Lanxess stellt sich auf schwächere Nachfrage ein

Dies sagte Konzernchef Axel Heitmann am Donnerstag. Dem will er mit einem aktiven Management der Anlagenauslastung sowie mit weiteren Effizienzsteigerungen begegnen. Die Massnahmen seien zunächst aber «lokal begrenzt» und «temporär». Auf Absatz-Förderprogramme will er hingegen verzichten. Bei einer weiteren Zuspitzung der Lage seien zusätzliche Massnahmen aber denkbar. Lanxess sei gut gerüstet, um die Profitabilität auch in einem ungünstigeren wirtschaftlichen Umfeld auf einem hohen Niveau zu halten.


Prognose erhöht
«Nach einem sehr erfolgreichen dritten Quartal können wir unsere Ergebnisprognose anheben», sagte Heitmann. Er stellte nun ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (EBITDA) sowie vor Sonderposten zwischen 710 und 730 Millionen Euro in Aussicht. Bisher hatte er nur 700 Millionen Euro veranschlagt. 2007 waren inklusive des abgegebenen Lustran-Geschäfts 719 Millionen Euro erwirtschaftet worden. Der Umsatz dürfte 2008 weiterhin operativ zulegen. Und auch trotz der zunehmenden Belastungen sei auch unter dem Strich ein Gewinnanstieg zu erwarten. 2007 hatte der Konzern unter dem Strich 112 Millionen Euro erwirtschaftet.


Drittes Quartal überraschend robust
Im dritten Quartal steigerte die MDAX-Gesellschaft insbesondere dank massiver Preiserhöhungen das EBITDA vor Sondereinflüssen um 9,1 Prozent auf 191 Millionen Euro, während der Umsatz um 6,4 Prozent auf 1,814 Milliarden Euro zulegte. Die befragten Experten hatten sowohl bei Umsatz als auch beim operativen Ergebnis Rückgänge erwartet. Die an der EBITDA-Marge gemessene Profitabilität kletterte auf 10,5 (10,3) Prozent. Preiserhöhungen (+13,9%) hätten etwas geringere Mengen (-0,3) und negative Wechselkurseffekte (-4,0) wettgemacht. Währungs- und portfoliobereinigt ergab sich ein kräftiges Wachstums von 13,6 Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern (EBIT) und vor Sondereinflüssen kletterte um 6,3 Prozent auf 119 Millionen Euro. Auch hier wurden die Erwartungen übertroffen. Unter dem Strich blieb Lanxess aber hinter den Erwartungen zurück. Der Überschuss sank deutlich auf 56 (75) Millionen Euro. Grund für den Rückgang war der Gesellschaft zufolge ein schwächeres Finanzergebnis.


Aktie legt zu
Die Börse quittierte den Quartalsbericht mit leichten Kursaufschlägen. Die Aktien legten in einem schwächeren Marktumfeld um 0,79 Prozent auf 12,76 Euro zu. Damit gab die Aktie gleichwohl einen Grossteil ihrer anfänglichen Kursgewinne wieder ab. Der MDAX büsste unterdessen 0,49 Prozent auf 5.318,96 Punkte ein. Die Zahlen hätten abgesehen vom Überschuss über den Erwartungen gelegen, sagte ein Händler. Zudem habe der Spezialchemiekonzern auch das Gesamtjahresziel für den operativen Gewinn angehoben. Auch Commerzbank-Analyst Stephan Kippe zeigte sich positiv überrascht. Als Haupttreiber habe sich die starke Preismacht im Geschäft mit synthetischen Kautschuken und Kunststoffen (Performance Polymers) erwiesen. Angesichts der guten Entwicklung im dritten Quartal weise der gegebene Ausblick aber auf die Erwartung einer deutlicheren Abschwächung im vierten Quartal hin.


Kein Ausblick für 2009
Für den Rest des Jahres sei von einer weiteren Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums auszugehen, hiess es. Insbesondere für Nordamerika und Westeuropa dürfte sich die Konjunktur weiter eintrüben. Vor allem in der Automobilindustrie und im Bausektor schlägt die Wirtschaftsschwäche durch. Die globale Abschwächung der Konsumausgaben dürfte auch die Entwicklung in den Wachstumsregionen (Asien/Pazifik, Mittel- und Osteuropa sowie Lateinamerika) dämpfen. Bei den Rohstoffkosten sei erst 2009 mit einer Entlastung zu rechen, während die Energiekosten im vierten Quartal weiter steigen sollten. Unverändert halte der Konzern an den Zielen fest, 2008 die durchschnittliche EBITDA-Marge der Wettbewerber zu erreichen, keinen Geschäftsbereich mit einer EBITDA-Marge von unter fünf Prozent zu betreiben und sein Investment-Grade-Rating beizubehalten. Für das kommende Jahr hielt sich Heitmann bedeckt. Ein Ausblick werde wie auch in den Vorjahren erst im Frühjahr 2009 gegeben.


Synthetische Kautschuke und Kunststoffe Hauptergebnistreiber
Ergebnistreiber im dritten Quartal war auch wegen der am Markt durchgesetzten Preiserhöhungen das Geschäft mit synthetischen Kautschuken und Kunststoffen (Performance Polymers). Hier kletterte das EBITDA vor Sonderposten um mehr als ein Drittel auf 127 Millionen Euro, während der Umsatz auch bedingt durch Petroflex um 40,6 Prozent auf 938 Millionen Euro stieg. Die Integration des brasilianischen Kautschukherstellers Petroflex liege weiter im Plan. Die anderen zwei Geschäftsbereiche mit Basis- und Feinchemikalien (Advanced Intermediates) sowie organischen Farbmitteln (Performance Chemicals) verzeichneten hingegen bei höheren Umsätzen leichte Ertragsrückgänge. (awp/mc/ps/18)

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