Moody’s: BP reisst Ölbranche in die Tiefe – Fitch senkt BP-Rating

Es könne bis zu zwei Jahre dauern, bevor Produzenten, die Betreiber von Bohrinseln und Dienstleister an das Ausmass ihrer Tiefsee-Aktivitäten vor der Explosion am 20. April mit elf Toten anknüpfen können.


Weltweite Konsequenzen
Der Unfall könne weltweite Konsequenzen nach sich ziehen, heisst es in dem Bericht der Ratingagentur weiter. Staaten könnten die neuen, schärferen US-Standards für Bohrungen vor der Küste übernehmen oder anpassen. US-Präsident Barack Obama hatte bereits eine sechsmonatige Sperre für Tiefseebohrungen an neuen Ölquellen verhängt. Die Sperre sei eine Unsicherheit für die Branche, auch nach Ablauf der Frist.


Wachstum der Ölförderung droht sich zu verlangsamen
Das Wachstum der weltweiten Ölförderung droht sich laut Moody’s zu verlangsamen. Neben strengeren Regeln müsse die Branche womöglich mit höheren Kosten für Versicherung, Mieten von Bohrinseln und modernerer Technik rechnen. Kleinere Firmen könnten ihre Aktivitäten im Golf ganz einstellen, falls Tiefseebohrungen länger untersagt werden sollten oder das weitere Risiko dann zu hoch sein sollte.


Fitch senkt BP um sechs Stufen auf ‹BBB› – fast Ramsch
Die Ratingagentur Fitch hat währenddessen die Bewertung der BP-Kreditwürdigkeit kräftig um sechs Stufen gesenkt. BP wurde von «AA» auf «BBB» abgestuft, wodurch die Kreditwürdigkeit nur noch um eine Stufe über Ramschniveau eingeschätzt wird. Grund dafür ist laut einer Mitteilung die zunehmende Sorge vor den katastrophalen finanziellen Konsequenzen nach der Ölpest im Golf von Mexiko. Die Ratingagentur hatte die Kreditwürdigkeit erst vor zwei Wochen schon einmal gesenkt. Damit wird es für den Konzern bedeutend teurer, sich Geld zu leihen.


Die Ölpest nimmt für BP immer drastischere Ausmasse an. US-Politiker forderten von den Briten, 20 Milliarden Dollar (derzeit 16 Mrd Euro) in einen Fonds für die Säuberung der US-Küste zu zahlen. Forscher rechneten zudem mit einem deutlich höheren Auslaufen von Öl ins Meer, als BP es bislang angegeben hatte. Die Kosten für Säuberung und Schadensersatz summierten sich laut Fitch auf zuletzt sechs Milliarden Dollar. Hinzu kommen womöglich auch Bussgelder in Höhe von bis zu acht Milliarden Dollar. Die Klärung der langfristigen Forderungen könnte Jahrzehnte dauern, ähnlich wie nach der Ölpest, die der Tanker Exxon Valdez vor Alaska im Jahr 1989 ausgelöst hatte.


Die Marktführer Exxon, Shell, Chevron und ConocoPhillips werfen BP vor, dass die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko «vermeidbar» gewesen sei. Am Dienstag wollten sie dazu vor dem US-Kongress aussagen. Am Donnerstag soll dort BP-Chef Tony Hayward Platz nehmen. (awp/mc/pg/18)

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