Munich Re dämpft Erwartungen für 2009

Niedrige Zinsen und drohende Winterstürme trüben die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate. Zum Handelsstart rutschte das Papier des Dax-Konzerns um 1,56 Prozent auf 105,70 Euro ab. Börsianer nahmen die Nachrichten unterschiedlich auf. Während sich ein Händler von den vorgelegten Quartalszahlen angenehm überrascht zeigte, hob ein zweiter die leicht gesenkte Gewinnerwartung als eher negativ hervor.


Unter dem Strich enttäuscht
Im dritten Quartal verdiente die Munich Re trotz eines überraschend hohen operativen Gewinns und eines stark verbesserten Kapitalanlageergebnisses unter dem Strich weniger als erwartet. Auf die Aktionäre des Konzerns entfiel ein Gewinn von 644 Millionen Euro, nach einem Verlust von 3 Millionen ein Jahr zuvor. Analysten hatten allerdings mit einem Gewinn von 705 Millionen Euro gerechnet.


Operativer Gewinn verdreifacht
Im operativen Geschäft legte die Munich Re ein Jahr nach dem Lehman-Schock deutlich zu. Der operative Gewinn verdreifachte sich im Vergleich zum Vorjahr auch wegen ausgebliebener Naturkatastrophen auf 1,2 Milliarden Euro. Dank der Erholung an den Finanzmärkten fiel auch das Kapitalanlageergebnis mehr als dreimal so hoch aus wie ein Jahr zuvor. Die Bruttoprämieneinnahmen wuchsen durch die Übernahme der früheren AIG-Sparte Hartford Steam Boiler (HSB) um fast zwölf Prozent auf 10,4 Prozent.


Rückversicherung legt zu
Die Verbesserung im operativen Geschäft verdankt der Konzern ausschliesslich der Rückversicherungssparte, die nach dem Krisenquartal des Vorjahres ihren operativen Gewinn auf nahezu eine Milliarde Euro steigerte – fast siebenmal so viel wie ein Jahr zuvor. Die Erstversicherungstochter Ergo , zu der Marken wie Hamburg Mannheimer, Victoria und die KarstadtQuelle-Versicherungen zählen, verdiente operativ mit 226 Millionen Euro rund sechs Prozent weniger als im Vorjahresquartal.


Redniteziel 2009 in Griffweite  
«Wenn das Geschäftsjahr 2009 so erfreulich zu Ende geht, können wir sogar unser hochgestecktes Ziel einer Rendite von 15 Prozent nach Steuern auf das risikoadjustierte Eigenkapital erreichen», sagte Finanzvorstand Jörg Schneider. Belastungen erwartet das Management unterdessen von dem niedrigen Zinsniveau an den Kapitalmärkten. Nachdem die Kapitalanlagen des Konzerns von Januar bis September eine Rendite von 4,3 Prozent abwarfen, dürfte sie zwar auch im Gesamtjahr noch über der Marke von 4 Prozent liegen, hiess es. In den Folgejahren rechnet der Vorstand allerdings mit Werten von «spürbar» unter dieser Schwelle.


Stürme drohen
Unterdessen könnte sich die bislang erfreuliche Grossschaden-Bilanz noch vor Jahresende verschlechtern. Im dritten Quartal hatte die Munich Re nur Schäden von knapp 100 Millionen Euro zu begleichen, davon etwa drei Viertel infolge des Sturms Xystus in Mitteleuropa. Die Wirbelsturmsaison sei allerdings noch nicht vorbei, gab die Konzernführung zu bedenken. Im November und Dezember könnten noch Winterstürme wüten, etwa in Nordeuropa. Die Wirtschaftskrise machte sich unterdessen weiter in der Kredit- und Kautionsversicherung bemerkbar. Die Belastungen beliefen sich dort seit Jahresbeginn auf 343 Millionen Euro – bis zur Jahresmitte waren es noch 217 Millionen Euro gewesen. (awp/mc/ps/09)

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