Kunsthaus Aarau: Stilles Leben – Geschichten von Stummen Dingen

Der Bogen spannt sich dabei vom frühen 20. Jahrhundert mit Cuno Amiet bis in die Gegenwart mit Künstlern wie Fischli/Weiss.
Der Begriff Stillleben wurde im 17. Jahrhundert geprägt, als die Stilllebenmalerei sich grosser Popularität erfreute, doch die Tradition, ein Arrangement von stummen, unbeweglichen, ja leblosen Dingen künstlerisch wiederzugeben, reicht bis in die Antike zurück. Mittels Stillleben wurden über die Jahrhunderte unterschiedliche künstlerische Anliegen ausgedrückt – und die Bildgegenstände waren oft symbolisch aufgeladen oder sie dienten ästhetischen Studien zu Farbe und Form.


Die Ausstellung «Stilles Leben» setzt ein bei Cuno Amiet, der mit seinem Arrangement von Orangen ein klassisches Früchtestillleben malte. Die Objekte sind auf Amiets Bild nicht Bedeutungsträger, sondern Anlass für die malerische Recherche des passionierten Koloristen. Bei Fischli/Weiss hingegen werden die stummen Dinge durchaus auf ihre Geschichte und Bedeutung hin befragt. Ihre dreidimensionale Assemblage von banalen Gebrauchsgegenständen wie Gummistiefel und Bürste schafft zudem einen erweiterten Zugang zur Bildgattung des Stilllebens, der mit der Ausstellung angestrebt wird. Über die inhaltliche oder ästhetische Befragung stummer Dinge eröffnen sich spannende Zugänge zum vordergründig Unspektakulären.



Juwelen aus der hinteren Reihe


Die temporäre Sammlungsausstellung «Stilles Leben» bietet eine interessante Vertiefung in ein wichtiges Thema der Kunstgeschichte sowie überraschende Einblicke in die Sammlung des Aargauer Kunsthauses. Dem thematischen Faden folgend, führt die Präsentation bedeutende wie auch weniger bekannte Exponate zusammen. Bewusst werden neben den bedeutenden Werken auch solche einbezogen, die im Depot «in den hinteren Reihen» stehen und die noch kaum oder sogar noch nie gezeigt wurden. Ein dynamischer Umgang mit den reichen Beständen der Aargauer Kunstsammlung verspricht interessante Ausstellungserlebnisse, weshalb auch für die Zukunft weitere solcher Streifzüge durch die Sammlung geplant sind.


Cuno Amiet
Cuno Amiet, Stilleben mit drei Orangen, um 1907/08, Öl auf Leinwand, 54 x 59, 5 cm
Schenkung von Dr. Annie Zaugg, 1982, Aargauer Kunsthaus Aarau



Permanente Sammlungsausstellung


Das Aargauer Kunsthaus beherbergt eine der schönsten und umfassendsten öffentlichen Sammlungen von neuerer Schweizer Kunst. Wie nirgends sonst kann man ihr hier in ihrer grossen Vielfalt begegnen – vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart. Schwerpunkte im älteren Teil der Sammlung bilden Werkgruppen von Caspar Wolf, Johann Heinrich Füssli, Arnold Böcklin sowie die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts. Weiter bietet die Sammlung einen repräsentativen Überblick über die Geschichte der Schweizer Kunst des 20. Jahrhunderts, von der frühen Moderne bis zur abstrakten Kunst der Nachkriegszeit, vom künstlerischen Aufbruch der 1960er-Jahre bis in die Gegenwart.

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