Porsche weist Angebot von VW zurück

Porsche könne auf den Vorschlag gar nicht eingehen, weil dann sofort der Kredit über 10,75 Milliarden Euro fällig werde, den das Unternehmen sich bei einem Bankenkonsortium gesichert habe. Dies sei in dem Kreditvertrag vorgesehen. Die Aktie gab nach den Aussagen des Sprechers deutlich nach und rutschte ins Minus.


Rettungsangebot per Kurier zugestellt
Der VW-Vorstand habe Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche in der vergangenen Woche per Kurier das Angebot geschickt, sagte der Sprecher. An Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sei es jedoch nicht gegangen. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» würde VW Porsche für den Anteil drei bis vier Milliarden Euro bezahlen. In einem nächsten Schritt würde dem Bericht zufolge das Emirat Katar VW-Aktienoptionen übernehmen, die von der Porsche Holding gehalten werden. Zum Schluss müssten die Unternehmen Porsche und VW fusionieren.


Anhaltende Verhandlungen mit Katar
Dabei könnten die Familien Porsche und Piëch dem «Spiegel»-Bericht zufolge an einem Automobilkonzern VW/Porsche mehr als 40 Prozent der Aktien halten, Niedersachsen 20, Katar rund 15 und ein weiterer Staatsfonds fünf Prozent. Porsche hatte sich bei der geplanten VW-Übernahme massiv verhoben und einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Seit Monaten versuchen die Stuttgarter fieberhaft, ihre Finanzprobleme in den Griff zu bekommen. Seit längerem verhandelt Wiedeking auch mit dem Emirat Katar über einen möglichen Einstieg.


Druck auf Porsche wird immer grösser
Zuvor war bekannt geworden, dass im verbitterten Machtkampf zwischen Volkswagen und Porsche um die Zukunft der beiden Autobauer der Druck auf den hoch verschuldeten Sportwagenbauer immer grösser wird. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) verlangt von den Stuttgartern eine Entscheidung über die künftige Zusammenarbeit mit VW. «Es liegen jetzt alle Fakten auf dem Tisch», sagte Wulff am Montag in Berlin. Nun müsse geklärt werden, ob jeder seinen eigenen Weg gehe oder nicht. «Einen gemeinsamen Weg halte ich für sinnvoll.»


Bericht: Katar reagiert zunehmend genervt
Auf den Übernahme-Machtkampf reagiert der mögliche Geldgeber Katar, mit dem Porsche-Chef Wendelin Wiedeking seit längerem verhandelt, laut einem Zeitungsbericht zunehmend entnervt. Das Emirat fordere «eine baldige Entscheidung», die «einvernehmlich ausfallen» müsse, berichtete das «Handelsblatt» (Montag) aus Verhandlungskreisen. Ansonsten könnte das reiche Golfemirat dem Bericht zufolge als Investor abspringen.


Kreise: Weiterhin alle drei Möglichkeiten eine Option
Porsche ist wegen der Mehrheitsübernahme von Europas grösstem Autobauer mit rund neun Milliarden Euro verschuldet und sucht händeringend nach neuen Geldquellen. Die Hoffnungen der Stuttgarter ruhen dabei auf dem Emirat Katar. Das Emirat fasst laut «Handelsblatt» nur noch eine Beteiligung an einem integrierten Autokonzern aus Volkswagen und Porsche ins Auge. Sie wollten sich nicht an der Porsche SE allein oder nur an VW beteiligen. Katar wolle sich nicht gegen den Willen von VW und des VW-Grossaktionärs Niedersachsen «mit der Brechstange beteiligen», zitiert das Blatt aus Verhandlungskreisen. In Stuttgart hiess es, es seien weiterhin alle drei Möglichkeiten eine Option. 


Wiedeking will bis 2012 Porsche-Chef bleiben
Derweil denkt der angeschlagene Porsche-Chef Wendelin Wiedeking nicht ans Aufhören und will den hoch verschuldeten Sportwagenbauer noch bis mindestens 2012 lenken. «Ich habe bei Porsche ein Projekt begonnen, nämlich die Schaffung einer starken Allianz von Volkswagen und Porsche. Das möchte ich zu Ende bringen», sagte Wiedeking der «Bild am Sonntag». «Mein Vertrag läuft bis 2012.» Zu seinem Verhältnis zu Porsche-Miteigentümer und VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch sagte der 56-Jährige: «Was Herrn Piëch angeht, so hat er mir bisher nicht persönlich mitgeteilt, dass er unzufrieden mit mir ist.»


Bibelzitat
Auf die Frage, ob er persönlich Fehler gemacht habe, sagte Wiedeking: «Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein.» Den Vorwurf, er habe Porsche vor die Wand gefahren, wies Wiedeking aber zurück. «Wir schlagen uns auch in der Krise tapfer», sagte der Manager dem Blatt. «Ich jedenfalls kämpfe mit Herz und Energie für Porsche und werde selbstverständlich meiner Verantwortung für Volkswagen gerecht.» (awp/mc/ps/03)

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