Graubündner Kantonalbank: IT Outsourcing und Finnova Software als neue Plattform


Die Graubündner Kantonalbank, bis vor kurzem noch stolz auf die eigene Informatik-Kompetenz, hat einen Strategiewechsel vollzogen. Die Informatik wird ausgelagert und als neue Plattform wird die Finnova Software gewählt. CEO Alois Vinzens nimmt im Moneycab Kurzinterview Stellung zum Entscheid.

Von Helmuth Fuchs


Ein in der Bankbranche mit besonderer Spannung erwarteter Entscheid ist gefallen: Das IT-Outsourcing der Graubündner Kantonalbank. Das Rennen gemacht hat die Software-Plattform der Finnova AG Bankware. «Überzeugt haben nicht nur die Architektur und Funktionalität der Software, sondern auch die Investitions- und Betriebskosten sowie das sinnvolle Arbeitsplatz-Modell in Chur», erläutert Alois Vinzens. Der CEO der Graubündner Kantonalbank ist sichtlich erfreut darüber, dass nach einem intensiven und ein Jahr dauerndem Auswahlverfahren das Resultat heute bekannt gegeben werden konnte


Alois Vinzens, CEO Graubündner Kantonalbank (Foto: pd)
Moneycab: Herr Vinzens, was bedeutet der heutige Entscheid für die IT-Mitarbeiter der GKB?

Alois Vinzens: Die Mitarbeiter werden bei unseren künftigen Partnern, welche den Betrieb, die Entwicklung und den Unterhalt der neuen Finnova-Plattform weiterbeschäftigt. Bei Finnova selbst werden zum Beispiel 25 Anwendungs-Entwickler beschäftigt. Unsere Mitarbeiter werden auch bei den neuen Partnern ihren Arbeitsplatz in Chur haben. Bei der GKB selbst verbleiben zehn Mitarbeiter, welche die Schnittstellen-Funktion zwischen der Bank und den externen Partnern wahrnehmen.

Nach der Auslagerung der IT wird die GKB einer unter anderen Kunden sein, was zwangsläufig zu einem standardisierten Angebot für Ihre Bank führt. Verlieren Sie hier nicht einen strategischen Wettbewerbsvorteil?

Die IT hat in den letzten Jahren eine riesige Entwicklung durchgemacht. Bei der GKB stand eine umfassende Erneuerung der IT Landschaft an. Angesichts der Kosten, der erheblichen Risiken, und der Tatsache, dass wir selbst die Innovationskraft nicht mehr haben, Projekte dieser Komplexität im Alleingang zu meistern, haben wir uns für die Outsourcing-Lösung entschieden. Wir suchen die Differenzierung gegenüber unseren Mitbewerbern über die Qualität unserer Dienstleistungen und die Kundennähe, nicht über die Technologie. Unsere Philosophie und unsere Werte sollen für die Kunden im Vordergrund stehen.

Sie haben vor allem die die Innovationskraft und das Risikomanagement bei der Entscheidung betont. Die Kosten waren also nicht ausschlaggebend für den Outsourcing-Entscheid?

Doch, die Kosten sind bei unseren Entscheiden immer eine wichtige Dimension, aber der Entscheid ist nicht einfach ein Kostensenkungsprogramm, sondern ein Entscheid mit den strategischen Dimensionen Kunden, Kosten, Kultur.

Die Bank Maerki-Baumann geht gerade einen entgegengesetzten Weg und wird zur Anbieterin einer Bankenlösung mit der Möglichkeit eines Betriebes im Outsourcing. Stand diese Variante mit Ihrer IT-Abteilung von 110 Mitarbeitern auch zu Diskussion?

Für uns war diese Variante keine Lösung. Wie schon gesagt, sehen wir unsere Kernkompetenz im Umgang mit unseren Kunden. Denen wollen wir ein gutes Gefühl und einzigartige Leistungen vermitteln. Da bleibt nicht genügend Raum und Innovationskraft als Lösungsanbieter.



«Der Entscheid ist nicht einfach ein Kostensenkungsprogramm, sondern ein Entscheid mit den strategischen Dimensionen Kunden, Kosten, Kultur.» Alois Vinzens, CEO Graubündner Kantonalbank





Weiteres Vorgehen und verbleibende Anbieter
Der Outsourcing Entscheid und die Wahl der Software-Plattform sind nun bekannt. Ausstehend sind noch die Entscheide, wer den Betrieb übernimmt und wer die Migration durchführt. Für den Betrieb bislang offeriert haben die Firmen «SCIS» und «T-Systems». Als Migrationspartner stehen aktuell zur Diskussion die Unternehmen «Accenture», «BS-Group», «IBM» oder «SCIS». Es ist geplant, die Entscheide für den Betriebs- und Migrationspartner bis Ende Dezember 2004 zu fällen.

Migration sollte bis 1.1.2007 beendet sein
Stehen Ende Dezember alle Partner-Unternehmen fest, werden im ersten Quartal des neuen Jahres die entsprechenden Detailverhandlungen und die Planung der weiteren Schritte aufgenommen und bis Ende des ersten Quartales abgeschlossen. Parallel dazu laufen die Vorbereitungen zur eigentlichen Migration. Bis Mitte 2005 sollte die gesamte Migrationsplanung abgeschlossen werden können. Die GKB geht von einer Migrations-Dauer von 18 Monaten aus und rechnen fest damit, die Migration per 1.1.2007 erfolgreich abschliessen zu können.


Kurze Geschichte der GKB IT Strategie 
1988 wurde der Beitritt zur AGI-Kooperation verworfen. Deren schwerfällige Organisation war einer der Gründe. Man zog es vor, in die eigene Infrastruktur zu investieren.

1991 hat man von einer strategischen Allianz zugunsten einer gemeinsamen Bankenlösung Abstand genommen. Die Zeit war nicht reif dafür.

1996 bevorzugte man den weiteren Alleingang nach eingehender Prüfung verschiedener Produkte. Man fürchtete den Verlust der Unabhängigkeit und der eigenen Flexibilität.

2001 verwarf man die Einführung der AGI-Plattform aus Kosten-/Nutzenüberlegungen. Angebotene Gemeinschaftswerke basierten ebenfalls auf erneuerungsbedürftigen Technologien und zeitgemässe Gesamtbanklösungen standen erst für den Privatbankenmarkt bereit.

2002 Die GKB entschied sich zu einem internen Change-Programm und definierte die IT-Prozesse komplett neu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.