ING Investment Management: 2010 – ein verlorenes Jahr für Aktien?

Von Ad van Tiggelen, Senior Investment Spezialist, ING Investment Management, Den Haag


Beim Gewinnwachstum waren sie nicht optimistisch genug ? die Gewinne werden um über 30 % zulegen ?, und im Hinblick auf die Aktienrenditen waren sie zumindest bis jetzt zu optimistisch. Und bei Anleihen lagen sie wirklich völlig falsch. Kein Wunder, dass sogar einige der gewieftesten Hedgefonds-Manager ein schlechtes Jahr haben. Was, wenn nicht ein kräftiges Gewinnwachstum, solide Bilanzen und moderate Bewertungen, sollte für Aktien sprechen?


Verständliche Befürchtungen vor „Double Dip“
Die Finanzmärkte versuchen, die Zukunft einzupreisen. Gegenwart und Vergangenheit sind ihnen egal. Dies war selten so deutlich wie heute. Die Anleger lassen die zahlreichen positiven Daten außer acht und konzentrieren sich auf das Risiko eines „Double Dip“. Ihre Befürchtungen sind verständlich. Die Anleger haben immer gewusst, dass die zweite Phase der Erholung in den Industrieländern von einer Belebung des Konsums getragen werden muss. Nun rückt die zweite Phase näher, und den Marktteilnehmern wird klar, dass aus Sicht der Verbraucher nur wenig Anlass dazu besteht, den Stab vom verarbeitenden Gewerbe zu übernehmen und die Erholung weiter voranzutreiben.


Preis für das Altern der Gesellschaft
Die Verbraucher wissen, dass die Fiskalpolitik im Jahr 2011 restriktiver gestaltet werden wird. Sie wissen, dass die Lohnerhöhungen voraussichtlich gering ausfallen werden. Sie befürchten, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt in nächster Zeit nicht wesentlich bessern wird. Und was möglicherweise das Wichtigste ist: Sie merken allmählich, dass sie den Preis für das Altern der Gesellschaft zahlen müssen. Der zu erwartenden Einbußen in der Altersvorsorgeplanung werden zunehmend in der Gesellschaft diskutiert werden. Warum sollten die Verbraucher also jetzt ihren Konsum erhöhen?  Manche Analysten vertreten die Auffassung, die Verbraucher würden dies schon allein deshalb tun, weil sie es normalerweise im jetzigen Stadium des Zyklus getan haben. Bisher war jedoch kaum etwas in diesem Konjunkturzyklus „normal“.


Mittel der Geld- und Fiskalpolitik ausgeschöpft
In der Zwischenzeit verkaufen die „Double-Dip“-Anhänger Aktien und kaufen Anleihen, was wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sich die Lage wie von ihnen befürchtet entwickelt. Diesen Anlegern ist auch klar, dass die Regierungen und die Zentralbanken nur noch über sehr wenig Munition verfügen, um ein solches Szenario gegebenenfalls abzuwenden. Traditionelle Mittel wie Geldpolitik (Zinssenkungen) und Fiskalpolitik (Steuersenkungen) wurden bereits ausgeschöpft. Nun bleiben nur noch unkonventionelle Mittel übrig, z.B. Gelddrucken oder nicht gegenfinanzierte Steuersenkungen. Einige Länder wie z.B. die USA und Großbritannien haben die Notenpresse bereits großzügig in Gang gesetzt. Hier stellt sich allerdings das Problem, dass man Risikoaverse Verbraucher nicht einfach dazu „zwingen“ kann, weniger zu sparen und mehr Geld auszugeben. Daher könnte die Fed wieder zu unkonventionellen Mitteln greifen.


Emerging Markets und defensive High Dividend-Titel
Insgesamt ist es verständlich, dass die Finanzmärkte vorsichtig sind, was den künftigen Konsum betrifft. In den Industrieländern dürften sowohl das Wachstum als auch die Inflation äußerst moderat ausfallen. Es mag so aussehen, als bilde sich an den Anleihemärkten eine Blase; wir gehen jedoch nicht davon aus, dass diese bald platzt. Derzeit herrscht vor allem Unsicherheit vor, so dass breit gestreute Diversifizierungen und moderate Renditen die wichtigsten Kennzeichen der künftigen Entwicklung sein dürften. Bei Aktien spricht daher alles für ein „Durchwursteln“, wobei die Abwärtsrisiken (vor allem für zyklische Titel) etwas größer sind als die Aufwärtsrisiken. Insofern könnte 2010 als ein „verlorenes Jahr“ für Aktien empfunden werden. Langfristig bieten die Emerging Markets und defensive High Dividend-Titel jedoch unseres Erachtens weiterhin gute Anlagechancen.






Über ING Investment Management:
ING Investment Management (ING IM) ist ein führender globaler Asset Manager mit nahezu Euro 376 Milliarden Assets under Management. Mit über 800 Investment-Experten und 3.500 Mitarbeitern ist ING IM in 33 Ländern in Nord-, Mittel,- und Südamerika, Asien-Pazifik, Europa und im Nahen Osten vertreten. ING IM ist der vorrangige Asset Manager der ING Group. ING IM nutzt eigenes Research und Analysen, globale Ressourcen und Risiko Management, um ein breit gefächertes Angebot an Strategien, Investment-Produkten und Beratungsleistungen in allen wichtigen Anlageklassen- und Stilen anbieten zu können. In Europa und dem Nahen Osten hat ING IM Standorte in 15 Ländern und verwaltet ca. 150 Milliarden Euro Assets under Management.



 

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