Paul Cézanne: Selbstbildnis mit Palette







Weitere Bilder von Paul Cézanne in der Sammlung Bührle

Unter den etwa fünfundzwanzig Selbstbildnissen des Künstlers, die von den frühen Jahren bis in die Spätzeit reichen, nimmt das «Selbstbildnis mit Palette» einen besonderen Rang ein. Während alle anderen Gemälde Köpfe und Brustbilder sind, ist dies das einzige Halbfigurenbild. Es übertrifft die anderen Bildnisse des Künstlers auch an Grösse.
Der Künstler steht aufrecht vor der Staffelei, die mit der auf Keilrahmen gespannten Leinwand das Bild rechts schräg verspannt, in der Rechten hält er die Palette, deren liegendes Rechteck zur unteren und linken Bildkante nahezu parallel verläuft und formverbindend die Grenzlinie des rechten Armes fortsetzt. Hierdurch strebt der Künstler eine besonders strenge Gestaltung an, die durch die farbliche Beschränkung auf das Dunkelblau des Rockes, fortgesetzt in dem Blauschwarz des Bartes, und die sandfarbenen Töne der Haut und der Staffelei noch unterstützt wird. Menschlich stellt es den Künstler dar, der sich durch seine überragende Leistung von der Umwelt isoliert hat und nun in kühler, einsamer Luft selbstkritisch nur seinem Werk lebt.


Selbstbildnis mit Palette, Öl auf Leinwand. 92.5 x 73 cm, Entstanden 1884.

In engster Beziehung zu diesem Bild und als Vorstudie zu werten ist eine Zeichnung aus den drei Skizzenbüchern des Künstlers: dieselbe Haltung des Kopfes in Dreiviertelansicht nach rechts, ganz übereinstimmend die Augenpartie mit dem scheinbar etwas größeren, schräg gestellten rechten Auge und den hochgezogenen Brauen; demgegenüber das Bild im Vergleich zur Zeichnung deutlich in der Tendenz zur Verschleifung aller individuell naturalistischen Formen des Haupt-und Barthaares. Auch die Zeichnung des Skizzenbuches, mehr en face gesehen, gehört in diesen Zusammenhang.





Biografisches:
1859 Studium der Jurisprudenz in Aix. Jugendfreundschaft mit Zola. 1861 Malstudium in Paris, zunächst an der Académie Suisse. Im gleichen Jahr als Angestellter der väterlichen Bank in Aix. 1862 wieder in Paris. Endgültige Hinwendung zur Malerei. 1865 Bekanntschaft mit Manet. 1870 in L?Estaque. 1873 in Auvers-sur-Oise, von Pissarro beeinflusst. Abwechselnd in L?Estaque, Pontoise, Aix und Auvers tätig. Seit 1882 vorwiegend in Aix lebend. (sb/mc/th)






Sammlung Bührle , Zollikerstrasse 172
Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonntag, 14 – 17 Uhr

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