Peter Pauli, CEO Meyer Burger

von Christa Spoerle


Herr Pauli, Meyer Burger konnte 2008 Umsatz und Gewinn mehr als verdoppeln. Trotz dieser glänzenden Leistung zeigten Sie sich für 2009 sehr zurückhaltend, was ist der Grund?


Das sehr erfolgreiche und für die Meyer Burger Rekord-Jahr 2008 ist das Resultat des weltweiten Wachstums der noch sehr jungen Solarindustrie. Durch die weltweite Bankenkrise wurden die Mittel zur Finanzierung von bereits geplanten Investitionsprojekten zum Bau von Solarkraftwerken nicht mehr bereit gestellt. Unseren Kunden sind so innert kürzester Zeit bestehende und geplante Projekte gestoppt worden. Wir haben diese Entwicklungen dank unserer engen Kundenbeziehung früh und rasch erkannt und entsprechende Massnahmen eingeleitet, um unsere Produktionskapazitäten diesem neuen Marktumfeld anzupassen. Diese neue Marktsituation und die möglichen Konsequenzen daraus sind der Grund, warum wir das Jahr 2009 mit Respekt und Vorsicht in bezug auf die weiteren Entwicklungen einschätzen.


Die erste Phase der Kurzarbeit in Thun hat Ende Mai geendet, konnten Sie damit ihre Produktionskapazitäten der Auslastung genügend anpassen?

Mit Einführung der Kurzarbeit per Ende Februar 2009 für die Bereiche der Produktion, Montage und Logistik ist es uns gelungen, die kurzfristig entstandenen Überkapazitäten aufgrund der erfahrenen Verschiebungen von geplanten Maschinenlieferungen unserer Kunden aus dem asiatischen Markt etwas abzudämpfen. Aufgrund von Regularien kann ein Unternehmen in einer ersten Anmeldung bis zu 3 Monate Kurzarbeit beantragen. In einer zweiten Phase dann bis zu 6 Monaten. Da sich das weltweite wirtschaftliche Umfeld ? im speziellen die Situation der grossen internationalen Bankeninstitute – seither nicht wesentlich erholt hat, haben wir die die Kurzarbeit wie vorgesehen um weitere 6 Monate verlängert.

Welche Regionen bereiten Ihnen Kopfschmerzen, wo läuft es erfreulich?


Wir können heute in keiner Region von einer ?erfreulichen? Situation sprechen. Die Finanz- und Kreditkrise hat in allen Märkten – ob Asien, Europa oder Amerika ? ihre Spuren hinterlassen. In einem solch schwierigen Umfeld ist eine so junge Industrie wie die Solartechnologie entsprechend stark betroffen. Wir sind aber davon überzeugt, dass gerade die Solarindustrie innerhalb der gesamten Industrie von erneuerbaren und alternativen Energietechnologien aufgrund der weltweit geführten Energiedebatten und den beschlossenen Konjunkturförderprogrammen als erste davon profitiert. Kopfschmerzen bereitet uns keine Region; wir haben die Herausforderungen zu bewältigen.


Liegt denn das mittelfristige Margenziel  von 13-15% 2009 überhaupt noch in Reichweite?


Zum heutigen Zeitpunkt und im aktuellen Wirtschaftsumfeld können wir keine konkreten Aussagen zur Entwicklung von Umsatz oder Margen machen. Insgesamt gehen wir davon aus, das wir dem schwierigen Umfeld entsprechend ein gutes Resultat erzielen können.


<<Wir sind aber davon überzeugt, dass gerade die Solarindustrie innerhalb der gesamten Industrie von erneuerbaren und alternativen Energietechnologien aufgrund der weltweit geführten Energiedebatten und den beschlossenen Konjunkturförderprogrammen als erste davon profitiert.>>


Sie wollen sich zum integrierten Systemanbieter in der Waferhersteller entwickeln, wo stehen Sie heute?


Die Meyer Burger AG ist heute bereits ein führender Anbieter von integrierten und automatisierten Systemen in der Herstellung von kristallinen Siliziumwafer. Wir verfügen über die langjährige Erfahrung und die Kernkompetenzen in der Bearbeitung von kristallinen Materialien wie Silizium, Saphir oder Keramik. Unser Produkte- und Serviceportfolio bietet vom kundenspezifischen Anlagenbau bis zu integrierten teil- und vollautomatisierten Systemlösungen inklusive Produktionsleit- und Analysesysteme ein umfassendes Angebot.


Wie steht es mit Akquisitionen, bietet die Krise da nicht auch Chancen?


Wir beobachten den Markt und die Entwicklungen in der Solarindustrie mit grosser Aufmerksamkeit. Es ist Teil unserer Strategie, entlang der Wertschöpfungskette zu wachsen und unsere Position als weltweite aktive Technologiegruppe in der Solarindustrie zu festigen und auszubauen. Im Rahmen dieser Wachstumsstrategie prüfen wir laufend mögliche Szenarien in bezug auf ?Mergers & Akquisition?. Es gilt aber immer mit grosser Umsicht und Verantwortung zu handeln. Ganz nach dem Credo ?Survival of the Fittest?.


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Spüren Sie bereits Auswirkungen der Konjunkturproramme auf Investitionen in erneuerbare Energien?


Es gibt Signale, die jedoch bereits als messbare Auswirkungen zu deuten, ist noch etwas verfrüht. Wir gehen jedoch davon aus,das wir solche noch 2009 sehen werden. So beobachten bereits erste Aktivitäten die uns sehr positiv stimmen und welche uns in unserer Ueberzeugung stärken, dass die Solarindustrie eine zentrale Rolle in der zukünftigen Energiepolitik ? was ein weltweites Thema ist ? spielen wird.

Welche Entwicklung erwarten Sie in der Solarindustrie im kommenden Jahrzehnt?


Die Solarindustrie wird innerhalb der neuen Energiepolitik eine tragende Rolle spielen. Die Nutzung der Sonnenkraft mit den bereits heute bestehenden Technologien ist ein Muss und wird in Zukunft unabdingbar werden, um den zukünftigen Energiebedarf der Weltbevölkerung zu sichern und zu befriedigen.


<<Die Meyer Burger befindet sich noch immer in einer äussert aktiven Wachstumsphase. In dieser Phase wollen wir die erwirtschafteten Gewinne thesaurieren und für die Sicherstellung eines konstanten Wachstums wieder in das Unternehmen investieren.>>


Welche Stellung nimmt hier die die Schweiz ein?


Als Technologiestandort muss die Schweiz in Zukunft eine sehr wichtige Rolle einnehmen. Das bedeutet, dass wir schon heute alles daran setzen, um die Rahmenbedingungen auf Ebene Politik, Ausbildung und Wirtschaft so zu gestalten, dass wir die bestmöglichen Voraussetzungen schaffen, an dieser Zukunftsindustrie aktiv mitzuarbeiten.

Wieviel werden Sie im laufenden Jahr investieren, werden es wieder etwa 6% vom Umsatz?


Als Technologieunternehmen ist die Förderung von Entwicklung und Forschung ein Kernelement. Wir haben in der Vergangenheit und wir werden auch in Zukunft in diesem Bereich weiter intensiv investieren. In welcher Grössenordnung kann ich nicht absolut beziffern. Es wird sich aber bestimmt im Bereich der bekannten Grössen handeln.

Sie haben sich von einem Aktienpaket getrennt, sind weitere Verkäufe vorgesehen?


Ich bin an einer erfolgreichen, langfristigen und gesunden Entwicklung des Unternehmens Meyer Burger AG und der Technologiegruppe Meyer Burger interessiert. Mein ganzes Engagement, Interesse und meine Energie fokussiere ich auf dieses Ziel. Meine persönliche, finanzielle Situation spielt dabei eine untergeordnete Rolle und betrachte ich unabhängig von diesen.

Unter welchen Bedingungen dürfen die Aktionäre mit einer Dividende rechnen?


Die Meyer Burger befindet sich noch immer in einer äussert aktiven Wachstumsphase. In dieser Phase wollen wir die erwirtschafteten Gewinne thesaurieren und für die Sicherstellung eines konstanten Wachstums wieder in das Unternehmen investieren.





Zur Person:
Peter Pauli ist Schweizer und seit 2002 Chief Executive Officer und Mitglied des Verwaltungsrates der Meyer Burger AG und der Meyer Burger Technologie AG. Der gelernte Maschinenschlosser ist Diplom-Ingenieur FH in Maschinenbau mit Fachrichtung Betriebsingenieurwesen und absolvierte ein Nachdiplomstudium Wirtschaftsingenieur mit Fachrichtung Unternehmensführung  Advanced Management Program, INSEAD.

Zwischen 1985 und 2002 war er bei der Siegling-Gruppe beschäftigt. 1990 übernahm er dort die Betriebsleitung als Mitglied der Geschäftsleitung der Transelastic AG, Wallbach. 1995 erfolgte die Übernahme der Geschäftsleitung der Siegling (Schweiz) im Rahmen der Übernahme durch Forbo. Im Jahr 2000 übernahm er  den europäischen Vertrieb und die Service Organisationen mit 8 Gesellschaften und rund 400 Mitarbeitenden als Leiter Vertrieb & Marketing der Siegling GmbH in Hannover. Zudem war er auch Mitglied des «Turnaround Teams» im Auftrag des Forbo-Verwaltungsrats. Seit 2005 amtet er auch als Vizepräsident der SiC Processing (Wuxi) Ltd., Wuxi, China


Zum Unternehmen:
Die Meyer Burger Technology AG stellt Spezialsägemaschinen und Systemlösungen mit Draht-, Band- und Trennsägen für das Trennen von harten und spröden Materialien wie Silicium, Saphir oder anderen Kristallen in Wafer, Prismen und anderen Formen her. Diese finden hauptsächlich in der Solarindustrie (Photovoltaik), der Halbleiter- und der Optikindustrie Anwendung. Meyer Burger erzielte im Geschäftsjahr 2008 einen Nettoumsatz von 455 Mio CHF .und beschäftigte per Jahresende weltweit 630 Mitarbeitende.

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