Madoff bekennt sich vor Gericht schuldig

Zu den Geschädigten gehörten «Einzelpersonen, Stiftungen, Pensions- und Hedge-Fonds», sagte er. Der Richter akzeptierte das Schuldbekenntnis. Viele Opfer waren am Donnerstag vor das Gerichtsgebäude in Manhattan gezogen.


Elf Anklagepunkte
Der Finanzjongleur ist in elf Punkten angeklagt, ihm drohen deshalb bis zu 150 Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Wertpapierbetrug, Geldwäsche und Meineid vor. Madoff räumte überdies ein, die US-Börsenaufsicht SEC mit falschen Informationen gefüttert zu haben. Richter Denny Chin wies Madoff darauf hin, dass es für ihn keine Möglichkeit für eine Bewährung gibt. Das Strafmass soll am 16. Juni bekanntgegeben werden.


4800 Kunden
Madoffs Wall-Street-Investmentfirma hatte US-Medienberichten zufolge Ende November 4’800 Kunden und eine Bilanzsumme von rund 64,8 Mrd USD ausgewiesen, hiess es. In Wirklichkeit sei nur ein Bruchteil dieses Betrags vorhanden gewesen. Es ist der mit Abstand grösste Betrug der Wirtschaftsgeschichte.


Nur noch einige hundert Millionen Dollar vorhanden
Die Behörden kündigten an, Madoffs Vermögen bis zu einer Summe von 170 Mrd USD beschlagnahmen zu wollen. Der Betrag ergibt sich aus dem angerichteten Schaden und dürfte nicht annähernd zu holen sein: Nach Angaben des Finanzjongleurs vom Dezember waren nur noch einige hundert Millionen Dollar vorhanden. Laut Anklage versprach Madoff seinen Investoren Zinsen von bis zu 46%.


Das «Wall Street Journal» hatte unter Berufung auf Rechtsexperten berichtet, es sei wahrscheinlicher, dass Madoff nicht zu 150, sondern eher zu etwa 20 Jahren Haft verurteilt werde – was in seinem Alter faktisch lebenslang bedeuten würde.


Schaden laut Madoff bei rund 50 Mrd. Dollar
Madoff selbst hatte den Schaden vor der Festnahme im Dezember auf 50 Mrd USD beziffert. Der einstige Verwaltungsratschef der Technologiebörse NASDAQ hatte das «Schneeball-System» seit den 80er Jahren betrieben. Bei einem Schneeball-System werden die Gewinne früher Investoren mit dem Geld immer neuer Anleger bezahlt. Madoffs Betrugsmaschine soll zusammengebrochen sein, als unter dem Druck der Finanzkrise immer mehr Kunden ihr Geld zurückforderten.


Anleger weltweit betroffen
Die Ausfälle trafen Anleger weltweit, auch in Europa. In den USA zählen auch einige Prominente wie Hollywood-Regisseur Steven Spielberg zu Madoffs Opfern. Bisher wurden nach offiziellen Angaben etwa 940 Mio USD sichergestellt, die unter den Investoren aufgeteilt werden könnten. Während Madoff behauptet, im Alleingang gehandelt zu haben, soll die Staatsanwaltschaft davon überzeugt sein, dass er Komplizen hatte. Laut Medienberichten fand sie zwei Mitarbeiter, die für ihn Belege gefälscht haben sollen. Ihnen soll für die Aussage Straffreiheit zugesichert worden sein. (awp/mc/pg/29)

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