Philip Mosimann, CEO Bucher Industries

von Patrick Gunti


Herr Mosimann, im Jubiläumsjahr ein Rekordergebnis mit einer Zunahme des Reingewinns um 79 % und einer Umsatzsteigerung von 18 %. Wie werten Sie das Resultat und in welchem Marktumfeld ist es zu Stande gekommen?


Die Divisionen waren bereit und konnten die konjunkturell sehr günstigen Bedingungen voll ausnutzen. Dass die grosse Volumen- und Ergebnissteigerung im Wesentlichen mit den bestehenden, bis zum Teil über die Grenzen belasteten Infrastrukturen gelang, verdient besondere Anerkennung. Dieser Erfolg ist für alle ein schönes Jubiläumsgeschenk.


Die Kuhn Group als grösste Division machte mit ihren spezialisierten Landmaschinen einen Umsatz von 929,2 Mio. Franken (+ 19,3 %). Was hat das Geschäft in diesem Segment geprägt?


Die Aussichten der Agrarwirtschaft sind so gut wie seit Jahren nicht mehr. Die Butterberge und Milchseen sind verschwunden, die Preise für landwirtschaftliche Produkte sind stark angestiegen und der Trend zu erneuerbaren Energien stimuliert die Investitionsbereitschaft der Landwirte zusätzlich. Zudem waren die klimatischen Bedingungen ausser in Australien, wo wiederum Trockenheit herrscht, gut.


Alle Regionen haben zum Wachstum der Kuhn Group beigetragen, wie entwickelte sich das Geschäft am Produktionsstandort in Brasilien?


Der Umsatz verdoppelte sich und die Landwirtschaft erholt sich weiter. Nur im Osten des Landes, in den grossen Regionen des Mato Grosso und  Goia, machte sich die nach wie vor hohe Verschuldung der Betriebe bremsend bemerkbar. Wir erwarten eine weitere rasche Verbesserung der Lage im laufenden Jahr.


Bucher Municipal – das Geschäft mit Kehrfahrzeugen und Winterdienstgeräten –  steigerte den Umsatz um 3,6 %. Wie sind Sie mit diesem Resultat zufrieden?


Im Vorjahr legte die Division organisch mit über 11% zu. Positiv ist, dass erneut ein gutes organisches Wachstum erreicht werden konnte. Die Ertragskraft verbesserte sich mit einer Ebit-Marge von 6.6% stark und übertraf das gesteckte Etappenziel von 6% deutlich.


Spürt Bucher Municipal die Folgen von in tieferen Lagen praktisch schneefreien Wintern?


Der Winterdienst hat wie die Feuerwehr eine wichtige Funktion. Man braucht ihn eher selten, dann aber umso mehr. Deshalb ist der Verkauf neuer Geräte nicht grundsätzlich betroffen. In milden Wintern geht aber das Ersatzteilgeschäft zurück.


«Die Aussichten der Agrarwirtschaft sind so gut wie seit Jahren nicht mehr. Die Butterberge und Milchseen sind verschwunden, die Preise für landwirtschaftliche Produkte sind stark angestiegen und der Trend zu erneuerbaren Energien stimuliert die Investitionsbereitschaft der Landwirte zusätzlich.» (Philip Mosimann, CEO Bucher Industries)


Ein sehr gutes Jahr mit einem Umsatzplus von 25,6 % hatte Bucher Hydraulics zu verzeichnen. In welchen industriellen und geografischen Märkten war der konjunkturelle Rückenwind besonders stark?


Bucher Hydraulics ist hauptsächlich in der Mobilhydraulik tätig. Alle Segmente haben stark zugelegt, wobei die grössten Marktsegmente Landtechnik, Baumaschinen und Fördertechnik stark abschnitten. Die Energietechnik – Windenergie und Stromverteilung – und sicherheitsrelevante Komponenten bei Mobilkränen boomten regelrecht.


Bucher Industries hat Ende letzten Jahres in den USA Monarch Hydraulics übernommen. Welche strategische Bedeutung hat dieser Schritt und wie wird er sich umsatzmässig auswirken?


Der strategische Schritt macht Bucher Hydraulics zum internationalen Anbieter. Viele global tätige Grosskunden erwarten vom Zulieferer, dass er immer in ihrer Nähe ist. Mit Monarch Hydraulics, welche 2007 mit rund 240 Mitarbeitenden einen Umsatz von USD 67 Millionen erzielte, wird eine Plattform geschaffen, auf der das nordamerikanische Geschäft ausgebaut werden kann.


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Bucher Process erreichte ein Umsatzplus von 24,1 % und profitierte dabei u.a. vom Aufschwung des französischen Weinmarktes. Wie gross ist der weitere Nachholbedarf und wie wird Bucher Process davon profitieren?


Wir rechnen mit einer positiven Entwicklung in Frankreich. Hinzu kommt, dass neue Produkte wie zum Beispiel für die Pressung von Weissweintrauben unter Ausschluss von Sauerstoff, sich reger Nachfrage erfreuten. Auch die Fruchtsaftproduktion nimmt weiter zu, was auf den hohen Bedarf der Konsumenten nach gesunden Getränken zurückzuführen ist.


Wie hat sich die Nachfrage in anderen Weinbaunationen wie den USA, Australien und Chile entwickelt?


Sehr erfreulich, weshalb wir in Chile eine kleine Firma gekauft haben. Dort werden europäische Produkte an die lokalen Bedürfnisse angepasst und vor Ort montiert. Zudem haben wir dadurch unseren Service entscheidend verstärkt.


Emhart Glass rundet das starke Jahresergebnis mit einer Umsatzsteigerung von 26,6 % ab. Wie lautete hier die «Erfolgsformel»?


Der steigende Konsum von alkoholischen und fruchtsafthaltigen Getränken wirkte sich positiv auf die Nachfrage nach Glasbehältern aus. Zudem wurde in den vergangenen Jahren dieser Industriezweig eher konsolidiert, sodass neue Kapazitäten gebraucht werden. Dies fördert Modernisierungsinvestitionen aber zum Teil auch den Aufbau neuer Kapazitäten. Als Weltmarktführer profitierte Emhart Glass besonders von diesem Aufschwung, der dieses und auch nächstes Jahr anhalten dürfte.


Wie ist das Jahr 2008 angelaufen und wie schätzen Sie in Anbetracht der unsicheren Entwicklung der Weltwirtschaft die Aussichten für das Gesamtjahr ein?


Alle unsere Absatzmärkte erfreuen sich guter bis sehr guter Aussichten. Die Finanzkrise und die damit verbundene Schwäche des US Dollars treffen aber auch uns. Damit ist diese Prognose mit einiger Unsicherheit belastet. Dank der breiten geografischen Marktstellungen erwarten wir trotz den Unsicherheiten eine Zunahme von Umsatz, Betriebs- und Konzernergebnis.&


Herr Mosimann, besten Dank für das Interview. 





Zum Unternehmen:
Bucher Industries feierte im Jahr 2007 das 200-jährige Jubiläum der Erfolgsgeschichte von der Schmiede zum weltweit tätigen Technologiekonzern mit führenden Marktstellungen in Spezialgebieten des Maschinen- und Fahrzeugbaus. Die heutigen Aktivitätsgebiete umfassen spezialisierte Landmaschinen, Kommunalfahrzeuge, Produktionsanlagen für Wein und Fruchtsaft, Hydraulikkomponenten sowie Produktionsanlagen für die Glasbehälterindustrie. Das Unternehmen ist an der Schweizer Börse kotiert (SWX: BUCN). Bucher erzielte im Jahr 2007 mit rund 7 500 Mitarbeitenden einen Umsatz von CHF 2.5 Mia.


Zur Person:
Geboren 16.5.1954
Dipl. Masch. Ing. ETH Zürich, Vertiefung Turbomaschinen und Strömungstechnik.


– 1980 Beginn bei Sulzer als Forschungsingenieur
– 1982-1997 15 Jahre im Kraftwerksbau vom Ingenieur zum Divisionsleiter
– 1997-2001 Mitglied der Sulzer Konzernleitung und Leiter Konzernbereich Sulzer Textil
– 2001 Mitglied der Konzernleitung Bucher Industries
– seit 2002 Chief Executive Officer Bucher Industries. 

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