Handelsvolumen mit Deutschland erreicht 2006 neuen Rekordwert

Im Vergleich zum Vorjahr ist das Volumen um 13,5% gestiegen und hat somit den Rekordzuwachs des gesamten schweizerischen Aussenhandels von 12,0% sogar übertroffen. Der Aussenhandel Deutschland-Schweiz stand im Zeichen der florierenden Konjunktur und habe ‹alles bisher Gesehene getoppt›, sagte Ralf Bopp, Direktor der Handelskammer Deutschland-Schweiz am Mittwoch an der Jahresmedienkonferenz in Zürich. Nach wie vor fallen rund ein Viertel des gesamten Schweizer Handels auf den deutsch-schweizerischen Wirtschaftsverkehr.


Die Schweizer Exporte nach Deutschland stiegen gegenüber dem Vorjahr um 14,7% auf 35,8 Mrd CHF, womit sich das Wachstum gegenüber der vorangegangenen Periode (2004/2005: +6,8%) deutlich beschleunigt hat. Der Anteil Deutschlands an den Schweizer Exporten ist um 0,2 Prozentpunkte auf 20,2% gestiegen. In Deutschland werden somit doppelt so viele Waren abgesetzt wie im zweitwichtigsten Schweizer Exportmarkt USA (Anteil: 10,3%).


Deutschland klar wichtigster Beschaffungsmarkt der Schweiz
In umgekehrter Handelsrichtung nahmen die Importe aus Deutschland um 12,7% auf 55,1 Mrd CHF zu. Deutschland bleibt mit einem Importanteil von 33,3% klar wichtigster Beschaffungsmarkt für die Schweiz. Italien ist mit 11,2% zweitwichtigster Lieferant, gefolgt von Frankreich (10,3%), Holland (5%) und den USA (5%).


Nach Warenarten entfielen bei den Importen sowie bei den Exporten die grössten Anteile – mit 24,4% respektive 26,7% – auf das Segment Maschinen/Apparate/Elektronik. Die Chemikalien nahmen mit einem Anteil von 25,7% für die Schweizer Exportwirtschaft auch 2006 einen sehr wichtigen Stellenwert ein – der Anteil der von Deutschland in die Schweiz importierten Chemikalien belief sich auf 15,8%.


Schweiz zehntwichtigster Lieferant für Deutschland
Aus deutscher Perspektive ist die Schweiz mit einem Anteil von 3,5% der zehntwichtigste Lieferant und nimmt 3,9% aller deutschen Exporte ab, was Platz neun bedeutet. Das gute Aussenhandelsergebnis beider Länder erklärte Daniel Heuer, Leiter der Exportmarketingabteilung der Handelskammer, mit dem guten Beziehungsnetz zwischen Herstellern, Händlern und Käufern. Zudem tragen Faktoren wie die leichte Verständigung, vergleichbare Geschäftsgewohnheiten, ähnliche Rechtsauffassungen ebenso zu den guten Beziehungen bei.


Überraschender Rückgang der Direktinvestitionen
Abgenommen haben dagegen die Direktinvestitionen zwischen den beiden Ländern, was Ralf Bopp als «etwas überraschend» bezeichnete. Die Schweizer Unternehmen zogen unter dem Strich Kapital über 1,5 Mrd Euro aus Deutschland zurück, während 2005 netto noch 3,3 Mrd Euro investiert wurden. Die Entwicklung der Direktinvestitionen sei meistens von deutlichen Fluktuationen zwischen einzelnen Jahren geprägt, so Bopp: «Wir beobachten jedoch die weitere Entwicklung mit grossem Interesse.» Die Schweiz ist seit den 90er Jahren vom dritten auf den sechsten Platz der wichtigsten Investoren in Deutschland abgerutscht. Deutsche Firmen hatten gerade noch 217 Mio Euro in der Schweiz investiert – dies gegenüber dem Spitzenwert des Vorjahres von 4,8 Mrd Euro. Deutschland steht damit bei den Direktinvestitionen in der Schweiz auf Rang vier, deutlich hinter den Spitzenreitern USA und Vereinigtes Königreich.


Auch 2007 neue Rekordwerte
Die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und Deutschland florieren auch im laufenden Jahr. In den Monaten Januar und Februar sind die Importe aus Deutschland bereits wieder um 15,1% angestiegen, die Exporte nach Deutschland erhöhten sich gar um 18,3%.


Zollsicherheitsinitiative als Handelshemmnis
Sorge bereitet Bopp die Zollsicherheitsinitiative der EU. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte die EU den Zollkodex geändert. So ist ab dem 1. Juli 2009 zwischen der EU und Drittstaaten eine Voranmeldepflicht für Waren vorgesehen. Die sogenannte 24-Stunden-Regel würde nur eine erhebliche Zusatzbürokratie sorgen und der intensive Warenaustausch würde erheblich gestört, gab Ralf Bopp zu bedenken. Er ist allerdings guter Hoffnung, dass es der EU und der Schweiz in Verhandlungen gelingt, das drohende Handelshemmnis abzuwenden. (awp/mc/pg)

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