Kunstmuseum Winterthur: Heiner Kielholz – Landschaften, Stilleben, Intérieurs

Seit der Biennale von São Paulo von 1971, als er zusammen mit Christian Rothacher die Schweiz vertrat, hat sich Heiner Kielholz auf eher inoffiziellen Wegen bewegt und abseits der zeitgenössischen Avantgarde ein ausserordentliches, sehr persönliches Werk geschaffen, das Innenschau und poetische Begegnung mit der Realität verknüpft. Begonnen hat dieses Werk Anfang der siebziger Jahre mit längeren Aufenthalten in der südlichen Toscana und in Rom, wo erste Aquarelle entstanden, die Landschaften und Gegenstände innig und präzise wiedergeben. Vorbilder dazu liessen sich in der figürlichen Malerei des 20. Jahrhunderts aufspüren; wichtige Anregungen fand Kielholz aber auch in der Dichtung. Parallel dazu schuf er imaginäre Darstellungen, die sich an Ornamentalem ebenso wie an Visionärem orientieren. Diese Werkstränge, deren innerer Zusammenhang bei der Betrachtung offensichtlich wird, setzte er in lockerem Rhythmus bis heute fort.



San Carlo: Wenn die Malerei und die Motive zu einem Ganzen werden.

Der Blick eines Reisenden: ganz langsam
1987 zeigte das Aargauer Kunsthaus einen ersten Werküberblick, 1997 folgte eine grössere Ausstellung im Zürcher Helmhaus. 2002 fand im Kunstmuseum Olten eine Ausstellung statt, die ausschliesslich den mit der Topographie von Kielholz? Reisen verbundenen Aquarellen gewidmet war. Es ging dabei nicht um die vor Ort gemalten Blätter, sondern um Arbeiten, in denen sich Eindrücke und Erinnerungen oft in abstrakter Form verdichten. Die vorliegende Ausstellung konzentriert sich dagegen auf die vor dem Motiv gemalten, realistischen Arbeiten. So steht zu Beginn eine Gruppe von Aquarellen aus den siebziger Jahren, gefolgt von Aquarellen aus den letzten Jahrzehnten. Den Hauptteil der Ausstellung bestreiten jedoch die seit 1981 entstandenen Gemälde, die nicht nur auf ausgedehnten Reisen in Südosteuropa, sondern auch während des Lebens in Norditalien, im Fricktal und im Puschlav entstanden sind. In diesen subtil gemalten Bildern erfahren die Motive eine eindrückliche Verdichtung und Verinnerlichung, die aus dem Alltäglichen Sinnbildliches macht. Ein grosser Teil dieser Werke wurde bisher noch nie ausgestellt.


Ausstellung und Katalog konnten mit Unterstützung der Karl und Sophie Binding-Stiftung realisiert werden, im Rahmen ihres Programms Binding ? Sélection d?Artistes zur Förderung zeitgenössischer Schweizer Künstler. Einen weiteren wichtigen Beitrag leistete das Kuratorium des Kantons Aargau. (kw/mc/th)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.