Iran-Geschäfte: CS droht Busse von 536 Millionen Dollar

Dies teilte die CS am Dienstagabend überraschend in einem Communiqué mit. Die Grossbank trat zu dieser unüblichen Zeit vor dem Abschluss der Vergleichsverhandlungen an die Öffentlichkeit, weil Informationen bereits an US-Medien durchgesickert waren. Die von den Amerikanern beanstandeten Devisenlieferungen gehen auf die Jahre zwischen 2002 und April 2007 zurück. 2006 hatte die Credit Suisse bekanntgegeben, dass sie keine neue Geschäftsverbindungen mit Kunden im Iran, in Syrien und in Nordkorea pflegen wolle. Die drei Länder befinden sich auf einer Schwarzen Liste der USA.


Teheran-Vertretung 2006 geschlossen 
Die Bank stellte damals das Geschäft mit allen Ländern, Personen und Firmen ein, die unter US-Embargo stehen. Die Vertretung in der iranischen Hauptstadt Teheran wurde 2006 geschlossen. Ob die mögliche Busse im Zusammenhang mit Geschäftsbeziehungen mit dem Iran steht, wollte CS-Sprecher Marc Dosch auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA nicht bestätigen. Unter dem Strich dürfte die Busse das CS-Ergebnis im vierten Quartal noch mit 360 Mio CHF nach Steuern belasten, nachdem bereits im dritten Quartal Rückstellungen gebildet worden waren. Insgesamt hat die Grossbank in den ersten neun Monaten 2009 einen Reingewinn von 5,9 Mrd CHF erzielt.


Die Börse nimmt’s gelassen
An der Börse warf die drohende Busse keine Wellen. Die CS-Aktie legte am Mittwoch im frühen Handel um 2,7% auf 51,95 CHF zu. Gleichzeitig notierte der Gesamtmarkt SMI um 0,9% fester. Die mögliche Busse in den USA sei zwar höher als bislang befürchtet, hiess es in Marktkreisen. Aber sie habe keinen grossen Einfluss auf das Ergebnis der Bank. Die Verhandlungen seien fortgeschritten, Stadium, schreibt die Bank weiter. Beteiligt daran sind die New Yorker Staatsanwaltschaft, das US-Justizministerium, das Board of Governors of the Federal Reserve System und die Notenbank von New York, sowie die für die Finanzbeziehungen zum Ausland zuständige Regierungsbehörde (OFAC).


Definitive Einigung liegt noch nicht vor  
Alicia Maxey-Greene, die Sprecherin des zuständigen New Yorker Staatsanwalts Robert Morgenthau, bestätigte, dass Verhandlungen im Gange seien. «Eine definitive Einigung liegt aber noch nicht vor», sagte sie. Alle anderen involvierten Stellen wie das Justiz- und das Finanzministerium sowie das Federal Reserve Board in Washington und die Federal Reserve Bank of New York lehnten eine Stellungsnahme ab. Im Januar 2009 hatte die US-Justiz mitgeteilt, dass sie gegen neun europäische Banken ermittle. Die Institute sollen bei der Umgehung von US-Sanktionen gegen den Iran und den Sudan geholfen haben. Damals gab die Credit Suisse an, dass sie seit zwei Jahren wegen möglicher Verletzungen von US-Sanktionen eine interne Untersuchung durchführe. Dass sie im Visier der US-Justiz war, wollte sie damals nicht bestätigen.


Auch Lloyds zur Kasse gebeten
Bereits im Januar dieses Jahres war bekannt geworden, dass die britische Bank Lloyds wegen verbotener Finanzgeschäfte mit dem Iran und dem Sudan 350 Mio USD Strafe in den USA zahlen wird. Lloyds habe zugegeben, bei Finanztransaktionen in die USA die Identität von iranischen und sudanesischen Kunden verschleiert zu haben, hatte der New Yorker Staatsanwalt Morgenthau damals erklärt. (awp/mc/ps/35)

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