Porsche bekommt kein Geld vom Staat

Porsche könne das Gesuch allerdings nachbessern, zumal darin eine mögliche Kapitalbeteiligung des Emirats Katar noch nicht berücksichtigt sei. Endgültig über das Gesuch entscheiden muss der Lenkungsausschuss der Bundesregierung. Er kann sich theoretisch über das Votum der KfW hinwegsetzen, was aber als höchst unwahrscheinlich gilt. SPD-Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier hatte zuvor bereits betont, dass der Kredit über 1,75 Milliarden Euro nur bewilligt werden dürfe, wenn die KfW zu dem Ergebnis komme, dass das Darlehen zu üblichen Geschäftsbedingungen und mit der Aussicht auf Gewinn vergeben werden könne.


Porsche muss Umsatzrückgang verkraften
Der hoch verschuldete Sportwagen-Hersteller hat in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres ohne seine VW-Beteiligung einen Rückgang bei Umsatz, Absatz und dem operativen Ergebnis verzeichnet. Der Umsatz sank im Vergleich zur Vorjahresperiode von August bis April um 15% auf 4,6 Mrd. Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Das operative Ergebnis lag unter dem Vorjahr. Dagegen sei das Ergebnis auf VW-Aktienoptionsgeschäfte durch den hohen Kurs der VW-Stammaktie «deutlich angestiegen». Bereits in den Vorjahren hatte Porsche keine genauen Zahlen bekannt gegeben, sondern nur eine Tendenz.


Starker Absatzeinbruch
Der Absatz der Baureihen 911, Boxster/Cayman und Cayenne ging im Zuge der allgemeinen Branchenkrise um 27,6 Prozent auf 53.635 Sport- und Geländewagen zurück. Besonders stark fiel wegen des Modellwechsels im Februar der Rückgang der Nachfrage bei der Mittelmotor-Baureihe Boxster/Cayman aus. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet der Konzern im Vergleich zum Vorjahr mit einem geringeren Absatz und Umsatz.


Massive Verschuldung
Nach der Mehrheitsübernahme von Volkswagen im Januar wird Europas grösster Autobauer auch im Abschluss der Porsche SE konsolidiert. Durch die Aufstockung der VW-Beteiligung auf knapp 51 Prozent hatte der Sportwagen-Hersteller massiv Schulden aufgehäuft. Mittlerweile hat sich Porsche Kredite in Höhe von 10,75 Milliarden Euro gesichert. Weitere 1,75 Milliarden Euro sollen von der staatlichen Förderbank KfW kommen. Zudem führen die Stuttgarter derzeit Gespräche über einen Einstieg des finanzstarken Emirats Katar.


Dramatischer Machtkampf bei Porsche
Derweil eskaliert bei Porsche einem Pressebericht zufolge der Machtkampf zwischen Vorstand und Grossaktionär Ferdinand Piëch. Nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» wirft Konzernchef Wendelin Wiedeking Miteigentümer Piëch vor, Porsche mit öffentlichen Attacken möglicherweise schwer geschadet zu haben. Dafür müsse Piëch notfalls «persönlich haften», warnt ihn Wiedeking in einem Brief.


Das hat es in der deutschen Wirtschaftsgeschichte noch nicht gegeben: Der angestellte Vorstandschef eines der bekanntesten Konzerne ruft dessen Miteigentümer mit harten Worten zur Ordnung und droht ihm sogar mit Schadenersatzforderungen. In seinem öffentlich bisher nicht bekannten Brief vom 13.Mai verwahrt sich Wiedeking gegen Attacken von Piëch, der als Grossaktionär und Aufsichtsrat bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen massgeblichen Einfluss auf den Sportwagen-Hersteller hat. Als VW-Aufsichtsratschef bestimmt der österreichische Industrielle auch die Geschicke des Wolfsburger Konzerns mit.


Piëch blamiert Wiedeking auf VW-Veranstaltung
Piëch ist ein Enkel von Ferdinand Porsche, der den legendären VW-Käfer konstruiert hatte. Der Industrielle hatte Wiedeking und dessen Unternehmenspolitik Mitte Mai bei einer VW-Veranstaltung auf Sardinien öffentlich heftig angegriffen, ja blamiert. Das kam einer Demontage von Wiedeking gleich, der einer der bekanntesten und zugleich der bestbezahlte deutsche Manager ist. Tags darauf holte der Porsche-Chef in seinem Brief an Piëch zum Gegenschlag aus. Wiedeking warf Piëch unter anderem vor, dessen Äusserungen seien unter Umständen geschäftsschädigend gewesen. Piëch habe als Aufsichtsrat besondere Pflichten, die er womöglich verletzt habe. In Konzernkreisen wird Piëch auch vorgeworfen, er habe ,»den Wert des eigenen Unternehmens heruntergeredet» und die Verhandlungen mit den Banken über neue Milliardenkredite wie auch die Fusionsgespräche mit VW gestört. Das könne sich im schlimmsten Fall auf die Kreditwürdigkeit von Porsche auswirken.


Familie Porsche stützt Wiedking
Piëch hat nach Angaben aus Konzernkreisen Wiedekings Vorwürfe in einem Antwortbrief zurückgewiesen und erklärt, er habe Porsche nicht geschadet. Üblicherweise würde eine solche Auseinandersetzung zur sofortigen Entlassung des unbotsamen Chef-Angestellten führen. Offenbar aber kann Piëch eine Ablösung von Wiedeking nicht durchsetzen. Dieser wird von der Familie Porsche gestützt, dem anderen Grossaktionär neben dem Piëch-Clan.   (awp/mc/pg/08)

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