Katar erwartet rasche Einigung mit Porsche

Bis dahin sollten alle Details und die Grössenordnung der katarischen Beteiligung geklärt sein, fügte er hinzu. Katar sei generell daran interessiert ein «langfristiger Investor» zu sein.


Teilverkauf wankt
Wie die «Financial Times Deutschland» (FTD, Mittwochausgabe) aus dem Umfeld der Eigentümerfamilien berichtet, will Katar nicht nur 25 Prozent an Porsche, sondern mindestens eine Aktie zusätzlich – und damit eine Sperrminorität. Der geplante Teilverkauf sei ins Wanken geraten, heisst es in dem Zeitungsbericht, nachdem Grossaktionär Ferdinand Piech bei einem Treffen der Eigentümerfamilien am Montag in Österreich eine rasche Einigung mit den Scheichs verhindert habe.


Kampf mit riesigem Schuldenberg
Porsche hatte sich bei der geplanten Übernahme von Europas grösstem Autobauer Volkswagen verhoben und kämpft mit einem riesigen Schuldenberg. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) warb bei der staatseigenen KfW-Bank für einen Kredit für den hoch verschuldeten Sportwagenbauer Porsche. «Ich glaube, dass das mögliche Darlehen für die KfW eine sehr annehmbare Lösung darstellen könnte», sagte Oettinger am Dienstag in Stuttgart. Der Kredit stelle für die KfW kein Risiko dar, weil Porsche als VW- Mehrheitseigner Stammkapital von Volkswagen als Sicherheit angeboten habe.


«Andere Situation als bei Opel»
Die Bedenken, dass Porsche durch die Übernahme von Europas grösstem Autobauer VW selbst verschuldet in die Krise geraten sei und deshalb keinen Anspruch auf einen Kredit habe, hält Oettinger nicht für stichhaltig. Es gehe nicht um eine Rettungsbeihilfe wie bei Opel. «Es geht um ein Darlehen aus dem Deutschlandfonds, der eigentlich dafür geschaffen worden ist.» Der Stuttgarter Autobauer hatte Anfang Juni bei der staatlichen Bank ein Darlehen über 1,75 Milliarden Euro beantragt. Der KfW- Lenkungsausschuss werde Ende des Monats über den Kredit entscheiden, sagte Oettinger.


Porsche bestätigt Verhandlungen mit Katar
Zugleich verhandelt der Sportwagenbauer mit Katar über einen Einstieg. Nach einem Bericht der «Börsen-Zeitung» (Dienstag) will der Porsche-Aufsichtsrat über einen solchen Einstieg innerhalb der nächsten vier Wochen grundsätzlich entscheiden. Ein Porsche-Sprecher wies den Bericht auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa jedoch als «Spekulation» zurück. Er bestätigte lediglich Verhandlungen mit Katar. Bislang wurde in Medien berichtet, eine grundsätzliche Einigung könne schon im Juni erzielt werden. Mit einer Zustimmung des Aufsichtsrats wurde bisher Anfang Juli gerechnet. Den Weg für den Einstieg Katars könnte eine ausserordentliche Hauptversammlung Anfang September frei machen. Das Golf-Emirat will dem Vernehmen nach ein Viertel der Stammaktien von Porsche übernehmen.


«Nachvollziehbare Lösung»
Damit erhielte erstmals ein fremder Aktionär Mitspracherecht in dem Familienunternehmen. Bislang kontrolliert die Familie Porsche/Piëch alle Porsche-Stammaktien. Ein Engagement des Golfstaats sieht Oettinger grundsätzlich positiv. Ein dritter Gesellschafter sei «eine nachvollziehbare Lösung». Er geht zugleich nicht davon aus, dass Baden-Württemberg Porsche mit einer Landesbürgschaft unter die Arme greifen muss. «Die Frage stellt sich derzeit nicht.» Das Land habe Porsche bereits über die Landesbank Baden-Württemberg mit einem Kredit geholfen. Auch Vize-Regierungschef Ulrich Goll (FDP) sagte: «Wir gehen in der Tat nicht davon aus, dass eine solche Situation eintritt.»


Banken-Zusagen für 10,75 Milliarden Euro
Seit Monaten sucht Porsche nach neuen Geldgebern und verhandelt mit zahlreichen Banken über einen Kredit von insgesamt 12,5 Milliarden Euro. Nach Banken-Zusagen für insgesamt 10,75 Milliarden Euro hat Porsche nun die noch fehlenden 1,75 Milliarden Euro komplett bei der KfW beantragt.


Porsche-Familien beteuern Einigkeit bei Gesprächen mit Katar
Die Eigentümerfamilien von Porsche beteuern ihre Einigkeit bei den Gesprächen mit dem Emirat Katar über einen Einstieg bei dem hochverschuldeten Sportwagen-Hersteller. «Die Familie steht geschlossen hinter den Gesprächen mit einem Investor», teilte Porsche am Mittwoch in Stuttgart mit. «Ein Familientreffen, bei dem Ferdinand Piech einen raschen Einstieg Katars bei Porsche verhindert haben soll – wie die FTD heute berichtet -, hat es nicht gegeben.» (awp/mc/ps/36)

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