Opel droht die Schliessung eines Werkes – Einschnitte zu gering

Der Modellwechsel beim Astra könnte nach Worten von Opel-Chef Hans Demant das Aus für eine europäische Produktionsstätte des Mutterkonzerns General Motors (GM) bedeuten. «Nach der gegenwärtigen Planung sieht es aus, als bräuchten wir in Zukunft weniger Werke», sagte Demant auf dem Autosalon in Genf der «Financial Times» (Mittwochausgabe). Der Astra wird derzeit in vier Werken – in Bochum, im britischen Ellesmere Port, im polnischen Gleiwitz und im belgischen Antwerpen – gebaut.


Umfassendes Restrukturierungsprogramm
General Motors hatte vor einem Jahr seiner verlustreichen Tochter Opel und der schwedischen Tochter Saab ein umfassendes Restrukturierungsprogramm verordnet. Bei GM in Europa fielen insgesamt 12.000 Stellen weg – das war fast ein Fünftel der Belegschaft. Diese Einschnitte seien «wahrscheinlich nicht tief genug» gewesen, sagte der Opel-Chef. Weitergehende Schritte habe man aus Furcht vor destruktiven Streiks vermieden. Bei Opel ist der grösste Teil des Stellenabbaus über Altersteilzeit und Abfindungen bereits vollzogen, und das Programm gilt als abgeschlossen.


Tiefste Einschnitt in der Nachkriegsgeschichte von GM Europa
Beim Opel-Gesamtbetriebsrat stiessen die Äusserungen auf scharfe Kritik. «Das Programm war der tiefste Einschnitt in der Nachkriegsgeschichte von GM Europa», sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz. «Wir werden darüber hinaus keinen weiteren Arbeitsplatzabbau und schon gar nicht Werksschliessungen in Europa zulassen.»


Wir müssen womöglich das eine oder andere Werk schliessen»
GM-Europachef Carl-Peter Forster sagte der Zeitung, über die Zahl der Produktionsstätten des Astra werde im Laufe des Jahres entschieden. «Wir müssen womöglich das eine oder andere Werk schliessen, aber das heisst nicht notwendig, dass wir alles in den Osten verlagern.» General Motors Europe relativierte am Mittwoch in Zürich die Vorstands-Aussagen und erklärte Berichte über bedrohte Werke als «hochspekulativ». «Der aktuelle Astra hat weiterhin Erfolg im Markt», teilte der Autobauer mit. Wo die neue Generation des Astra gebaut werde, sei noch offen – dieses Modell werde aber erst 2009 oder 2010 in die Produktion gehen. Klar sei, dass GM in Europa trotz erster Erfolge seine Qualität und Produktivität verbessern müsse.


Neue Unruhe
Das Management bringt damit neue Unruhe in die Opel-Belegschaft. Der Bochumer Betriebsrat bangt seit Wochen um den Abbau einer kompletten Astra-Schicht an einem der europäischen Astra- Produktionsstandorte. Betroffen wären 1.000 Mitarbeiter, sagte der Bochumer Betriebsratsv orsitzende Rainer Einenkel. Der Autobauer hatte dies dementiert. «Die Restrukturierung ist weitgehend umgesetzt, es gibt keine neuen Pläne», hiess es in Rüsselsheim. 2005 seien in Europa 515.000 Astra neu zugelassen worden nach 403.000 in 2004. «Der Rückgang der Kapazitäten liegt noch in weiter Zukunft», sagte ein Sprecher am Mittwoch.


«Zutiefst schädlich» für die Marke
Die Europäischen Arbeitnehmervertreter aller vier Astra-Standorte kritisierten die Äusserungen vehement. «Werksschliessungen oder eine ungleiche Produktionsverteilung zwischen den Standorten werden wir nicht akzeptieren», schrieben sie in einer gemeinsamen Stellungnahme. Betriebsratschef Klaus Franz nannte die Äusserungen Demants und Forsters «zutiefst schädlich» für die Marke Opel. Das Management von General Motors solle alle Kreativität auf den Verkauf der Produkte von Opel, Vauxhall und Saab konzentrieren.


Forderung des Betriebsrates abgelehnt
Demant lehnte die Forderung des Betriebsrates ab, die Produktion in allen vier Werken gleichmässig zu reduzieren, wenn der Astra-Absatz zurückgehe, um die Lasten auf alle zu verteilen. «Den Schmerz gleich zu verteilen, hilft nicht wirklich», sagte der Opel-Chef, weil die Fixkosten gleich blieben. Derzeit erfüllten weder das Opel-Werk in Bochum noch Ellesmere Port das angestrebte Produktivitätsniveau. Aber die Werksleitung in Grossbritannien zeige mehr Entgegenkommen als früher. (awp/mc/gh)

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