Hans Künzle, CEO Nationale Suisse: Gespräche mit Investoren gibt es, aber über «ungelegte Eier» spreche ich grundsätzlich nicht.»

Hans Künzle, CEO Nationale Suisse: Gespräche mit Investoren gibt es, aber über «ungelegte Eier» spreche ich grundsätzlich nicht.»

Von Alexander Saheb


 


Moneycab: Mit dem Halbjahresergebnis 2007 waren sie auf bestem Weg, das Jahresergebnis 2006 weit hinter sich zu lassen. Stimmt diese Prognose noch?



Hans Künzle: Wir sind in der Tat mit dem Halbjahresergebnis sehr zufrieden. Falls es zu keinen besonderen Vorkommnissen kommt – Winterstürme, Überschwemmungen oder Verwerfungen an den Kapitalmärkten – dann bin ich zuversichtlich für ein gutes Jahresergebnis 2007.


 


Mit welchem Prämienzuwachsraten rechnen Sie für das Gesamtjahr?



Profitabilität steht vor Wachstum. Das ist unsere eiserne Regel. Da zurzeit viele unserer Mitbewerber Prämiendumping betreiben, ist es gerade im Schweizer Markt sehr schwierig zu wachsen. Unser Wachstum wollen wir in Zukunft eher in unseren sechs Nischen erreichen. Im Weiteren haben wir in unseren ausländischen Operationen, vor allem in den südlichen Ländern Italien und Spanien noch ein gutes Wachstumspotential, weil diese Märkte weniger gesättigt sind als beispielsweise die Schweiz oder Deutschland.



«Nachdem wir nun klar kommuniziert haben, in welchen Nischen wir wachsen wollen, wollen wir in diesen Nischen auch mit Akquisitionen wachsen.» Hans Künzle, CEO Nationale Suisse



Prämieneinnahmen, Bilanzsumme und Gewinn sind im ersten Halbjahr gestiegen, nicht aber die Zahl der Vollzeitstellen. Konnten Sie die Produktivität der Mitarbeiter verbessern?


Im Schweizer Geschäft haben wir die Produktivität in den letzten zwei Jahren positiv gesteigert. Bekanntlich mussten wir in dieser Zeit zahlreiche Vollzeitstellen abbauen. Die umfangreichen Investitionen in Informatik, Prozesse und Kundendienstleistungen führen zu einer höheren Industrialisierung des Geschäfts. Die Aussendienst-mitarbeiter können so mehr Zeit für ihre Kunden und deren Beratung einsetzen.


 


Strategisch setzen Sie auf den Ausbau verschiedener Nischengeschäfte. Macht diese Diversifikation unter einem Dach Sinn und verwässert nicht das klare Profil des Unternehmens?


Ganz im Gegenteil. Wir haben eine ganz klare Zweipfeilerstrategie. Im Heimmarkt Schweiz differenzieren wir uns klar im Retail- und KMU-Geschäft durch Swissness, hohe Qualität und unseren persönlichen Service. Im Ausland sind wir ein klar fokussierter Nischenversicherer.


 


Können Sie sich vorstellen in einer konsolidierenden Versicherungswirtschaft eine aktive Rolle zu spielen? Würden Sie beispielsweise kleine Unternehmen die in den von ihnen angestrebten Nischengeschäften tätig sind, akquirieren wollen?


Nachdem wir nun klar kommuniziert haben, in welchen Nischen wir wachsen wollen, wollen wir in diesen Nischen auch mit Akquisitionen wachsen. Das sind in der Regel kleinere Gesellschaften oder Portfolios. Die grossen Versicherer können sich oftmals nicht genug um ihre Nischen kümmern. Das ist wahrscheinlich eine zusätzliche Chance für uns. Beim M&A-Geschäft gibt es aber einen Grundsatz: «Man redet nicht darüber, sondern man tut es»


 


Bis 2009 wollen sie eine Eigenkapitalrendite über 11 Prozent erzielen. Im Jahr 2006 waren es 10,5 Prozent. Wie geht das mit dem geplanten strategischen Aufbau einher, dessen Kosten sicher noch zu Buche schlagen werden?

In der Eigenkapitalrendite von 11 Prozent sind die Investitionen bereits eingerechnet. Wir sind überzeugt, dass wir nur wettbewerbsfähig bleiben, wenn wir permanent in die Erneuerung unseres Unternehmens investieren. Zu den 11 Prozent will ich anführen, dass unser Kapitalkosten bei unserem Risikoprofil etwa bei 7 bis 8 Prozent liegen, so dass eine Eigenkapitalrendite von über 11 Prozent durchaus Wert generiert.


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Sie haben Roger Federer als Werbeträger verpflichtet. Spüren Sie einen positiven Einfluss auf ihr Geschäft?


Der Effekt dieser Partnerschaft ist sehr gross. Roger Federer verkörpert in optimaler Weise unsere Unternehmenswerte: individuell, erfolgreich und sympathisch. Der Bekanntheitsgrad von Nationale Suisse ist in der Schweiz innert weniger Monate stark gestiegen. Man nimmt uns wieder aktiv als serviceorientierten, schweizerischen Versicherer wahr. Zusätzlich hat diese Zusammenarbeit eine sehr positive Auswirkung auf die Motivation unserer Mitarbeitenden, die stolz auf dieses Engagement sind.



«Unsere Firma hat ein beschränktes Downside-, aber ein gutes Upside-Potential.»



Jüngst haben Sie von Coop 8 Prozent eigene Aktien zurückgekauft und suchen nun einen neuen Investor. Wen wünschen Sie sich, gibt es Gespräche?


Partnerschaften sind ein wesentlicher Teil unserer Geschäftsstrategie. Deshalb wollen wir dieses Paket von 8 Prozent wenn immer möglich einem strategischen Investor geben, der ein mittel- bis langfristiges Interesse an uns hat. Gespräche gibt es, aber über «ungelegte Eier» spreche ich grundsätzlich nicht.


 


Der Kurs der National-Aktie hat in den vergangenen drei Monaten mit dem SPI verglichen eine eher geringe Performance erlebt. Was könnten die Gründe gewesen sein?


Mit der Performance unserer Aktie sind wir grundsätzlich zufrieden. Unser Papier ist seit meinem Start bei Nationale Suisse Anfang 2005 bis heute von CHF 590.- auf rund CHF 900.- gestiegen. In den letzten Monaten haben Finanzdienstleistungstitel wegen der amerikanischen Hypothekenkrise an Vertrauen verloren. Wir sind von diesen Problemen nicht betroffen, leiden aber trotzdem darunter.


 


Was spricht für eine Investition in Ihre Aktie?


Unsere Aktie ist ein Value-Titel. Nationale Suisse ist geographisch gut diversifiziert und hat eine erfolgsversprechende klare Strategie. Unsere Firma hat ein beschränktes Downside-, aber ein gutes Upside-Potential. Aktionäre, die an einer mittel- bis langfristigen stabilen und stetigen Wertgenerierung interessiert sind, sind bei uns richtig.


 


Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit für die Nationale Suisse am besten?


Die Tatsache, dass wir in den letzten drei Jahren zusammen als Team viele Aufgaben sehr effizient und zielstrebig anpacken und realisieren konnten, und dass in einem Unternehmen wie dem unsrigen die Entscheidungswege sehr kurz sind.






 


Der Gesprächspartner:
Dr. iur. Hans Künzle ist 1961 geboren und  Vorsitzender der Geschäftsleitung (CEO) der Nationale Suisse. Künzle trat nach kurzer Tätigkeit am Bezirksgericht Bülach 1989 in die Winterthur Versicherungen ein. Zwischen 1995 und 2004 übernahm er verschiedene leitende Funktionen in der Schweiz und in Europa. Unter anderem war er CEO der Winterthur-Operationen in der Tschechischen Republik und verantwortlich für den Bereich Mergers & Acquisitions auf Konzernstufe.

Im Oktober 2004 trat er in die Dienste der Schweizerischen National-Versicherungs-Gesellschaft ein und übernahm per 1. Januar 2005 den Vorsitz der Geschäftsleitung. Künzle ist Mitglied des Verwaltungsrates der Schweizerischen National Leben AG und Präsident des Verwaltungsrates der Europäischen Reiseversicherungs AG. Er ist ferner Mitglied des Vorstands des Schweizerischen Versicherungsverbands (SVV).


 


Das Unternehmen

Nationale Suisse ist ein international tätiger Schweizer Versicherer für Risiko- und Vorsorgelösungen sowie für Nischenprodukte. Die Bruttoprämien belaufen sich konsolidiert auf 1,73 Milliarden Schweizer Franken. Rund 35 Prozent davon erwirtschaftet Nationale Suisse in ihren Tochtergesellschaften in Deutschland, Belgien, Italien und Spanien.  Der Hauptsitz der Schweizerischen National-Versicherungs-Gesellschaft ist in Basel. Die Aktie der Gesellschaft ist an der SWX Swiss Exchange kotiert (NATN). Am 30.06.2007 beschäftigte die Gruppe 1978 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (1843 Vollzeitstellen).

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