Ölpreis beschleunigt Rekordjagd – US-Lagerdaten enttäuschen

Am Morgen hatte der Ölpreis erstmals die Marke von 130 US-Dollar übersprungen. Die Sorge vor einer weiter steigenden Nachfrage bei möglichen Versorgungsengpässen treibt den Ölpreis nach Einschätzung von Experten derzeit unaufhörlich an. Am späten Nachmittag wurde ein Barrel der US-Sorte mit 131,67 Dollar gehandelt. Das waren 2,69 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Auch an der Börse in London sprang der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent auf ein neues Rekordhoch. Hier kostete ein Barrel zeitweise 131,57 Dollar und damit so viel wie noch nie.


US-Rohöl-Bestände gehen überraschend zurück
Händler begründeten den jüngsten Schub mit enttäuschenden Lagerdaten aus den USA. In den USA gingen die Bestände an Rohöl in der vergangenen Woche überraschend zurück. Die Rohölvorräte sanken nach Angaben des US-Energieministeriums um 5,4 Millionen Barrel auf 320,4 Millionen Barrel. Ökonomen hatten hingegen mit einem Anstieg um 0,7 Millionen Barrel gerechnet. Auch die Entwicklung bei den Benzinbeständen enttäuschte die Erwartungen mit einem Rückgang um 0,8 Millionen Barrel auf 209,4 Millionen Barrel. Experten hatten nur einen leichten Rückgang um 0,2 Millionen Barrel erwartet. Die Bestände an Heizöl und Diesel (Destillate) blieben mit einem Zuwachs um 0,7 Millionen Barrel auf 107,8 Millionen Barrel ebenfalls hinter den Markterwartungen zurück.


«Der Ölpreis steigt, weil er steigt.»
«Der Ölpreis steigt, weil er steigt.» So beschreibt der Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank fast schon etwas resignierend das Geschehen am Ölmarkt. «Jeder noch so kleine Anlass wird genutzt, neue Höchststände zu markieren.» Als Hauptgründe für den aktuellen Anstieg nennen Experten immer wieder die Sorge vor einer weiter steigenden Nachfrage nach Rohöl auf den Weltmärkten und möglichen Versorgungsengpässen.


Nachrichten für fallenden Ölpreis werden ignoriert
Dagegen würden alle Nachrichten, die auf einen fallenden Ölpreis hindeuten könnten, schlicht ignoriert, schreibt Experte Weinberg in einer Studie. Geradezu «symptomatisch» sei die Reaktion der Ölmärkte auf die Meldung des Iraks über unerwartet hohe Reserven zu Beginn der Woche. Es habe nämlich gar keine Reaktion gegeben. Im Rahmen des Weltwirtschaftsforums zum Mittleren Osten hatte der Irak bekanntgegeben, dass die Öl-Reserven im Land über 350 Milliarden Barrel betragen könnten. Dies würde den Irak an der Spitze der Liste der ölreichsten Länder positionieren.


Fondsgesellschaften treiben Ölpreise auf immer neue Höchstwerte
Aber auch Spekulationen heizen die Rekordjagd an den Ölmärkten an. So werde der Ölpreis beispielsweise von grossen Fondsgesellschaften auf immer neue Höchstwerte getrieben, sagte der Rohstoffexperte Tony Nunan vom japanischen Mischkonzern Mitsubishi. «Die finanzstarken Investoren greifen in der Hoffnung auf weiter steigende Preise zu.» Zudem hätten eine Reihe von höheren Ölpreisprognosen führender Banken die Kauflaune weiter angeheizt, sagte David Moore von der Commonwealth Bank of Australia. (awp/mc/pg)

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