Gurit: Gewinnsprung dank Sondereffekt

Ein namhafter Aufschwung werde erst ab den Jahren 2010/2011 erwartet. Das Unternehmen erlitt einen Umsatzrückgang um 26,2% auf 170,5 (VJ 237,1) Mio CHF; 5,5 Prozentpunkte entfielen auf Devestitionen. In den Zielmärkten Wind Energy, Transportation und Marine betrug der Rückgang 20,7%. Gurit steuerte dem tiefen Umsatz und der sinkenden Kapazitätsauslastung mit betrieblichen Verbesserungen und Kostensenkungsmassnahmen entgegen.


Analystenerwartungen mehrheitlich verfehlt
Der betriebliche EBIT ging in der Folge um lediglich rund 13% auf 9,9 (14,8) Mio CHF zurück; die entsprechende Marge stieg gar auf 5,7% von 4,8% im Vorjahr. Unter Einrechnung von Sonderfaktoren stieg der EBIT auf 28,7 (16,0) Mio CHF und der Reingewinn stellte sich bei 18,7 (8,5) Mio CHF ein. Damit hat der Hersteller von Hochleistungs-Verbundwerkstoffen die Erwartungen der Analysten mehrheitlich verfehlt. Diese hatten im Durchschnitt (AWP-Konsens) mit einem Umsatz von 190,6 Mio, einem EBIT inklusive Sondereffekten von 25,3 Mio und einem Reingewinn von 20,7 Mio CHF gerechnet.


Millionenbetrag aus Schadenersatzklage
Im Gruppen-EBIT ist ein ausserordentliches Ergebnis von 18,8 Mio CHF enthalten. Darunter fallen zur Hauptsache Schadenersatzzahlungen von 23,8 Mio CHF aus einem Gerichtsfall mit einem Lieferanten. Die Zahlung sei im Februar 2009 erfolgt, wobei 7,4 Mio CHF durch einen Hedgingvertrag schon 2008 erfasst wurden. Inklusive Sondereinflüssen stieg die EBIT-Marge von Gurit im ersten Semester gesamthaft auf 16,4%. Der Windenergie-Markt gewann weiter an Bedeutung: Mit einem Umsatzrückgang von 11,8% auf 116,8 Mio CHF zeigte sich das Geschäft als das stabilste der drei Zielmärkte. Der Umsatzanteil gemessen am Gruppenumsatz stieg entsprechend auf 67% von 56% im Vorjahr.


China-Markt entwickelt sich am dynamischsten
Die tiefere Preise für fossile Energien sowie Finanzierungsprobleme für grosse Windparkprojekte in Europa und den USA blockieren Gurit zufolge aber derzeit eine Rückkehr zu den früheren Wachstumsraten von 15 – 20% pro Jahr. Am dynamischsten entwickele sich der Markt in China, wo die Windenergie direkt von staatlichen Investitionsprogrammen profitiere. Im Marktbereich Transportation ging der Umsatz um 15,7% auf 31,1 Mio CHF zurück und im Schiffbau brachen die Verkäufe um 50,8% auf 22,3 Mio CHF ein. Ein dünnerer Regattakalender und tiefere Sponsoringbudgets hätten zum Bau weniger neuer Rennyachten geführt. Eine nachhaltige Erholung dieses Marktes sei erst 2011 zu erwarten.


Rechnungslegung  neu auf Swiss GAAP FER
Gurit hat mit Wirkung per 1. Januar 2009 die Rechnungslegung von IFRS neu auf Swiss GAAP FER umgestellt. Die Umstellung habe «keinen wesentlichen Einfluss» auf die Erfolgsrechnung gehabt. Die Bilanz habe hingegen durch die Verrechnung des Goodwills von 114,5 Mio CHF mit dem Eigenkapital eine deutliche Verkürzung erfahren. Der Übergang brachte ferner einen Rückgang bei den Rückstellungen für Pensionsleistungsverpflichtungen um 2,4 Mio CHF mit sich. Gurit rechnet 2009 mit einem «deutlich tieferen» Umsatz. Aufgrund der schwierigen Markteinschätzung könne das Unternehmen für das Jahr 2009 kein Umsatzziel nennen, sollte aus heutiger Sicht jedoch für das ganze Jahr eine operative EBIT-Marge von rund 5% erreichen.


EBIT-Marge von 8 bis 10% «erreichbar»
Die mittel- und langfristigen Aussichten in seinen Zielmärkten beurteilt Gurit positiv, erwartet jedoch 2009 noch keinen namhaften Wiederaufschwung. Dieser werde erst ab den Jahren 2010/2011 erwartet. Sollte sich der Umsatz wieder auf das Niveau des Jahres 2008 verbessern, sei die als mittelfristiges Ziel formulierte EBIT-Marge von 8 bis 10% «erreichbar», so Gurit weiter. (awp/mc/ps/04) 

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