping Systems zu einem grösseren Umsatz- und Ergebnispfeiler innerhalb des Konzerns bleibt aber ein klares strategisches Ziel von Georg Fischer.


Rückgang der Investitionsbereitschaft
GF AgieCharmilles verspürt dagegen einen deutlichen Rückgang der Investitionsbereitschaft der Kunden. Hier sollen sich die einzelnen Produktionsstätten in der Schweiz in Zukunft jeweils auf eine spezifische Technologie (auf Fräsen, Drahterosion oder Senkerosion) fokussieren. Dadurch würden Produktredundanzen vermieden, und die Organisation werde gestrafft. Die Fokussierung der drei Standorte in der Schweiz auf je ein Spezialgebiet werde zu Kosten führen. Diese sind laut Unternehmenschef Serra aber in den Sonderkosten von 90 Mio CHF für das Jahr 2008 enthalten.


Kein Ausblick
Da die möglichen realwirtschaftlichen Konsequenzen der weltweiten Finanzkrise zum jetzigen Zeitpunkt nicht abzuschätzen seien, könnten im Moment keine Prognosen für das Geschäftsjahr 2009 gemacht werden. «Die Visibilität für 2009 ist dazu zu gering», sagte Serra. Georg Fischer hält jedoch an der Unternehmensstrategie und den langfristigen Zielsetzungen fest. Die Präsenz in Asien, Amerika und dem Mittleren Osten soll weiter ausgebaut und in den wichtigen Absatzregionen neue Produktionsstätten errichtet werden. Investitionen in Innovation und in die Effizienz von Anlagen würden vorangetrieben.


GF-Aktie stabil
Die GF-Aktien zeigten sich am Morgen von der Gewinnwarnung kaum belastet und behaupteten sich knapp. Analysten gaben an, eine derartige Entwicklung habe sich abgezeichnet. Die Aktien sinken bis 10.45 Uhr um 1,5 Prozent auf 192 CHF. Der Gesamtmarkt (SPI) stieg derweil um 2,8% (awp/mc/ps) 

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