Nokia sieht erste Lichtblicke nach dramatischem Einbruch

Konzernchef Olli-Pekka Kallasvuo betonte, die Entwicklung der Nachfrage sei mittlerweile besser einzuschätzen. Im laufenden zweiten Quartal will er mehr Mobiltelefone unters Volk bringen als in den ersten drei Monaten.


Umsatz im Jahresvergleich um einen Viertel zurückgegangen
Im ersten Quartal hatte die Krise Nokia schwerer erwischt als die Konkurrenz. Die Verkäufe waren eingebrochen, die Preise weiter ins Rutschen gekommen und der Marktanteil gesunken. Der Umsatz ging binnen eines Jahres um ein Viertel auf 9,27 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis schmolz in der Folge von 1,53 Milliarden auf lediglich noch 55 Millionen Euro zusammen. Pro Aktie verdiente Nokia mit 0,03 Euro gerade mal ein Zehntel des Vorjahreswerts.


Aktie steigt nach bereits pessimistischen Erwartungen
Mit seinen Zahlen unterbot Nokia selbst die bereits pessimistischen Erwartungen der Analysten. Dennoch stieg die Aktie angesichts der Hoffnung auf Besserung bis zum Mittag um 8,69 Prozent auf 11,010 Euro. Befeuert wurde die Entwicklung auch von der bestätigten Jahresprognose.


Nokia-Chef Kallasvuo geht weiterhin davon aus, dass alle Hersteller zusammen bis zum Dezember rund 10 Prozent weniger Mobiltelefone verkaufen werden, Nokia den eigenen Marktanteil aber steigern kann. In den ersten drei Monaten hatte der Branchenprimus hier noch einstecken müssen. Binnen eines Jahres sank der Marktanteil von 39 auf 37 Prozent. Verglichen zum bereits trüben Vorquartal blieb der Wert indes weitgehend stabil.


Handy-Preise sinken weiter
Mit 93 Millionen Mobiltelefonen verkaufte Nokia im ersten Quartal fast ein Fünftel weniger Geräte als in den Vorperioden. Dabei bekamen die Finnen im Schnitt nur noch 65 Euro je Handy nach 71 Euro vor drei Monaten und 79 Euro vor einem Jahr. Grund ist der höhere Anteil von Billighandys, die eigentlich für die Schwellenländer bestimmt sind, sich aber angesichts der Wirtschaftsflaute auch in den Industriestaaten ausbreiten.


Bereits im Schlussquartal des vergangenen Jahres hatte Nokia kräftig Federn lassen müssen, weil die Verbraucher mit der Neuanschaffung eines Mobiltelefons zögerten und die Händler zuerst einmal ihre Lager abverkauften. Mit der Schliessung von Standorten, der Drosselung der Produktion und Stellenstreichungen versucht Nokia, die Auswirkungen der Krise in Grenzen zu halten.


Verluste bei NSN und Navteq
Während der Konzern mit seinen Handys und den dazugehörigen Dienstleistungen aber noch Geld verdient, schreiben das Ausrüstergeschäft Nokia Siemens Networks (NSN) und die Navigationssparte NAVTEQ weiter Verluste. Die Gemeinschaftsfirma NSN verfünffachte das Minus binnen eines Jahres auf 361 Millionen Euro, der noch junge Zukauf NAVTEQ verlor 120 Millionen Euro. Die Aussichten für NSN haben sich zudem eingetrübt: Nokia rechnet damit, dass das branchenweite Geschäft mit Mobilfunk- und Festnetz-Anlagen in diesem Jahr um 10 Prozent nachgibt. Bislang hatte der Konzern nur ein halb so grosses Abrutschen erwartet. (awp/mc/pg/21)

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