Lufthansa macht AUA-Übernahme perfekt – Erst Sanierung, dann Wachstum

Unter dem Dach der Lufthansa soll die AUA nun schnellstmöglich profitabel werden und den Boden für künftiges Wachstum schaffen. «Es ist ein Dreiklang: Abbau, Umbau, Aufbau», sagte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber am Donnerstag anlässlich der Unterzeichnung der Übernahmeverträge in Wien. Derzeit kämpft die Lufthansa angesichts der Wirtschaftskrise allerdings selbst mit roten Zahlen.


AUA soll weiter Langstrecke fliegen
Mayrhuber kündigte an, das Langstreckenangebot der AUA erhalten zu wollen. Genauere Angaben zum künftigen Streckennetz sollen jedoch erst in den kommenden Wochen bekanntgegeben werden. Für das kommende Jahr peilt der Lufthansa-Chef bei der AUA einen positiven Cashflow an. So schnell wie möglich solle die schwächelnde Airline auch ihre Kapitalkosten verdienen und einen operativen Gewinn erzielen. Im ersten Halbjahr 2009 hatte sie noch einen Verlust von 166,6 Millionen Euro eingeflogen.


Mayrhuber: Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Swiss und bmi
«Die AUA hat kein Produktproblem, sie hat ein Kostenproblem», sagte Mayrhuber. «Wir wollen arbeiten, um aus der Verlustzone nach oben zu kommen.» Derzeit gehe es darum, an den Stationen am Boden in aller Welt die Kräfte zusammenzulegen und die möglichen Synergien zu erzielen. Dabei gehe es nicht nur um die AUA und die Lufthansa selbst, betonte der für die Verbund-Airlines zuständige Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer. Auch mit der Swiss und der jüngst übernommenen britischen bmi gebe es Möglichkeiten zur Zusammenarbeit.


Die Sparmassnahmen sollen nach Darstellung der AUA kein Selbstzweck sein. «Wir dürfen erst wieder wachsen, wenn das Unternehmen operativ profitabel ist», sagte AUA-Vorstand Andreas Bierwirth. Daher sei ein operativer Gewinn auch Grundlage für künftige Perspektiven.


Vertrag unterzeichnet
Vertreter beider Airlines und der österreichischen Staatsholding ÖIAG hatten zuvor die Übernahmevereinbarung unterzeichnet. Die ÖIAG verkauft ihre Anteile von rund 42 Prozent der Fluggesellschaft komplett an die Lufthansa. Die Kleinaktionäre der AUA erhalten 4,49 Euro je Anteilsschein. Eigenen Angaben zufolge verfügt die Lufthansa inzwischen über mehr als 90 Prozent der AUA-Aktien und kann die verbleibenden Kleinaktionäre aus dem Unternehmen herausdrängen.


Altlasten von 1,5 Mrd. Euro und Maximalzahlung von 382 Mio. Euro
Die Lufthansa übernehme Altlasten in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro, sagte der Chef der österreichischen Staatsholding ÖIAG, Peter Michaelis. 500 Millionen Euro schiesst die österreichische Regierung dazu. Der deutsche Konzern zahlt für die AUA maximal 382 Millionen Euro. Ein grosser Teil der Summe ist aber nur dann fällig, wenn sich die erwarteten wirtschaftlichen Erfolge einstellen. Die Transaktion war Ende August von den EU-Wettbewerbshütern genehmigt worden, allerdings unter der Auflage, dass die Airline Start- und Landerechte an Mitbewerber abgibt.


Die Lufthansa-Aktie legte im Tagesverlauf deutlich zu und lag am frühen Nachmittag mit 2,26 Prozent im Plus bei 10,88 Euro. AUA-Papiere wurden mit 4,46 Euro (plus 1,83 Prozent) noch knapp unter dem Preis gehandelt, den die Lufthansa den Streubesitz-Aktionären bezahlt. (awp/mc/pg/13)

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