Joachim Kaufmann, CEO Feintool International Holding

Von Radovan Milanovic


Moneycab: Auch im ersten Halbjahr 2007/2008 konnte der Auftragseingang von Feintool International Holding um 8.8%, der Umsatz um 13.7% und der EBIT gar um 28.2% gesteigert werden. Wobei der Auftragsbestand gar um 25.2% höher als in der Vorjahresperiode lag. Anlässlich der Bilanzpressekonferenz sind Sie für das zweite Semester positiv gestimmt gewesen. Scheinen sich Ihre Erwartungen zu bestätigen? Was sind Ihre Prognosen für das Gesamtjahr?


Joachim Kaufmann: Unsere Prognose für den Geschäftsjahresabschluss per 30. September 2008 hat sich nicht verändert. Konsolidiert auf Gruppenebene werden Umsatz und Betriebsergebnis die Vorjahreswerte übertreffen.


Zu den Auswirkungen der Kreditkrise: Im Mai schienen diese Ihren Geschäftsverlauf noch nicht zu beeinflussen. Wie sieht die Sache heute aus? Wie lautet Ihre Strategie, um Effekte der Kreditkrise zu überwinden?


Die Kreditmarktkrise und die steigenden Rohstoffpreise führten vorerst in Nordamerika und jetzt auch in Europa zu einigen Wolken am Konjunkturhimmel, was sich nun im Auftragseingang abzeichnet. Genaue Angaben werden wir am 19. August 2008 mit den Q3-Zahlen veröffentlichen. Der Auftragsbestand ist jedoch nach wie vor auf einem guten Niveau, sodass allfällige negative Auswirkungen der schwieriger werdenden Zeiten nicht kurzfristig zu erwarten sind. Zudem wollen wir mit Innovationen und intensiver Marktbearbeitung  unsere Marktstellungen laufend verbessern. 


Die Nachfrage nach Autos in den USA ist am Boden, in Europa fallen die Umsätze ebenfalls markant. In welchem Ausmass betrifft dies die Geschäfte von Feintool?


Unser Kernmarkt ist die Automobilindustrie. Detaillierte Informationen folgen am 19. August 2008. Mittels den erwähnten Massnahmen zur Verbesserung unserer Marktstellung versuchen wir Konjunkturschwankungen abzufedern.



«Die Kreditmarktkrise und die steigenden Rohstoffpreise führten vorerst in Nordamerika und jetzt auch in Europa zu einigen Wolken am Konjunkturhimmel, was sich nun im Auftragseingang abzeichnet.» Joachim Kaufmann, CEO Feintool International Holding


In Anbetracht des Rückganges des globalen Konjunkturwachstums könnte davon ausgegangen werden, dass der Auftragseingang des grössten Teils Ihrer Produkte, insbesondere des Segments Automation, da zyklischer Natur, zurückgegangen ist. Dies scheint nicht der Fall zu sein. Können Sie dies unseren Lesern erklären?


Wir sind im Segment Automation vorwiegend in Europa tätig und hier ist die Nachfrage nach wie vor auf einem guten Niveau. Zudem konnten wir dank attraktiver Produktpalette in den Bereichen Automations-Komponenten und Automations-Systeme auch neue Kunden gewinnen.


Im vergangenen Jahr konnten Sie Ihre Produktivität und den Umsatz mit weniger Mitarbeitern steigern. Das Umfeld dürfte jedoch härter werden. Sehen Sie weiteres Verbesserungspotenzial zur Abfederung negativer Einflüsse wie steigender Rohstoff- und Energiepreise?
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Die Verbesserung der Produktivität ist in allen unseren Geschäftsbereichen eine kontinuierliche Herausforderung, welche wir laufend mit Prozess- und Strukturoptimierungen angehen. Dies stellt hohe Anforderungen an unsere Mitarbeitende bezüglich Veränderungsbereitschaft. Zudem werden wir intensiv mit unseren Kunden verhandeln, um die Kostensteigerungen möglichst überwälzen zu können.


Wie hat sich das Segment Plastic, bei dem Sie mitten im Turnaround sind, seit der Präsentation des Halbjahresergebnisses entwickelt?


Das Segment Plastic/Metal Components hat sich bezüglich Umsatz und Betriebsergebnis gemäss unseren Erwartungen entwickelt. Dies dank weiteren Produktivitätssteigerungen und einer verbesserten Kundenzufriedenheit. Wie am 17. Juli 2008 kommuniziert, sind wir auf der Suche nach einem starken Partner, welche nun durch eine externe Beratungsfirma begleitet wird. Damit wollen wir für dieses Segment eine stärkere Positionierung in den globalen Absatzmärkten sicherstellen. Mögliche Beteiligungsverhältnisse werden Gegenstand der Verhandlungen sein.


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Die Dollar- und Yen-Entwicklung hat Ihnen Probleme bereitet. In der Zwischenzeit scheinen sich diese beiden Währungen zu konsolidieren. Wie ist der heutige Stand der Dinge? 
 
Ein Teil der kommunizierten Währungsverluste konnte mittlerweile wieder wettgemacht werden.


Bei der Analysierung Ihrer Bilanz fällt auf, dass sowohl Ihre Debitoren und Abgrenzungen vergleichbar hoch sind. Was ist der Grund dafür? Allenfalls erwartete höhere Debitorenverluste?
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Per Ende des 1. Halbjahres sind Debitoren und Abgrenzungen gegenüber des Beginns des Geschäftsjahres trotz Umsatzsteigerung auf tieferem Niveau. Somit zeigen unsere Anstrengungen zur Optimierung des Nettoumlaufsvermögens erste Früchte.



«Wir sind bereits in China mit einer eigenen Verkaufs- und Servicegesellschaft vertreten. China dürfte in wenigen Jahren zum grössten Automobilproduzent der Welt aufsteigen und damit vergrössert sich auch das Geschäftspotential für unser Produkt-Portfolio in China laufend.»


Was ist der Grund für die Verlagerung des Standortes in White Plains in den USA?


Beim über 30-jährigen Feintool-Werk für Feinschneidkomponenten in White Plains, New York,  fehlten die räumlichen Voraussetzungen für notwendige Neuinvestitionen. Zudem sind wir in den USA mit einer sinkenden Nachfrage konfrontiert. Die Produktion wurde deshalb im 1. Halbjahr dieses Geschäftsjahres 2007/2008  in die amerikanischen Werke in Cincinnati, Ohio, und in Nashville, Tennessee, integriert.


Während Sie Ihr defizitäres Werk in Thailand verkauft haben, sehen Sie die grosse Chance in China wo Sie in zwei bis vier Jahren das Fundament für weiteres Wachstum legen wollen. Können Sie uns Ihre China-Pläne ausführen?


Wir sind bereits in China mit einer eigenen Verkaufs- und Servicegesellschaft vertreten. China dürfte in wenigen Jahren zum grössten Automobilproduzent der Welt aufsteigen und damit vergrössert sich auch das Geschäftspotential für unser Produkt-Portfolio in China laufend. Um unsere Marktstellung in erster Linie im Segment Fineblanking/Forming weiter ausbauen zu können, wollen wir mittelfristig ein eigenes Technologiezentrum und eine Teilefertigung vor Ort aufbauen. Entscheidend sind dabei die Kundenforderungen zur Lokalisierung und ob die für das Feinschneiden notwendigen Materialqualitäten lokal beschafft werden können.


Es fällt auf, dass Feintool in den neuen EU Ländern in Osteuropa sowie in Russland nicht vertreten ist. Was ist der Grund dafür? Sehen Sie eine Expansion in diese Absatzmärkte?


Zurzeit ist die Nachfrage von unseren Kunden in Russland noch zu klein, um eine lokales Engagement  rechtfertigen zu können. Längerfristig wird sich jedoch auch diese Region zu einem interessanten Markt für Feintool entwickeln.


Herr Dr. Stirnemann, welcher Präsident der Konzernleitung von Georg Fischer AG in Schaffhausen war, ist Verwaltungsratsmitglied von Feintool geworden. Was für Effekte erwarten Sie von Herrn Dr. Stirnemann?


Als ausgewiesener Experte in unserem Hauptmarkt Automobil wird Herr Dr. Stirnemann uns beim weiteren Ausbau unserer Marktaktivitäten wertvolle Impulse geben können.


Trotz den äusserst positiven Resultaten und dem optimistischen Ausblick notiert die Feintool Aktie rund 33% tiefer als vor 12 Monaten. Im Zuge der Neubewertungen von zyklischen Werten litten auch die Feintool Aktien. Mit einem geschätzten P/E von rund 13 für 2008 liegt die Aktie jedoch immer noch im oberen Bewertungsrahmen. Sind Sie mit dem aktuellen Aktienkurs zufrieden?


Im Vergleich mit höheren Korrekturen namhafter Firmen, die in der gleichen Branche tätig sind, hat sich unser Aktienkurs gut gehalten.

Das Interview entstand im Vorfeld zur Bekanntgabe der heutigen Zahlen.






Der Gesprächspartner:
Herr Joachim Kaufmann studierte an der HTL in Rapperswil Maschinenbau und schloss das Studium als dipl. Maschineningenieur ab. 1977-1980 arbeitete er bei Sulzer AG als Entwicklungsingenieur im Pumpenbau. 1980-1987 war er Chef der Produktionsgruppe für mehrstufige Pumpen und ab 1983 technischer Leiter bei Sulzer Bombas e Compressores, Sao Paulo. 1988-1999 hatte Herr Kaufmann in der Feintool Gruppe verschiedene Leitungsfunktionen. Ab 1993 wurde er Vorsitzender der Geschäftsleitung Feintool AG, Lyss und ab 1997 Geschäftsführer der Teilefertigung Europa. Seit 2007 amtet er als CEO bei der Feintool Gruppe. 


Das Unternehmen:
Feintool ist führende Technologie- und Systemanbieterin für  Feinschneiden/Umformen und Montageautomation sowie globale  Zulieferin von Metall- und Kunststoffkomponenten.  Feintool ist weltweit tätig an Standorten in der Schweiz (Hauptsitz  Lyss), Deutschland, Frankreich, Italien, England, den USA, Japan und  China, wo rund 1900 Mitarbeitende für zufriedene Kunden sorgen.

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